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Klimakiller Auto: Ist Windgas der Ausweg?

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Klimakiller Auto: Ist Windgas der Ausweg? | Video verfügbar bis 01.12.2016
Qualm aus einem Auspuff
Abgase von Autos gehören noch immer zu den größten Klimakillern.

Autoabgase haben einen großen Anteil am Klimawandel. In Deutschland entstehen 18 Prozent der Treibhausgas-Emissionen im Straßenverkehr. Seit 1990 sind sie um 0,6 Prozent gestiegen. Damit Deutschland die Klimaziele erreichen kann, fordert Klimaforscher Hans Joachim Schellnhuber den Umstieg auf Antriebe mit erneuerbarer Energie. Ein möglicher Treibstoff ist sogenanntes Windgas: Im niedersächsischen Werlte hat der Audi-Konzern eine Power-to-Gas-Anlage gebaut. Sie produziert mit der überschüssigen Energie der Windräder ein künstliches Gas, das die Nutzung fossiler Rohstoffe wie Öl und Gas langfristig überflüssig machen kann.

Windgas: So funktioniert die Anlage

In der Power-to-Gas-Anlage wird überschüssiger Strom aus Windkraft dazu genutzt, Wasser in Wasserstoff und Sauerstoff zu spalten. Der Wasserstoff reagiert anschließend mit dem Kohlendioxid einer benachbarten Biogasanlage zu einem künstlichen Gas. Das in Werlte produzierte künstliche Gas ist bereits an 600 vom 1.000 Erdgas-Tankstellen in Deutschland verfügbar. Die 90.000 in Deutschland zugelassenen Erdgasfahrzeuge können nach Auskunft der Deutschen Energie-Agentur ohne Umrüstung mit künstlichem Erdgas fahren.

Erdgasautos: Günstiger Unterhalt, gut für die Umwelt

Ein Erdgasauto ist im Unterhalt um die Hälfte günstiger als ein Benziner und kann pro Kilometer weniger als 90 Gramm Kohlendioxid (CO2) ausstoßen. Wer künstlich erzeugtes Erdgas tankt, verursacht noch weniger CO2-Emissionen Bezahlt ein Kunde an der Tankstelle mit einer sogenannten E-Gas-Karte, wird die von ihm getankte Menge an künstlichem Gas aus der Power-to-Gas-Anlage in Werlte ins Erdgasnetz eingespeist.

Windkraftbranche kann von Erdgasautos profitieren

Von Erdgasautos profitieren auch die Betreiber der Windanlagen. Auch wenn das Stromnetz überlastet ist, können Windräder weiterlaufen. Mit dem überschüssigen Strom kann in einer Power-to-Gas-Anlage künstlicher Kraftstoff erzeugt werden. In Werlte war die Power-to-Gas-Anlage 2014 rund 4.000 Stunden eingeschaltet. Das entspricht knapp einem halben Jahr.

Industrie: Wenig Forschung zu Erdgas

Der Audi-Konzern wünscht sich den Einstieg großer Mineralölkonzerne in die Produktion künstlicher Kraftstoffe. Konzerne wie Shell, ExxonMobil und BP sind im Öl- und Erdgasgeschäft tätig und gehören zu den umsatzstärksten Unternehmen der Welt. Der Mineralölverband konnte Plusminus kein Forschungsprojekt seiner Mitgliedsunternehmen zu künstlich erzeugten Kraftstoffen nennen. Auch in der Autoindustrie gibt es wenig Unterstützung für Windgas. Hersteller wie Daimler setzen auf Wasserstoffantriebe.

Anerkennung als Biokraftstoff gefordert

Power-to-Gas-Anlagen werden derzeit wie stromverbrauchende Unternehmen besteuert. Für viele Betreiber rechnet sich der Betrieb der Anlagen deshalb nicht. Die Deutsche Energie-Agentur fordert deshalb, dass Wasserstoff und Methan aus Power-to-Gas-Anlagen als Biokraftstoff anerkannt werden und dass die Steuerermäßigungen für Erdgas als Kraftstoff verlängert werden.

Bericht: Alexa Höber

Stand: 02.12.2015 22:45 Uhr

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Diese Sendung wurde vom
Norddeutschen Rundfunk produziert.