SENDETERMIN Mi, 15.02.17 | 21:45 Uhr | Das Erste

Opel und das Image-Problem

– Der amerikanische Mutterkonzern General Motors (GM) verhandelt mit PSA Peugeot Citroen über den Verkauf von Opel.
– Opel hat über Jahre nur Verluste eingebracht.
– Ein Grund: Das Image von Opel – Seit einem Qualitätseinbruch in den 90ern hat sich dieses nicht wieder erholen können.

Wird Opel an Peugeot verkauft?
Wird Opel an Peugeot verkauft?

Natürlich gibt es eingefleischte Opel-Fans, doch der Autobauer macht seit rund 20 Jahren keine Gewinne mehr. Jürgen Gietl ist Geschäftsführer der Managementberatung "BrandTrust". Für den Markenexperten im Automobilbereich ist klar: Auch das Image von Opel ist daran schuld. "Das große Problem ist, dass heute sowohl Opel, als auch Kunden, als auch Mitarbeiter nicht wirklich wissen, wofür Opel steht. Gefühlt hat Opel alle zwei, drei Jahre seinen Claim verändert", so Gietl.

Die goldenen 60er und 70er Jahre

Ein Model posiert auf einem Manta. In den 70er Jahren ein sehr begehrtes Modell.
Ein Model posiert auf einem Manta. In den 70er Jahren ein sehr begehrtes Modell.

Dabei war das Unternehmen früher profitabel. Mit dem Bau des Werkes in Bochum Anfang der 60er Jahre begann die Blütezeit von Opel. Die Käuferzahl stieg. Das Image der Autos: "familientauglich" – spätestens mit dem Opel GT aber auch "sportlich". Doch warum ist von diesem Image scheinbar nichts mehr übrig?

Qualitätseinbruch in den 90ern

"Das Problem begann eigentlich Anfang der 90er Jahre, als der Mutterkonzern GM die Kosten-Cutter als Statthalter nach Rüsselsheim entsandt hatte. Denn zu der Zeit hat man nicht nur die Kosten massiv nach unten gedrückt, sondern gleichzeitig auch die Qualität. Und zu der Zeit galt noch der Slogan: 'Opel. Der Zuverlässige'. Und wenn die Qualität nicht mehr stimmt, wird dieses Versprechen eben nicht mehr gehalten", erklärt Jürgen Gietl.

Opel regelmäßig "Auto des Jahres"

Das "Auto des Jahres 2016" ist der Opel Astra.
Das "Auto des Jahres 2016" ist der Opel Astra.

Und heute? Die Autos aus Rüsselsheim und den anderen Opel-Standorten haben offensichtlich wieder Qualität. Europas Automobilpresse wählt jedes Jahr "das Auto des Jahres". Seit rund 10 Jahren gewinnt Opel jede dritte Wahl. Und mit Prominenten wie Lena Meyer-Landrut oder Jürgen Klopp hat Opel seitdem auch an seinem Marken-Image geschraubt. Doch das Unternehmen schreibt immer noch rote Zahlen.

Neuer Eigentümer – neues Image?

"Das ist so ein bisschen das Unfaire, die Zwickmühle, in der Opel gerade ein wenig steckt, dass sie auf der einen Seite perfekte, wirklich tolle neue Produkte haben, die sämtliche Preise abräumen, dass sie eine tolle Werbung machen, tolles Marketing, das auch sämtliche Preise gewinnt, dass es aber eben länger dauert, bis sich das in den Köpfen des Publikums wirklich festsetzt", so Gietl. Egal ob PSA Peugeot Citroen nun Opel übernimmt oder nicht, die Frage ist: Wird Opel vom Eigentümer die Zeit und das Geld bekommen, um das Image zu schärfen und den Konzern wieder profitabel zu machen?

Bericht: Sebastian Hanisch

Stand: 15.02.2017 22:38 Uhr