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Der Edeka/Rewe-Check

Markencheck

Einkaufstüten von Rewe und Edeka (Bild: WDR) Bild vergrößern bzw. verkleinern Bildunterschrift: Zwei Supermarktriesen im Check: Rewe und Edeka ]
Die beiden Supermarktriesen Rewe und Edeka sind eigentlich Konkurrenten. Trotzdem haben wir sie zusammen betrachtet. Denn sie eint ein Geschäftsmodell: besser zu sein als die Discounter Aldi, Lidl und Co. Aber sind sie das auch? Wir haben den Markencheck gemacht.

Verkaufsmasche

Wirkt sich das Image von Rewe und Edeka auf den Geschmack aus? (Bild: WDR) Bild vergrößern bzw. verkleinern Bildunterschrift: Auf dem Prüfstand: Wirkt sich das Image von Rewe und Edeka auf den Geschmack aus? ]
Wir kaufen zunächst Orangensaft und Käse aus Holland, den weder Rewe noch Edeka in ihrem Sortiment führen. Diese Lebensmittel bieten wir in der Essener Fußgängerzone zum Probieren an – allerdings getarnt als Produkte von Lidl, Edeka, Aldi und Rewe. Fällt unser kleiner Schwindel auf? Die Antwort: Nein! Die meisten Passanten geben an, dass ihnen Saft und Käse von Rewe und Edeka besser geschmeckt hätten als die Produkte von Lidl oder Aldi – obwohl alles vom selben Hersteller stammt. Wie machen Rewe und Edeka das?

Achim Fringes war früher selbst Manager im Supermarkt und ist heute als Berater im Einzelhandel tätig. Er sagt, vor allem die Ladengestaltung spiele eine große Rolle beim Einkaufen. So könne zum Beispiel ein Bodenbelag, der Pflastersteinen nachempfunden ist, Frische suggerieren. Der Kunde fühle sich unterbewusst wie auf dem Markt – und zahle deshalb gerne etwas mehr für Obst oder Gemüse.

Das wollen wir ausprobieren. Wir beobachten bei Rewe und Edeka 15 Kunden beim Einkaufen. Das Ergebnis: Keiner kommt nur mit dem heraus, was er ursprünglich besorgen wollte. Dieses Einkaufsverhalten spiegelt sich auch in einer Studie wieder. Das Marktforschungsunternehmen GfK hat herausgefunden, dass mehr als ein Drittel der Einkäufe im Supermarkt spontan erfolgen. Wir denken uns oft nichts dabei, die Händler schon.

Auch die Vielfalt verführe zum Kauf eines teureren Produktes, sagt Achim Fringes. Wenn zum Beispiel der Preis von Essig zwischen 39 Cent und 9,99 Euro variiert, "gehen Sie auf Nummer sicher und nehmen die Mitte." Beim Discounter fällt diese Entscheidung häufig weg – Essig für 9,99 Euro gibt es dort nämlich gar nicht im Sortiment.

Weitere beliebte Verkaufsmaschen: Sammelbilder für einen Einkauf ab zehn Euro. Oder bei Rewe "Cash Back", das direkte Abheben von Bargeld an der Kasse bei einem Einkauf ab 20 Euro. Da überlegt man als Kunde genau, ob man nicht doch noch bei der Tüte Chips zugreift, um auf die nötige Summe zu kommen.

Unser erstes Checkurteil: Die Verkaufsmaschen bei Rewe und Edeka sind ausgeklügelt.

Preis

Der Edeka/Rewe-Check (Bild: WDR) Bild vergrößern bzw. verkleinern Bildunterschrift: Der Edeka/Rewe-Check ]
"Wegen des Preises bräuchte man eigentlich nicht zu einem Discounter gehen", sagt Heinz Wilhelm Paschmann, der seit 50 Jahren Edeka-Kaufmann ist. Wenn Aldi etwa die Milch preiswerter im Angebot habe, dann ziehe Edeka nach. "Wir würden binnen eines halben Tages auf jeden Fall genau denselben Preis machen", sagt Paschmann.

Tatsächlich? Wir kaufen im November 2012 Toilettenpapier, Butter und Milch von den günstigen Eigenmarken bei Rewe, Edeka und Aldi. Und wirklich: Egal ob Toilettenpapier, Milch oder Butter – alle haben auf den Cent genau die gleichen Preise.

