SENDETERMIN Mo, 05.02.18 | 20:15 Uhr | Das Erste

Erlebnis Erde: Wale vor unserer Küste

Giganten der Meere: Pottwale werden bis zu 20 Meter lang und 50 Tonnen schwer. Im Vergleich wirkt der Taucher wie ein Zwerg.
Pottwale sind die Giganten der Meere. | Bild: NDR/Doclights GmbH / NDR Naturfilm

Anfang 2016 stranden 30 Pottwale an der Nordseeküste. 20 von ihnen verenden qualvoll vor deutschen Deichen. Die Bilder der sterbenden Wale bewegen Wissenschaftler, Medien und viele Bürger gleichermaßen. Pottwale sind mit bis zu 20 Metern Körperlänge und 60 Tonnen Gewicht die größten Raubtiere der Erde. Sie jagen in der Tiefsee nach Tintenfischen. Warum haben sich 30 Walbullen in die flache Nordsee verirrt? War es das zur Jahreswende wütende Sturmtief Frank, das die Riesen in die Nordsee warf? Folgten die Wale der vom Sturm verdrifteten Beute, den Tintenfischen? Geriet ihre Navigation durcheinander oder hat extremer Lärm die Wale taub und damit orientierungslos gemacht?

Der Meeresbiologe, Taucher und Naturfilmer Florian Graner will den Grund für die Strandungen herausfinden. Seine Spurensuche beginnt dort, wo die Pottwalbullen herkamen – am Polarkreis vor Norwegens Küste. Auch andere Walarten, die vor Norwegen leben, tauchen immer wieder bei uns auf. Seit 2015 werden vermehrt Finn-, Buckel- und Zwergwale, sowie Delfine vor unseren Küsten gesichtet. Große Tümmler schwimmen in die Ostseeförden und nähern sich Menschen ohne Scheu. Auch ein Orca liegt plötzlich tot am Strand vor Sylt. Warum werden gerade jetzt die verschiedensten Walarten in der Nord- und Ostsee beobachtet? Florian Graner recherchiert und findet überraschende Erklärungen.

Gefährlicher Lärm

Kleiner Wal vor unserer Küste: Schweinswale, die kleinen Verwandten der großen Pottwale, leben das ganze Jahr über in Nord- und Ostsee.
Kleiner Wal vor unserer Küste: Schweinswale, die kleinen Verwandten der großen Pottwale, leben das ganze Jahr über in Nord- und Ostsee. | Bild: NDR/Doclights GmbH / NDR Naturfilm

Eine Walart liegt dem Meeresbiologen besonders am Herzen: der Schweinswal. Er ist unser einziger heimischer Wal und einer der kleinsten weltweit. Kaum jemand kennt das scheue Tier, das im Sommer vor den Stränden der Nord- und Ostsee seinen Nachwuchs zur Welt bringt. Vor Jahren hat Florian seine Doktorarbeit über den Schweinswal geschrieben. Seitdem hat sich der Lebensraum dieses Tieres dramatisch verändert. Zu den Stellnetzen, in denen viele Wale ertrinken, kommen Schadstoffe und Müll im Meer. Doch die größte Gefahr ist auch für ihn der Lärm, der ständig zunimmt. Vor allem durch die Schifffahrt und die Offshore-Baustellen für Windenergie, deren Rammen das Meer erschüttern. Wale orten mit Schall. Ihre Orientierung und Kommunikation läuft über das Gehör. Wird es durch Lärm geschädigt, können sie keine Nahrung mehr finden und verhungern. Florian Graner trifft Wissenschaftler, die die Schweinswale erforschen, um sie besser schützen zu können.

Meeresbiologe Florian Graner trifft Schweinswalforscher Jonas Teilmann.
Meeresbiologe Florian Graner trifft Schweinswalforscher Jonas Teilmann. | Bild: NDR/Doclights GmbH / NDR Naturfilm

"Wale vor unserer Küste" ist eine spannende Naturreportage, die mit bewegenden Bildern in die Welt der Wale vordringt und deutlich macht, warum es auch an Nord- und Ostsee so wichtig ist, sich um ihren Schutz zu kümmern.

Ein Film von Holger Vogt