SENDETERMIN Mi, 29.03.17 | 22:45 Uhr | Das Erste

Brexit stärkt Europa! Nationalisten am Ende?

Brexit stärkt Europa! Nationalisten am Ende? | Video verfügbar bis 29.03.2018

Am Mittwoch wird es ernst für Europa: Die britische Premierministerin Theresa May wird den lang erwarteten Austrittsantrag stellen – mit unabsehbaren Folgen für Großbritannien und Europa. Ausgerechnet jetzt präsentiert sich die EU so einig wie lange nicht mehr - so als wären alle Streitigkeiten um Euro-Rettung und Flüchtlinge vom Tisch, als würden nationalistische Kräfte die Debattenhoheit verlieren. Hat der Brexit den Effekt, dass die Europäer enger zusammenrücken? Ist der Populismus überwunden? Oder ist das ein Trugschluss?

Klaus von Dohnanyi, SPD (ehem. Hamburger Bürgermeister)

Klaus von Dohnanyi
Klaus von Dohnanyi

Der ehemalige Bundesminister befürchtet durch den Brexit eher Nachteile für die deutsche als für die britische Wirtschaft. "Aber es ist gut, dass die EU jetzt im Zuge des Austritts Großbritanniens näher zusammenrückt", fügt er hinzu. Deutschland und Frankreich sollten jetzt eine gemeinsame Verteidigungspolitik vorantreiben. Eine tiefere Integration lehnt der ehemalige Europaminister unter Helmut Schmidt allerdings ab. "Wer immer noch denkt, die EU sollte über die Gurkenkrümmung entscheiden, nützt nur den EU-Kritikern", erklärt Klaus von Dohnanyi.

Markus Söder, CSU (Bayerischer Finanzminister)

Markus Söder
Markus Söder

Der CSU-Politiker warnt davor, die finanziellen Folgen des britischen Austritts aus der EU den Deutschen aufzubürden. "Die EU muss sparen, um den Brexit zu kompensieren", sagt Markus Söder. Der bayerische Staatsminister für Finanzen  fordert zudem einen fairen Umgang mit den Briten. "Sie gehören weiter zu Europa, bleiben ein wichtiger Nato-Partner und sind für Bayern der zweitwichtigste Handelspartner."

Rolf-Dieter Krause (ehemaliger ARD-Studioleiter Brüssel)

Rolf-Dieter Krause
Rolf-Dieter Krause

"Der Brexit macht alle zu Verlierern, aber die Briten werden die größten Verlierer sein", glaubt der langjährige EU-Korrespondent der ARD. Denn die Fronten zwischen Brüssel und London hätten sich bereits verhärtet. "Die europäischen Länder werden keine Zugeständnisse machen. Das politische Risiko ist zu groß und würde Nachahmer animieren", ist Rolf-Dieter Krause überzeugt. Der Journalist bezweifelt, dass sich die Partner innerhalb der zweijährigen Verhandlungszeit einigen werden: "Es könnte zum harten Schnitt kommen."

Beatrix von Storch, AfD (stellvertretende Bundesvorsitzende)

Beatrix von Storch
Beatrix von Storch

Die Berliner AfD-Landesvorsitzende begrüßt den britischen Austritt aus der EU. Der Brexit zeige, dass es auch einen Weg aus der EU gebe. "Großbritannien wird weiter existieren und nicht ins Chaos stürzen", sagt die EU-Parlamentarierin. Sie teile die Kritik der Brexit-Anhänger an der EU. "Diese tendiert immer mehr zum umverteilenden Zentralstaat und zur Abschaffung der Nationalstaaten", so Beatrix von Storch. Deshalb fordere sie ebenfalls ein Referendum in Deutschland über den Verbleib in der EU.

Marieluise Beck, B’90/Grüne (Bundestagsabgeordnete)

Marieluise Beck
Marieluise Beck

"Die Briten werden es leider erleben, dass der Weg zurück in den Nationalstaat eine dramatische Einengung bedeuten wird", prophezeit die Grünen-Politikerin. Die EU, so die Außenpolitikerin, stehe "für Offenheit und kulturelle Vielfalt, auch wenn das Menschen verunsichern kann". Diese Unsicherheiten machten sich die Rechtspopulisten zunutze. "Ich bin zuversichtlich, dass nun die Nationalisten in Europa ihren Zenit überschritten haben", sagt Marieluise Beck, die erstmals 1983 in den Bundestag gewählt wurde.

Axel Antoni (deutscher Unternehmensberater aus London)

Axel Antoni
Axel Antoni

Seit fast zwanzig Jahren lebt der gebürtige Hamburger gemeinsam mit seiner britischen Frau in London. "Land und Leute haben mein Herz im Sturm erobert", berichtet Axel Antoni. "Doch nun sind wir EU-Bürger zur Verhandlungsmasse geworden wie Autos oder Tomaten aus Spanien." Zudem fürchtet der Unternehmensberater, durch den Brexit seine wichtigsten Kunden zu verlieren: "Viele große internationale Firmen werden ihre Hauptsitze nach Europa verlegen."

38 Bewertungen
Kommentare
Bewerten

Kommentare

Kommentar hinzufügen

Bitte beachten: Kommentare erscheinen nicht sofort, sondern werden innerhalb von 24 Stunden durch die Redaktion freigeschaltet. Es dürfen keine externen Links, Adressen oder Telefonnummern veröffentlicht werden. Bitte vermeiden Sie aus Datenschutzgründen, Ihre E-Mail-Adresse anzugeben. Fragen zu den Inhalten der Sendung, zur Mediathek oder Wiederholungsterminen richten Sie bitte direkt an die Zuschauerredaktion unter info@daserste.de. Vielen Dank!

*
*

* Pflichtfeld (bitte geben Sie aus Datenschutzgründen hier nicht Ihre Mailadresse oder Ähnliches ein)

Kommentar abschicken

Ihr Kommentar konnte aus technischen Gründen leider nicht entgegengenommen werden

Kommentar erfolgreich abgegeben. Dieser wird sobald wie möglich geprüft und danach veröffentlicht. Es gelten die Nutzungsbedingungen von DasErste.de.