Vergleichen wir die Preise von 15 verschiedenen Markenprodukten in vier verschiedenen Städten, bei jeweils vier Supermärkten, erhalten wir ein anderes Ergebnis. Jetzt ist der Warenkorb bei Lidl am günstigsten, gefolgt von Netto, Edeka und Rewe. Der Abstand zwischen Rewe und Lidl beträgt gerade einmal 1,50 Euro.

Aber eine Kategorie haben wir noch nicht berücksichtigt: Sonderangebote. Wo gibt es die günstigsten Schnäppchen – im Supermarkt oder beim Discounter? Die Experten von der Internetseite Lebensmittel-Suchmaschine.de finden für uns heraus, welcher Supermarkt die Produkte aus unserem Warenkorb wie oft und zu welchem Preis angeboten hat. Der Zeitraum: Januar bis Oktober 2012.

Und das Ergebnis: Wieder hat Lidl im Schnitt die günstigsten Sonderangebote. Doch auch hier liegen die anderen Märkte nur knapp dahinter. Die Spanne beträgt kaum mehr als ein Euro.

Unser zweites Checkurteil: Die Preise bei Rewe und Edeka sind vertretbar.

Qualität

Aber billig, so heißt es in der Edeka-Werbung, kann jeder. Edeka und auch Rewe wollen qualitativ besser sein als die Discounter. Klappt das?

Wir gehen erneut einkaufen. Wieder sind wir in vier Städten, bei vier Märkten. Diesmal geht es um frische Produkte: Feldsalat, Zucchini und Trauben. Das Obst und Gemüse bringen wir zur Untersuchung ins Quh-Lab in Siegen, ein Labor für Lebensmittelsicherheit.

Eine Probe von Edeka fällt direkt auf: "Hier hat jetzt schon ein Verrottungsprozess eingesetzt", sagt Michaela Baier vom Quh-Lab. "So etwas darf eigentlich nicht mehr verkauft werden." Wir packen alle Produkte in den Kühlschrank: Was hält wie lange?

Fünf Tage später sehen wir nach. Das Obst und Gemüse hat sich gut gehalten, ist noch frisch und für den Verzehr unbedenklich. Die einzige Ausnahme bildet der schon beanstandete Salat von Edeka. Der sei ungenießbar, aber auch ungefährlich, so das Labor. Trotzdem: Einen Frischevorteil hatten Rewe und Edeka bei unserer Stichprobe nicht.

Neben dem Gemüse lassen wir auch Fleisch testen: Hackfleisch und Schinken. Rewe und Edeka bieten beides in drei verschiedenen Preisstufen an. Es gibt abgepacktes Fleisch zum Discountpreis, ein etwas edleres Fleisch-Produkt aus dem Kühlregal und das teurere Fleisch an der Theke. Das Institut Nehring in Braunschweig soll für uns klären, wo die Unterschiede liegen.

Zuerst ist das Hackfleisch dran: "Entscheidend ist sicher der Bindegewebsanteil, das ist ein Qualitätsmerkmal", sagt Ulrich Nehring vom Institut. Für eine genaue Analyse werden die Hackfleischproben zerkleinert, mit Sand gemischt und getrocknet. Mit dieser Methode wird dem Fleisch das Fett entzogen, sodass der Fettanteil bestimmt werden kann.

Derweil sind wir bei Wilhelm Brandenburg, dem Fleischwerk von Rewe. Dort erfahren wir, dass die Qualität des Schinkens der günstigen Eigenmarke "ja!", der edleren Eigenmarke Wilhelm Brandenburg und des Schinkens von der Theke praktisch gleich sei. Dabei gibt es zwischen den Produkten klare Preisunterschiede.

Ähnliche Ergebnisse findet das Labor. Das verschieden abgepackte Hackfleisch von Edeka ist praktisch gleich, so Institutsleiter Nehring: "Die Schwankungsbreite ist so gering, dass es offensichtlich aus ein und derselben Produktion stammt", sagt er. Trotzdem zahlt man für das abgepackte Premiumprodukt viel mehr.

Unser Fazit: Die großen Preisunterschiede sind nicht immer gleichbedeutend mit Unterschieden in der Qualität.

