SENDETERMIN Mi, 04.10.17 | 21:45 Uhr | Das Erste

Der Traum vom Elektroauto

Der Traum vom Elektroauto | Video verfügbar bis 04.10.2018

Mit großem Nachdruck fordern die Grünen bis 2030 ein Ende des Verkaufs von Verbrennungsmotoren und den kompletten Einstieg in die Elektromobilität. Dieser Zeitplan sorgt bei Experten für Kopfschütteln und Unverständnis. Und auch die wahrscheinlich zukünftigen Koalitionspartner CDU/CSU und FDP halten zumindest das Datum für völlig unrealistisch.

Zeichnung eines Wasserstoffautos
Werden sich Autos mit Brennstoffzellen durchsetzen?

Doch nicht nur der Zeitplan, auch die Technologie batteriebasierter Antriebe lässt erhebliche Zweifel an der Umsetzbarkeit aufkommen. Das  zeigt das Beispiel Norwegen. Jüngst riet ausgerechnet die norwegische Elektroautovereinigung von dem Kauf eines Batteriebetriebenen Autos ab. Der Grund: Dem Land, indem jede dritte Neuzulassung ein E-Auto ist, fehlen abertausende von Ladestationen. Und es gibt zahlreiche andere Gründe, am Erfolg der Batterie als Antrieb zu zweifeln.

Nachteile der batteriebasierten Elektromobilität

  • Schlechte Ökobilanz:
  • Die Herstellung leistungsfähiger Akkubatterien ist derartig energieaufwendig, dass ein damit angetriebenes Elektrofahrzeug ca. 3 bis 5 Jahre fahren muss, um eine bessere CO 2 Bilanz aufweisen zu können, als ein sparsamer Diesel der Euronorm 6. Hinzu kommt ein erheblicher Einsatz seltener Erden, die in den Akkus verbaut werden müssen. Diese Erden werden insbesondere in China und Afrika mit hochgiftigen Chemikalien aus der Erde gewaschen. Danach ist die Umgebung stark kontaminiert und eine Mondlandschaft. Grundwasser und Flüsse werden vergiftet.

  • Infrastruktur kaum realisierbar:
  • Gerade in urbanen Regionen können nicht annähernd ausreichend Lademöglichkeiten geschaffen werden. Straßenlaternen oder Hausnetze sind für eine erwartbar sehr hohe Stromabnahme in der Regel nicht ausgelegt. Eine Überspannung wäre die Folge. Induktionsschleifen im Asphalt, wie sie probehalber erforscht werden, sind unbezahlbar und unrealistisch, weil nicht sämtliche Straßen einer Großstadt wie Hamburg, Berlin oder München aufgerissen werden können. Außerdem ist überhaupt nicht geklärt, wer diese Netze zur Verfügung stellen wird und wie der entnommene Strom zugeordnet und bezahlt werden kann.

  • Alltagstauglichkeit fraglich:
  • Akkus, auch wenn sie weiterhin verbessert werden, reichen bei extrem moderater Fahrweise bisher maximal für 500 Kilometer. Das sind Messungen unter Idealbedingungen, das heißt bei langsamer Fahrweise, kein Frost, keine Benutzung von Heizung oder Klimaanalage und anderer Verbraucher. Realistisch schaffen es die meisten E-Autos gerade mal 200 bis höchstens 400 Kilometer weit, um dann wieder mehrere Stunden komplett geladen zu werden. Und selbst bei Schnellladestationen, die den Akku höher belasten, dauert es mehr als eine halbe Stunde, bis der Akku wieder seine fast vollständige Kapazität hat. Ohnehin ist nicht gewährleistet, dass man sofort einen Ladeplatz bekommt, weil es gar nicht genügend davon gibt. Ein weiteres Problem sind die Stecker. Die Hersteller haben sich bisher nicht auf einen genormten Strecker einigen können. Es kann also passieren, dass man an einer Schnellladestation sein Auto nicht laden kann, weil der Stecker nicht passt.

  • Lebendauer der Akkus zu gering:
  • Die heutigen Akkus halten ihre volle Leistung nur wenige Jahre. Danach lassen sie und damit die Reichweite deutlich nach. Zwar geben viele Hersteller eine Garantie, dennoch hilft dies dem Kunden nicht, wenn er sein Auto nach ein paar Jahren wieder verkaufen will. Der Wertverlust wird, so vermuten es Experten, gigantisch sein. Noch fehlen allerdings Erfahrungswerte. Einen Sonderweg geht Renault: Der französische Hersteller vermietet die Batterien und tauscht sie bei verminderter Leistung aus.

Wirtschaftliches Desaster für den Standort Deutschland:
Das Ifo-Institut hat errechnet, dass in der für die deutsche Volkswirtschaft immens wichtigen Automobilindustrie bis zu 600.000 Stellen verloren gehen könnten, wenn sich der Elektromotor durchsetzt. Die sehr einfache Konstruktion eines Elektromotors ist extrem wartungsarm und kommt ohne viele Teile aus. Hersteller, Werkstätten, Zulieferer und Tankstellen wären massiv betroffen. Was der Kunde an Werkstattaufenthalten spart, muss er im Anschluss wieder drauflegen, um die Arbeitslosen mitzufinanzieren.

