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Bio boomt: Warum deutsche Bauern jetzt einsteigen

Bio boomt: Warum deutsche Bauern jetzt einsteigen | Video verfügbar bis 06.09.2018

"Plusminus" ist auf einem Bio-Kartoffelacker vor den Toren Münchens. Gerade hat die heiße Erntephase begonnen. Mittendrin ist Biobauer Bernhard Ruile. Er ist ein rundum glücklicher Öko-Landwirt: "Es läuft, muss ich sagen, wie geschmiert. Es werden keine ausländischen Kartoffeln mehr zu uns gefahren. Wir dürfen liefern, solange wir Kartoffeln haben", sagt uns Ruile.

Fünf Jahre zuvor: Bei unserem ersten Besuch wollte der Biobauer seinen Betrieb noch dicht machen. Denn der Handel verkaufte ab Februar damals lieber neue Import-Kartoffeln aus Ägypten oder Israel. Deutsche Biobauern blieben auf ihren Lagerbeständen sitzen. Gegen den Importirrsinn aus der Wüste protestierten die Bauern. Sie holten die Verbraucher an ihre Seite und machten dem Handel Druck. Für den Öko-Experten Wolfram Dienel vom Bauernverband ist das ein Paradebeispiel, wie es mit mehr Bio aus Deutschland klappen kann:

»Bei der Bio-Kartoffel ist es gelungen, dass die Landwirte mit ihren Handelspartnern an einen Tisch gebracht wurden. Zuvor wurden die Verbraucher für das Thema sensibilisiert. Sie saßen quasi unsichtbar mit am Tisch. (...)«

Bio aus Deutschland auf dem Vormarsch

So stammen 94 Prozent aller Bio-Eier aus Deutschand und 67 Prozent der Bio-Kartoffeln. Bei der Milch sind es 64 Prozent. Jede zweite hier verkaufte Bio-Möhre stammt von einem deutschen Acker. Immer mehr Kunden wollen lieber einheimische Ware. "Plusminus" ist in einem Hühnerstall im hessischen Biebertal. Der Familienbetrieb hat auf Bio umgestellt. Für den Neu-Biobauern Volker March ist das eine einfache Rechnung: "Mit 20.000 konventionellen Hühnern konnte man nicht mehr den Gewinn erwirtschaften wie mit 12.000 Legehennen im Bio-Bereich", sagt uns March.

Bio-Preis überwiegend stabil

Wie bei den Eiern geht jetzt die Rechnung auch für die Milch auf. Lange Zeit schwankten die Preise für Bio und konventionelle Milch gemeinsam. In den letzten Jahren blieb der Bio-Preis stabil, der konventionelle schmierte zwischendurch ab. Dienel vom Bauernverband sagt zu "Plusminus": "Der normale Bauer ist einer, der mit dem Weltmarkt konkurriert. Im Bio-Bereich ist es so, dass wir weniger Milch erzeugen als wir im Inland trinken. Dadurch haben wir hier einen Preis, der nicht vom Weltmarkt bestimmt wird."

Milchpreise
Bio-Milchpreis überwiegend stabil

Eigenes Förderprogramm für Umstellung auf Bio

Bio-Betriebe
Anzahl der Öko-Betriebe wächst

Bio lohnt sich. Doch die Umstellung kostet die Landwirte Geld. Genau da hat der Staat in der Vergangenheit gespart, zeigte "Plusminus" noch vor fünf Jahren. Die Ökoförderung glich damals einem Flickenteppich. Jedes Bundesland entschied selbst. Fast überall wurde gekürzt. Jetzt ist es das glatte Gegenteil: Überall wurden die Fördertöpfe aufgestockt und sind nun gut gefüllt. Und zehn von 16 Bundesländern haben sogar noch ein eigenes Förderprogramm draufgesattelt. Für Biolandwirt Jens Eidam macht Bio jetzt auch wirtschaftlich Sinn:  

»Nicht zuletzt ist es auch die Förderung, die erhöht worden ist um eine ganze Ecke. Wir bekommen jetzt auf den Hektar Ackerfläche mittlerweile 70 Euro mehr.«

Fünf Landwirte stellen täglich auf Bio um

Die Zeiten des langsamen Wachstums sind vorbei. In 2015 und 2016 stieg die Zahl der Bio-Betriebe um 16 Prozent. Auch der Handel spielt mit und das gleich doppelt: Die Regale mit Bio-Produkten werden immer länger. Zugleich können wir inzwischen überall Bio kaufen. Sogar die Drogerieketten DM und Roßmann mischen da jetzt mit. "Gerade die Drogeriemärkte haben zugelegt. Aber auch die großen Bio-Märkte haben sich enorm ausgeweitet. Sie erreichen ganz andere Zielgruppen. Das größere Angebot schafft noch mehr Nachfrage", sagt uns Dienel vom Bauernverband.

Fazit: Das sind beste Voraussetzungen für noch mehr Bio aus Deutschland. Der Handel vergrößert sein Angebot, für die Bauern stimmen inzwischen die staatliche Förderung wie auch der Preis. Und der Verbraucher greift gerne zu. Bio aus Deutschland ist nun endlich eine echte Erfolgsgeschichte.

Autor: Steffen Clement

Stand: 07.09.2017 09:00 Uhr