SENDETERMIN Mo, 23.02.15 | 23:30 Uhr

Geheimnisvolle Orte: Die Columbuskaje

Bremerhavens Auswandererkai – Die Columbuskaje

Kreuzfahrtschiff an der Columbuskaje
Die Columbuskaje in Bremerhaven: früher Schicksalsort für Auswanderer und Flüchtlinge, heute moderner Kreuzfahrtterminal. | Bild: Radio Bremen

Es gibt geschichtsträchtige Orte, die sind auf den ersten Blick nicht spektakulär. Die Columbuskaje in Bremerhaven, das sind nur 1.000 Meter nüchterne Kaimauer. Aber genau dieser Kilometer aus Stein und Spuntwand wurde für über acht Millionen Menschen zum Schicksalsort.

"Kaje der Tränen"

Auswanderer auf der Suche nach einem besseren Leben. Kriegsflüchtlinge, Heimatlose, "Displaced Persons", die von hier aus aufbrachen, um eine neue Heimat zu finden. Die meisten sahen ihre alte Heimat nie wieder. "Kaje der Tränen", so heißt die Columbuskaje im Volksmund. Seit Mitte des 19. Jahrhunderts war Bremerhaven der bedeutendste Auswandererhafen Europas. Aus ganz Europa kamen die Menschen, die den Aufbruch in die neue Welt wagen wollten und sich ein besseres Leben erhofften in Amerika oder Australien.

Auswanderer an der Columbuskaje (historisches Bild)
Über acht Millionen Menschen nutzten seit dem frühen 19. Jahrhundert Bremerhavens Kais als Sprungbrett in die neue Welt. | Bild: Radio Bremen

Ein großes Wagnis damals, allein die Überfahrt war gefährlich genug. Sie dauerte sechs Wochen bis New York. Die Reeder verdienten gut daran, Auswanderer in die neue Welt zu schiffen und auf dem Rückweg Kolonialwaren für die Märkte im alten Europa zu transportieren. Und bald schon eröffnete sich ein neues Geschäftsfeld: der reguläre Transatlantikverkehr von Bremerhaven in die Großstädte Amerikas. Immer mehr Menschen reisten so hin und her, auf immer luxuriöseren Schiffen.

Abschiede an der Kaje regelrecht inszeniert

Diese Entwicklung erforderte neue Anlegemöglichkeiten für Schiffe in Bremerhaven. Als 1927 die Columbuskaje eröffnet wurde, war der Höhepunkt erreicht. Die legendären Ozeanriesen des Norddeutschen Lloyd, wie die "Bremen" oder die Namensgeberin "Columbus" boten hier prominenten Reisende wie dem Tenor Richard Tauber oder Filmdiva Marlene Dietrich eine glamouröse, standesgemäße Reisemöglichkeit. Die Abschiede an der Kaje wurden regelrecht inszeniert. Blaskapellen spielten "Muss i denn zum Städtele hinaus". Das süddeutsche Volkslied wurde zum Symbol für den Aufbruch nach Übersee.

Esther Bauer und ihr Mann Bill flohen über die Columbuskaje aus Deutschland.
Esther Bauer und ihr Mann Bill flohen über die Columbuskaje aus Deutschland. | Bild: Radio Bremen

Flucht vor Verfolgung und Ermordung

Mit der Machtübernahme der Nazis begann ein neues, düsteres Kapitel in der Geschichte der Columbuskaje. Es spielte keine Kapelle, wenn jüdische Flüchtlinge oft in letzter Minute noch ein Schiff erwischten, das sie vor Verfolgung und Ermordung rettete. Die Luxusliner wurden umgebaut zu Lazarettschiffen, viele im Krieg zerbombt.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Columbuskaje dann zum Aufbruchsort für Hunderttausende "Displaced Persons", die nach Verfolgung, Konzentrationslager oder Vertreibung nur weg wollten aus Deutschland. Und umgekehrt zum "Port of Embarkation", dem Nachschubhafen der amerikanischen Armee für ganz Europa.

Menschen nehmen Abschied an der Columbuskaje (historisches Bild)
"Kaje der Tränen", so wird die Columbuskaje in Bremerhaven auch genannt. | Bild: Radio Bremen

Hier betrat 1958 der flotteste GI aller Zeiten europäischen Boden: Elvis Presley. Die Dokumentation taucht ein in die Geschichte der Columbuskaje, Auswanderer, Flüchtlinge, Heimkehrer erinnern sich an die Momente des Abschieds, umfangreiches Archivmaterial zeigt Bilder aus den glamourösen Zeiten des transatlantischen Reisens.

Ein Film von Susanne Brahms und Michaela Herold

"Bremerhavens Auswandererkai – Die Columbuskaje" ist eine Produktion der Bremedia Produktion im Auftrag von Radio Bremen.

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Mo, 23.02.15 | 23:30 Uhr

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