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Trump oder Putin: Vor wem müssen wir mehr Angst haben?

PlayWladimir Putin und Donald Trump
Trump oder Putin: Vor wem müssen wir mehr Angst haben? | Video verfügbar bis 22.03.2019 | Bild: dpa

Trotz seiner Wiederwahl als russischer Präsident mit überwältigender Mehrheit verschärft sich der Ton im Westen gegenüber Wladimir Putin. "Putin ist schon lange kein Partner mehr", sagt Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen. Der britische Außenminister macht Russlands Präsidenten sogar direkt verantwortlich für den Giftanschlag auf einen Ex-Spion in England. Doch auch US-Präsident Donald Trump lehrt den Rest der Welt das Fürchten – nicht nur mit Strafzöllen gegen die EU und China, sondern auch mit Plänen neuer atomarer Aufrüstung. Nach einer aktuellen Umfrage sorgen sich die Deutschen mehr vor der Politik Trumps als vor dem Handeln Putins. Zu Recht?

Gabriele Krone-Schmalz (Journalistin)

Gabriele Krone-Schmalz (Ehemalige Russland-Korrespondentin der ARD)
Gabriele Krone-Schmalz  | Bild: NDR/Wolfgang Borrs

Die Bestsellerautorin warnt vor einem Rückfall in die Feindbilder des Kalten Krieges. "Ganz gleich wo man hinschaut, ob in die Ukraine, nach Syrien, in den Sport: Es sind immer alleine die Russen, die auf der bösen Seite stehen", beklagt Gabriele Krone-Schmalz. Dass die Briten nach dem Giftanschlag im südenglischen Salisbury sofort den Kreml beschuldigt hätten, kritisiert die ehemalige Russlandkorrespondentin der ARD als voreilig: "Es ist noch überhaupt nicht bewiesen, wer hinter dem Anschlag steckt."

Udo Lielischkies (ARD-Studioleiter Moskau)

Udo Lielischkies
Udo Lielischkies | Bild: BR

Der Moskauer ARD-Korrespondent hat auch nach der Wiederwahl Putins wenig Hoffnung auf eine Annäherung an Russland: "Nach meiner Wahrnehmung marschiert Russland weiter in die falsche Richtung. Der Konfrontationskurs mit dem Westen sichert Putins Macht, auch wenn er Russland ökonomisch ins Verderben führt." Es gäbe in seinen Augen nur eine Sanktion des Westens, die den Kreml wirklich treffen würde: "Viele Vertrauenspersonen Putins haben ihre Gelder im Ausland geparkt. Diesen Besitz zu beschlagnahmen ist eine Drohung, die Putin extrem nervös macht", erklärt Udo Lielischkies, der auch viele Jahre für die ARD aus Washington berichtete.

Sahra Wagenknecht, Die Linke (Fraktionsvorsitzende)

Sahra Wagenknecht
Sahra Wagenknecht | Bild: WDR/Melanie Grande

Die Linke-Fraktionsvorsitzende fordert eine neue Entspannungspolitik gegenüber Russland und "keine Verschärfung des Kalten Krieges". Nach der Wiederwahl von Putin sei ein Neustart der Beziehungen mit Russland nötig, fordert die Spitzenpolitikerin der Linkspartei. Statt Vorverurteilungen und immer absurderen Sanktionsforderungen, so Sahra Wagenknecht, müsse das Sanktionsregime gegenüber Russland beendet werden. Donald Trump hält sie für "aktuell gefährlicher, was seine Außenpolitik angeht, weil er im Nahen Osten auf Krieg gepeilt ist".

Anja Kohl (ARD-Börsenexpertin)

Anja Kohl
Anja Kohl | Bild: WDR/Melanie Grande

Mit den angekündigten umfassenden Strafzöllen würde US-Präsident Trump die bisherige Welthandelsarchitektur ignorieren, sagt die ARD-Börsenexpertin, denn: "Der freie Welthandel ist die Grundlage für eine prosperierende Weltwirtschaft." Die Journalistin warnt vor einer Spirale der Eskalation in einem drohenden Handelskrieg: "Es ist fast wie ein Hammer, den Trump in einen rotierenden Motor wirft." Europa sei aber der US-Regierung keineswegs wehrlos ausgeliefert, glaubt Anja Kohl. "Die Länder könnten versuchen die USA zu isolieren und neue Allianzen zu schmieden."

Elmar Brok, CDU (Europa-Abgeordneter)

Elmar Brok
Elmar Brok | Bild: NDR/Morris Mac Matzen

Der EU-Außenexperte hält die Sanktionen gegen Russland für nötig und fordert weiterhin einen kritischen Umgang mit der russischen Regierung: "Mit Moskau gibt es keine vertrauensvolle Zusammenarbeit." Der Europa-Abgeordnete kann auch verstehen, dass die ukrainische Regierung Sanktionen gegen Gerhard Schröder befürwortet. "Es ist ein Skandal, dass ein ehemaliger Bundeskanzler jetzt die Interessen von Putin vertritt. Und es ist erstaunlich, dass das bislang noch ohne Konsequenzen in der öffentlichen Diskussion geblieben ist", sagt Elmar Brok.

Anthony Glees (britischer Geheimdienstexperte)

Anthony Glees
Anthony Glees | Bild: privat

Der Giftanschlag von Salisbury hat den britischen Politologieprofessor nicht überrascht: "Natürlich laufen in Großbritannien potenzielle russische Killer rum." Nun sei es wichtig, dem Kreml die Rote Karte zu zeigen. Deshalb plädiert der Leiter des Zentrums für Geheimdienst-Studien an der Buckingham-Universität dafür, dass die  britische Fußball-Nationalmannschaft nicht nach Russland zur WM reisen solle: "Mit solchen Leuten spielt man keinen Fußball." Den US-Präsidenten hält Anthony Glees für weitaus ungefährlicher als Putin. "Hinter Donald Trump steht immerhin noch ein Rechtsstaat, hinter Putin steht seit Jahren nur die Mafia!"

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