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Auto-Industrie – Machen Google & Co. unsere Hersteller platt?

PlayZeichung Auto der Zukunft
Auto-Industrie: Machen Google & Co. unsere Hersteller platt? | Video verfügbar bis 23.02.2017

Im Silicon Valley fahren sie bereits testweise im Straßenverkehr – die selbstfahrenden Autos des Internetkonzerns Google. Sie sind kugelrund und irgendwie niedlich. Und sie könnten eine ganze Branche ins Wanken bringen.

Haben deutsche Autobauer den Anschluss verloren?

Die großen deutschen Autobauer setzen seit Jahrzehnten auf das gleiche Erfolgsmodell: In ihren Fabriken rollen PS-starke Diesel und Benziner vom Band. Noch wollen die Kunden solche Autos. Aber das könnte sich schneller ändern als wir denken, sagen Experten. Denn die Branche steht vor drei großen Umbrüchen: Elektromotoren, Roboterautos und Carsharing.

Selbstfahrendes Auto von Google
Selbstfahrendes Auto von Google

Automobil-Revolution aus dem Silicon Valley

Allerdings kommt die Automobilrevolution nicht aus Deutschland, sagt Tony Seba, Forscher von der Stanford University in Kalifornien. Für ihn werden die Technologiekonzerne aus dem Silicon Valley vieles durcheinanderwirbeln: "Die IT-Konzerne sind Außenseiter, die nichts zu verlieren haben, wenn sie mit revolutionären Produkten auf den Markt drängen. Die etablierten Autobauer müssen deshalb sehr schnell reagieren. Oder sie sterben. Sie müssen buchstäblich alles anders machen als in den letzten 100 Jahren."

Elektroauto
Elektroautos mit hoher Batterieleistung – bislang liegt Tesla vorne.

Das bisher erfolgreichste Elektroauto kommt von genauso einem Außenseiter aus den USA: Das Model S von Newcomer Tesla. Es beschleunigt wie ein Sportwagen, von Null auf 100 in drei Sekunden. Trotzdem hat es hunderte Kilometer Reichweite. In den USA verkauft es sich besser als die – nicht-elektrischen – Spitzenmodelle der deutschen Konzerne. Ihre Elektroautos können mit Tesla noch nicht mithalten.

Deutsche Elektrokleinwagen hinken hinterher

Das BMW-Verwaltungsgebäude (BMW-Turm) in München
BMW muss bei Elektroautos noch nachlegen.

Eines der bekanntesten Modelle hierzulande ist der i3 von BMW. Ein Elektrokleinwagen mit 170 PS, von Null auf Hundert in sieben Sekunden. Allerdings hält eine Batterieladung je nach Fahrstil auch mal nur 100 Kilometer. Verkauft wurde der i3 im vergangenen Jahr rund 24.000-mal. Er machte nur ein Prozent des BMW-Absatzes aus. Prof. Stefan Bratzel von der Fachhochschule Bergisch-Gladbach erklärt: "Man hat ja Milliardeninvestitionen für das BMW i Projekt in die Hand genommen. Die haben sich, Stand heute, sicherlich noch nicht amortisiert. Man hat technologisch noch einiges aufzuholen, damit der Kunde Elektrofahrzeuge wie den i3 akzeptiert."

Tony Seba sagt voraus: Bis zum Jahr 2030 wird es überall Ladestationen für Elektroautos geben, ihr Preis wird sinken und die Batterien richtig lange halten. Der Verbrennungsmotor wäre dann Geschichte. Es würden nur noch Neuwagen mit Elektroautos gekauft.

Selbstfahrende Roboterautos von Google und Apple

Google Schriftzug
Google punktet mit Daten und einer immensen Finanzkraft.

In Zukunft könnte sich das Fahren an sich ganz anders anfühlen: Autos entwickeln sich immer mehr zu rollenden Supercomputern. Irgendwann fahren sie vielleicht alleine, planen den schnellsten Weg zur Arbeit und informieren über wichtige Termine. Die Software ist dann wichtiger als der Motor.

Bei Software und dem Sammeln von Millionen von Daten sind aber heute nicht die Autobauer, sondern Google & Co. an der Weltspitze. Kein Wunder, dass der Suchmaschinenriese seine Chance auf dem Automarkt wittert. Auch über ein Apple-Auto wird seit langem spekuliert.

Immense Finanzkraft der IT-Riesen

Prof. Horst Wildemann von der Technischen Uni München, ist ein Brancheninsider und berät die Autofirmen. Er warnt auch vor der Finanzkraft der IT-Riesen. Zum Beispiel ist BMW gut 50 Milliarden Dollar wert. Apple hat mehr als 150 Milliarden auf der hohen Kante: "Wenn man sich den Kapitalwert der Unternehmen anschaut, über die Börse, dann stellt man fest, die können sich eigentlich jeden Automobilisten kaufen. Unabhängig von der Entwicklung. Dann sind sie drin. Insofern ist die Gefahr riesengroß."

Carsharing statt eigenes Auto

Weitere Herausforderung: Carsharing. Wer in der Stadt lebt braucht schon heute nicht unbedingt ein eigenes Auto. Neben öffentlichen Verkehrsmitteln gibt es vielerorts im Stadtgebiet Autos, die man für kurze Zeit mieten kann. In der Zukunft könnten daraus ganz neue Mobilitätsdienste entstehen: Selbstfahrende Carsharing- Autos, die ihre Kunden schnell überall abholen.

Carsharing
Deutsche Autobauer wie BMW müssen sich etwas einfallen lassen.

Eigene Autos, die den größten Teil des Tages herumstehen, statt zu fahren, wären Geschichte. Die Konsequenzen erklärt Tony Seba (Stanford University Kalifornien): "Was passiert also, wenn man selbstfahrende Autos mit Carsharing kombiniert? Wenn sich selbstfahrende Carsharing Autos erstmal durchsetzen, werden Autos rund um die Uhr herumfahren – und dann brauchen wir 80 Prozent weniger Autos um die gleiche Strecke zu fahren. Daher wird die Autoindustrie um 80 Prozent schrumpfen."

Schnelles Handeln der deutschen Autobauer ist gefragt

Sicher, eine besonders drastische Prognose. Aber die Umbrüche sehen auch die deutschen Autobauer. Auf den wichtigen Messen präsentieren sie immer neue Konzepte für Roboterautos mit Elektroantrieb. Auch in den Carsharing-Markt sind sie eingestiegen. Die Autobauer müssen sich neu erfinden. Und zwar schnell.

Ob er Angst vor dem Silicon Valley habe, fragen wir Klaus Fröhlich, den Entwicklungsvorstand von BMW. Seine Antwort: "Nein, haben wir nicht. Wir nehmen das ernst. Wir müssen auch in bestimmten Dingen richtig schnell Kompetenzen aufbauen und erste Produkte generieren."

Bericht: Wolfgang Kerler, Vanessa Lünenschloss

(Stand: Ende Februar 2016)

Stand: 25.02.2016 08:45 Uhr

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