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dm versus Alnatura: Was ist der Unterschied?

dm versus Alnatura: Was ist der Unterschied? | Video verfügbar bis 11.01.2018

Inhalt in Kürze:

- Die Unterschiede zwischen den ehemaligen Partnern dm und Alnatura halten sich in Grenzen.
- Nach 30 Jahren Freundschaft folgt zwischen den beiden Chefs der Bruch.
- Die Konkurrenz bedeutet Bio-Produkte für kleines Geld, aber eventuell auch mangelnde Transparenz.

Lange arbeiteten die Drogeriekette dm und der Bio-Händler Alnatura zusammen. Doch seit sich die Firmenchefs zerstritten haben, ist die Kooperation vorbei und dm mit neuer Marke in den Regalen. Worin unterscheiden sich die beiden Marken?

Einige Produkte der Marken Alnatura oder dmBio ähneln sich nicht nur optisch, auch Preis und Geschmack sind nahezu gleich. "Plusminus" macht den Geschmackstest. In vielen Fällen gibt es auch hier keinen großen Unterschied. Doch wie sieht es mit den Zutaten aus? Wir lassen eine Ernährungsexpertin Produkte der beiden Marken untersuchen. Das Ergebnis: Es gibt Unterschiede, aber die sind überschaubar.

Die Marken dm und Altnatura
Wo liegt der Unterschied zwischen dmBio und Alnatura?

Nach 30 Jahren folgt der Bruch

Aber wenn doch alles so ähnlich ist – wieso hat dm dann überhaupt die beliebten Alnatura-Produkte durch die Eigenmarke dmBio ersetzt? dm-Gründer Götz Werner und Alnatura-Chef Götz Rehn sind seit den 80er Jahren Geschäftspartner und waren damals auch Freunde. Einst wollten sie gemeinsam die Wirtschaft menschlicher und umweltfreundlicher machen. Gut 30 Jahre später folgt jedoch der Bruch: dm-Chef Werner verklagt den alten Freund. dm will bei Alnatura mitentscheiden. Der dm-Chef fordert sogar die Rechte an der Marke Alnatura. Es folgt ein erbittertes Medien-Echo. Fakt ist, dass Alnatura bei dm 2015 die Hälfte des Umsatzes gemacht haben soll – geschätzte 300 Millionen Euro. Doch seitdem hat dm Alnatura Schritt für Schritt ausgelistet.

Hermann Heldberg ist seit 38 Jahren Bio-Großhändler und ein kritischer Branchenkenner. Für ihn ist die Entwicklung keine Überraschung. "Diese Auslistung von Seiten von dm war eigentlich ein Stück weit zu erwarten", so Heldberg. "dm ist groß genug, eine eigene Bioschiene zu fahren und braucht niemanden mehr dazwischen, der einfach nur Geld kostet. So kann dm direkt von Hersteller und Produzenten kaufen und kauft das etwas günstiger ein." Unterdessen sucht Alnatura nach neuen Verkaufspartnern und steht jetzt mit seinen Produkten bei Edeka und in den Drogerie-Ketten Müller sowie Rossmann.

Manche Produzenten beliefern beide Unternehmen

Doch woher kommt eigentlich die preiswerte Bioware in den Regalen von Alnatura und dm? Beide Unternehmen produzieren nicht selber. Hinter den Produkten stecken verschiedene Hersteller. Einer, der seit Jahrzehnten für Alnatura liefert, ist Ulrich Walter von der Firma Lebensbaum. Nach eigenen Angaben Bio-Marktführer in Sachen Gewürze, Tee und Kaffee. Er produziert unter eigenem Namen und für Alnatura. Als dm Alnatura auslistet, trifft es damit auch seine Produkte.

Gewürze auf einem Markt
Manche Produzenten der Bio-Ware sehen ein Risiko in der Belieferung beider Unternehmen.

Ulrich Walter hatte die Wahl: Will er nun für Alnatura und parallel auch dmBio produzieren? "Wir haben für unser Unternehmen entschieden, das nicht zu tun. Weil wir unser Risiko begrenzen wollen", sagt der Unternehmer. "Die großen Handelsketten haben eine ungeheure Marktmacht und wenn wir da gelistet werden oder ein solche Marke herstellen dürfen, müssen wir investieren. Dann müssen wir Kapazitäten aufbauen und wenn nach einigen Jahren Ausschreibungen erfolgen, und wir sind dann mal nicht der günstigste Anbieter, besteht das Risiko, dass wir diesen Umsatz verlieren." Das würde dann nicht nur sein Unternehmen treffen, sondern auch die Landwirte, die für ihn produzieren. Doch gibt es immer unterschiedliche Lieferanten für Alnatura und dm? Nein, erklärt uns dm schriftlich "Die Zahl guter und verlässlicher Hersteller biologischer Produkte ist sehr überschaubar [… ] Daher liegt es nahe, dass wir mit Herstellern zusammenarbeiten, die auch Alnatura […] beliefern."

In unseren Recherchen finden wir mit Davert eine Firma, die beide beliefert: Davert ist ein Produzent für unter anderem Reis, Hülsenfrüchten und Getreide. Bislang gab es die Produkte exklusiv im Fachhandel und bei Alnatura. Jetzt gibt es sie auch unter dem Label dmBio. Darüber will Davert nicht mit uns reden. Alnatura muss hinnehmen, dass ihr Lieferant nun auch die direkte Konkurrenz beliefert. "Das ist eine Entscheidung des Herstellers, für wen er produziert. Wir sind einzig und allein dem Kunden verpflichtet. Wir schauen, dass wir die beste Qualität zu einem sehr leistbaren Preis verfügbar machen", sagt Robert Poschacher, Geschäftsleitung Alnatura.

Mangelnde Transparenz in Sachen Qualität?

Bio möglichst günstig, Bio-Eigenmarken, bei denen Verbraucher die Lieferanten nicht auf den ersten Blick erkennen – Hermann Heldberg sieht das kritisch. "Ich denke, dass wir momentan in einer Umbruchphase sind.  Wir haben es auf der einen Seite geschafft, in allen Lebensmittelketten, auch beim Discounter anzukommen, was Bioprodukte angeht. Was durchaus positiv ist", sagt Heldberg. "Was negativ ist, dass der konventionelle Lebensmittelhandel genauso mit Bio umgeht, wie er mit der konventionellen Ware umgeht."

Bio-Gemüse
Die Verbraucher wollen wissen, wo ihre Produkte herkommen.

Der Preisdruck in der Branche wächst. Die neue Konkurrenz zwischen dmBio und Alnatura bedeuten für uns Kunden: Bio für kleines Geld. Aber nicht immer automatisch auch Transparenz in Sachen Lieferanten und Qualität.

Autoren: Jana Tosic und Dirk Bitzer

Stand: 08.02.2017 14:54 Uhr