Maximilian Kreus (Bild: WDR) Bild vergrößern bzw. verkleinern Bildunterschrift: 3-Gänge-Dinner im Sternerestaurant. Maximilian Kreus kocht im Markencheck mit Feinkostprodukten von Edeka und Rewe. ]
Wir geben Edeka und Rewe noch eine Chance. Sternekoch Maximilian Kreus vom Restaurant Sankt Benedikt in Aachen richtet für zwölf Personen ein Drei-Gänge-Menü an. Dabei treten Produkte aus der Länderlinie von Edeka und von der Rewe-Eigenmarke "Feine Welt" gegen entsprechende Aldi-Süd-Produkte an.

Um die Ergebnisse nicht zu verfälschen, liefern wir alle Lebensmittel bereits neutral verpackt beim Sternekoch ab. Der Reihe nach servieren wir Schinken und Salami mit Olivenöl, als Hauptgang Pasta mit Schinken und zum Nachtisch Tiramisu. Das jeweils beste Gericht erhält einen Stern.

Das Ergebnis unseres Dinners: Von 36 Sternen, die zu vergeben waren, bekam Rewe nur fünf. Dabei waren die Produkte hier mit Abstand am teuersten. Zweiter wird Edeka, Gewinner ist Aldi Süd. Dabei verkauft der Discounter die Produkte gar nicht als Feinkost.

Unser drittes Checkurteil: Die Qualität bei Rewe ist mäßig, bei Edeka in Ordnung.

Fairness

Rewe wirbt mit dem Label "Pro Planet" für Nachhaltigkeit, unter anderem auf Tomaten und Paprika. Wer diese Produkte kauft, tut angeblich Gutes. Denn Rewe will, so die Homepage, "die Lebensbedingungen der Menschen vor Ort" verbessern – und zwar "im Zuge des Anbaus". Also bei denen, die das Gemüse ernten? Die Verpackung verspricht: "Soziale Bedingungen verbessert." Dass Rewe die Welt ein wenig "verbessere", könne laut Fernsehwerbung sogar "jeder sehen und nachprüfen".

Genau das haben wir vor und fliegen nach Almeria in Spanien. Hier gibt es 13.000 Erntebetriebe, die Landschaft ist mit Gewächshäusern zugepflastert. Aber wo finden wir eine Plantage, die auch für Rewe "Pro Planet"-Gemüse anbaut? Rewe gibt uns zunächst keine Auskunft.

Auf den Produkten stehen nur die Verpackungsbetriebe, an die die Bauern liefern. Also versuchen wir es dort. Hier erfahren wir aber nichts über die "Pro Planet"-Plantagen und ihre Arbeiter. Dann stoßen wir jedoch auf Menschen, die mit uns reden wollen – und auf einen Ort, den wir in Europa nicht erwartet hätten. 80 Menschen leben hier auf einem Gelände zwischen den Gewächshäusern. Manche sind Flüchtlinge, einige haben Papiere, andere nicht. Viele arbeiten als Tagelöhner auf Plantagen. Die Menschen haben sich Hütten aus Holz und Plastikplanen gebaut, dazwischen stapelt sich der Müll. Fließendes Wasser gibt es nicht.

Ein Bewohner erzählt uns, dass die Besitzer der umliegenden Plantagen abends die Zufahrten dicht machten – die Bewohner der Hütten bekämen keinen Schlüssel. "Hier drin lebt man wie ein Sklave", sagt er. "Nachts kommt keiner raus. Wenn dann einer krank wird, dann stirbt er hier."

Nach Angaben des Roten Kreuzes leben 4.000 Menschen rund um Almeria in solchen Hüttendörfern. Wem die Gewächshäuser gehören, wissen die Tagelöhner oft gar nicht – sie bekommen nur Mittelsmänner zu sehen.

Kann Rewe ausschließen, dass auf Plantagen von "Pro Planet" Arbeiter ausgebeutet werden? Federico Pacheco von der Landarbeiter-Gewerkschaft sagt: "Der deutsche Verbraucher wird angelogen! Bei den großen Mengen, die Rewe hier kauft, kann das Unternehmen unmöglich garantieren, dass dieses Produkt von einem Produzenten kommt, der die sozialen Bedingungen verbessert hat."