Wann macht die batteriebasierende Elektromobilität Sinn?

Batteriebasierende E- Fahrzeuge machen immer dann Sinn, wenn nur kurze Strecken zu fahren sind. Gabelstapler oder Werksfahrzeuge, aber auch innerstädtische Carsharing-Projekte funktionieren gut damit. Die Post zum Beispiel hat ihr eigenes Elektroauto entwickelt und setzt es erfolgreich ein. Die Fahrzeuge funktionieren ideal, weil sie immer nur kurz bewegt werden, anhalten, wieder anfahren usw. Meist sind die Strecken der Austeilungsrouten nicht sehr lang. Die Akkus reichen und können abends an den Post-eigenen Steckdosen aufgeladen werden. Der Strom ist günstiger als Diesel. Dadurch spart das Unternehmen viel Geld. Trotz der guten Erfahrungen will die Post für weitere Strecken nun auch ein Brennstoffzellenauto entwickeln.

Die Brennstoffzelle – eine echte Alternative zu Verbrennungsmotoren

Emissionsfrei fahren, ohne die Nachteile der Batterieantriebe in Kauf nehmen zu müssen, funktioniert nur mit der Brennstoffzelle. Wasserstoff wird in der Brennstoffzelle in Energie umgewandelt. Aus dem Auspuff kommt lediglich Wasserdampf. Allerdings ist dieser Antrieb nur dann emissionsfrei, wenn der Wasserstoff mit Windenergie erzeugt wird.

Vorteile des Brennstoffzellenantriebs:

  • Absolut emissionsfrei

  • Schnelles Betanken:
  • Innerhalb von drei Minuten ist der Tank voll

  • Arbeitsplätze bleiben erhalten:
  • Die Technik ist aufwendig. Werkstätten und Tankstellen werden weiterhin benötigt

  • Autarke Energieversorgung:
  • Wir machen uns unabhängig von Energieträgern und Rohstoffen aus dem Ausland, weil Wasserstoff bei uns produziert werden kann

  • Gutes Speichermedium:
  • Wasserstoff löst nicht nur das Mobilitätsproblem, es löst auch unser Energieproblem. Wasserstoff kann nämlich als Puffer bzw. Speichermedium für Energie verwendet werden. Der überschüssige Strom, der durch starken Wind und durch geringe Verbräuche in der Nacht das europäische Stromnetz erheblich belastet, könnte für die Wasserstoffproduktion verwendet werden. Aus dem produzierten Wasserstoff könnte bei Bedarf wieder Strom erzeugt werden. Zwar geht dabei ca. 40 Prozent der Energie verloren. Da sie aber umweltfreundlich produziert wurde, ist dies unerheblich. Außerdem hat man ähnliche Verluste  beim Transport über Starkstromleitungen zu Pumpspeicherwerken von Nord- nach Süddeutschland.

Nachteil Wasserstoff

  • Mangelnde Verfügbarkeit:
  • Bisher gibt es nur 52 Wasserstofftankstellen in Deutschland und die befinden sich meist in Ballungsräumen. Allerdings sollen bis es 2018 schon 100 sein. 2020 sind sogar 400 geplant, sollte sich der Absatz an Brennstoffzellen-Autos deutlich erhöhen.

  • Hoher Treibstoffpreis:
  • Wasserstoff ist wegen des bisher geringen Absatzes noch relativ teuer. 9,50 € kostet das Kilo an der Tankstelle. Damit kommt man ungefähr 100 Kilometer weit.

  • Hohe Anschaffungskosten:
  • Brennstoffzellen- Autos sind noch sehr teuer. Der Toyota Mirai zum Beispiel kostet ca. 72.000€. Allerdings unterstützt die Bundesregierung den Kauf mit 20.000 €. Sollte der Absatz steigen, werden die Fahrzeuge aber schnell deutlich preiswerter.

Welche anderen Antriebe gibt es noch?

Wissenschaftler, wie der Antriebstechniker Prof. Roland Baar von der TU Berlin, gehen von parallelen Techniken aus, die zukünftig miteinander konkurrieren. Brennstoffzellen gehören für ihn genauso dazu wie gasbetriebene Motoren, deren Treibstoff klimaneutral produziert wird.

Oder die sogenannten E-Fuels, synthetische Kraftstoffe, die nur noch ein Minimum an umweltschädlichen Abgasen ausstoßen. Und er weist eindringlich darauf hin, dass die modernen Euro-6-Diesel momentan die saubersten Verbrennungsmotoren sind. Sie haben eine gute CO2-Bilanz, stoßen nur noch sehr wenig NOX aus und eigenen sich daher sehr gut als sogenannte Brückentechnologie, bis sich Antriebe, wie die Brennstoffzelle durchgesetzt haben.

Stand: 05.10.2017 09:37 Uhr

Sendetermin

Mi, 04.10.17 | 21:45 Uhr
Das Erste