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Geheimnisvolle Orte (3): Hohenlychen

PlayTuberkuloseheilstätte, Reichssportsanatorium, sowjetisches Lazarett; die gesellschaftlichen und privaten Katastrophen des 20. Jahrhunderts haben sich auf dem nur wenige Quadratkilometer großem Gelände von Hohenlychen abgespielt. In der Zeit des Nationalsozialismus traf sich hier die braune Elite zur Regeneration. - Sanatoriumsgebäude
Geheimnisvolle Orte (3): Hohenlychen  | Video verfügbar bis 02.07.2019 | Bild: rbb / Manfred Selle

Hohenlychen, 80 Kilometer nördlich von Berlin. Villen und Häuser im Fachwerkstil, hoch über dem Zenssee. Pracht im Verfall begriffen. Prunkvolle Treppenaufgänge, Hunderte von Zimmern und Sälen. Mitte des letzten Jahrhunderts gehörte Hohenlychen zu den Orten, wo sich die nationale und internationale Prominenz der Welt traf. Hohenlychen versprach Genesung, Entspannung und erstklassige medizinische Betreuung, ein kleines Davos mitten in der Mark Brandenburg. In der Zeit des Nationalsozialismus zogen sich Rudolf Hess und Albert Speer ausgelaugt und erschöpft immer wieder nach Hohenlychen zurück, deutsche Sportler bereiteten sich hier auf die Olympischen Spiele 1936 vor.

Dramen und Skandale

Auch der Star der Olympischen Spiele, Jesse Owens, kam nach Hohenlychen, um sich von der Koryphäe der Sportmedizin Karl Gebhardt am Meniskus operieren zu lassen. Dramen und Skandale ereigneten sich in der märkischen Idylle. Das letzte Duell in Deutschland wurde im Wald neben dem Sanatorium ausgetragen – es endete tödlich für einen der Duellanten.

Tuberkuloseheilstätte, Reichssportsanatorium, sowjetisches Lazarett; die gesellschaftlichen und privaten Katastrophen des 20. Jahrhunderts haben sich auf dem nur wenige Quadratkilometer großem Gelände von Hohenlychen abgespielt. In der Zeit des Nationalsozialismus traf sich hier die braune Elite zur Regeneration. - Treppenaufgang im Sanatorium
Treppenaufgang im Sanatorium | Bild: rbb / Manfred Selle

Vom Sanatorium fuhren Ärzte in die Konzentrationslager Ravensbrück und Neuengamme, um medizinische Versuche an Frauen und Kindern durchzuführen – im Namen des medizinischen Fortschritts. Internationales Aufsehen erregte der Tod der Kinder vom Bullenhuser Damm. An dem Verbrechen war maßgeblich ein Arzt aus Hohenlychen beteiligt. Wenige Wochen vor dem Ende des Zweiten Weltkriegs empfing Heinrich Himmler in Hohenlychen den schwedischen Diplomaten Graf Folke Bernadotte, um einen separaten Frieden zu verhandeln. Im Gegenzug kamen Tausende, in Konzentrationslagern inhaftierte Frauen frei.

Zeitzeugen berichten

Begonnen hatte die Erfolgsgeschichte Hohenlychen bereits 1902, als der Berliner Geheimrat und Arzt Gotthold Pannwitz an diesem Ort die ersten Baracken für Tuberkulosekranke aufbauen ließ und aus Hohenlychen ein Mekka der Schwindsüchtigen machte. In die Bedeutungslosigkeit fiel das ehemalige Sanatorium nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Für fünf Jahrzehnte blieb Hohenlychen sowjetisches Lazarett; für Deutsche – Betreten verboten. Zeitzeugen, wie der Sohn von Graf Folke Bernadotte, die Polin Wanda Poltawska und der letzte sowjetische Chef des Lazaretts Hohenlychen kommen zu Wort.

Ein Film von Gabriele Denecke

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Di, 03.07.18 | 00:30 Uhr
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Produktion

Rundfunk Berlin-Brandenburg
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