Einige Tage später hat Rewe Gelegenheit, das Gegenteil zu beweisen. Das Unternehmen schickt einen ganzen Tross nach Almeria – ausgerüstet mit zwei Kameras, die uns auf Schritt und Tritt beobachten. Rewe zeigt uns zwei Flüchtlingsunterkünfte, die es mit etwa 100.000 Euro unterstützt. Daneben gehen Spenden an ein SOS-Kinderdorf im Senegal. Von dort kommen viele Flüchtlinge hier in Südspanien an. Wir hören jedoch, dass die Männer, die wir in der Unterkunft antreffen, nicht in der Ernte für die "Pro Planet"-Bauern arbeiten.

Wie hat Rewe nun die sozialen Bedingungen verbessert? Aber wie gut kann Rewe seine vielen Produzenten wirklich kontrollieren? Pressesprecher Krämer räumt ein:

"Kontrolle im Sinne einer Garantie können wir einfach im Moment heute noch nicht geben. Es sind 700 Betriebe mit wechselnden Arbeitern." Während unserer Recherchen hat Rewe seine Homepage verändert. Dort steht nun nichts mehr von verbesserten Lebensbedingungen "im Zuge des Anbaus".

Und Edeka? Der Supermarkriese kooperiert in Sachen Umweltschutz zum Beispiel mit dem WWF. Ein eigenes Programm für bessere Arbeitsbedingungen gibt es aber bei Edeka nicht. Und was ist mit den Arbeitsbedingungen in Deutschland?

Edeka-Kaufmann Paschmann sagt, er brauche keine Billiglöhner, sondern nur Fachkräfte. Große Vorschriften macht ihm aus der Edeka-Zentrale in Hamburg niemand – genauso wenig wie seinen viereinhalbtausend anderen selbstständigen Kollegen. Kaum Vorschriften heißt in vielen Edekamärkten aber auch: kaum Kontrolle.

Eine Mitarbeiterin, die hinter der Edeka-Frischetheke arbeitet, berichtet von fehlenden Tariflöhnen und unbezahlten Überstunden – alles vertraglich festgehalten. Wir zeigen den Vertrag dem Arbeitsrechtler Peter Schüren von der Universität Münster. Er hält dieses Vorgehen für illegal: "Das ist Hinterziehung von Sozialversicherungsbeiträgen, wenn man vorsätzlich Lohn nicht auszahlt."

Inzwischen hat ein Arbeitsgericht den Vertrag für ungültig erklärt. Um einen Einzelfall handle es sich aber nicht, sagt die Gewerkschaft Verdi. In einer Studie hat sie das Edeka-System untersucht. Viele Kaufleute betrieben Tarifflucht, also Lohndumping, so Verdi. Außerdem hätten nur ein bis zwei Prozent der selbständigen Märkte einen Betriebsrat.

Die Edeka-Zentrale sieht sich nicht zuständig. Sie schreibt uns: "Im selbständigen Edeka-Einzelhandel liegt die Gestaltung der Arbeitsbedingungen in der Verantwortung der Kaufleute."

Bei Rewe ist alles zentraler organisiert. Das macht es aber nicht unbedingt besser für die Mitarbeiter. Denn Rewe gliedert – wie viele Edekamärkte auch – Arbeit an Fremdfirmen aus. Man lasse sich von diesen Firmen einen Stundenlohn von mindestens 6,63 Euro zusichern, so das Unternehmen. Das werde auch kontrolliert.

Arbeitsrechtler Schüren kritisiert diese Praxis: "Man ist nicht mehr verantwortlich für dieses Personal. Man kauft ein Ergebnis, vollgefüllte Regale, und dafür bezahlt man. Wie das zustande kommt, ist nicht mehr das Problem des Auftraggebers."

Beim Fleischhersteller von Rewe, Wilhelm Brandenburg, treffen wir auf Arbeiter einer Fremdfirma. Es handelt sich um ein rumänisches Unternehmen. Die Arbeiter verdienten 7,50 Euro pro Stunde, sagt uns Georg Denk von Wilhelm Brandenburg. Der Tariflohn für einen Fleischzerleger liegt in Hessen dagegen bei mindestens 11,44 Euro. Rewe betont zwar, die Konkurrenz arbeite noch häufiger mit Fremdfirmen. Aber auch Rewe betreibt Lohndumping.

Unser viertes Checkurteil: Die Fairness bei Rewe und bei Edeka ist unzureichend.

Film von Eva Lindenau und Frauke Steffens

E-Mail an Markencheck:

markencheck@daserste.de

Sendetermin
Mo, 07.01.13 | 20:15 Uhr