SENDETERMIN Mi, 04.04.18 | 21:45 Uhr | Das Erste

Erst Flixbus, jetzt Flixtrain – Fernbusriese geht mit Kampfpreisen auf die Schiene

PlayFlixbus macht der Bahn auf der Schiene Konkurrenz
Erst Flixbus, jetzt Flixtrain – Fernbusriese geht mit Kampfpreisen auf die Schiene | Bild: Das Erste

- Das Unternehmen Flixbus geht mit dem "Flixtrain" auf die Schiene
- Mit niedrigen Preisen macht Flixtrain der Bahn Konkurrenz
- Der Busverkehr wird mit dem Schienenverkehr vernetzt
- Flixtbus will das Angebot auf der Schiene noch weiter ausbauen

Sie konnten der Deutschen Bahn das Fürchten lehren - die grünen Flixbusse. Millionen Reisende sind schon auf den Fernbus umgestiegen. Jetzt kommt der neue Angriff, ein Zug mit dem Namen “Flixtrain“. Gründer und Geschäftsführer, André Schwämmlein, tauft vor Ostern den ersten grünen Zug - und das Medieninteresse ist groß. Die Premierenfahrt führt von Hamburg nach Köln, die Tickets gibt es schon ab 9,99 Euro. „Was uns im Bus gut gelungen ist, dass muss uns jetzt auch auf der Schiene gelingen“, so der Flixbus-Gründer.

Erfolgsrezept durch Subunternehmer

Das Geschäftsmodell ist so wie beim Bus: Flixtrain besitzt selber keine Züge oder Waggons, den Betrieb übernehmen Subunternehmer. Dafür kümmert sich das Unternehmen um die Werbung und den digitalen Ticketverkauf. Gestartet wird der Verkehr auf zwei Strecken: Einmal am Tag, hin und zurück, von Berlin über Frankfurt nach Stuttgart und von Hamburg über Essen nach Köln.

Streckennetz von Flixtrain
Streckennetz von Flixtrain | Bild: Das Erste

Es ist der Kampf, David gegen Goliath: Flixtrain gegen die Deutsche Bahn. Für viele Fahrgäste steht fest: Die Zeit ist reif für mehr Wettbewerb auf der Fernstrecke und niedrigere Preise.

Hat Flixtrain gegen den Staatsmonopolisten eine Chance? Andere haben es schon versucht – und sind gescheitert: Im Jahr 2014 stellt der Zug „Interconnex“, zwischen Leipzig und Rostock, den Betrieb ein. Letztes Jahr, 2017, gibt der „Hamburg-Köln-Express (HKX)“ zum ersten Mal auf. Im gleichen Jahr meldet „Locomore“ Insolvenz an. Flixtrain übernimmt nun die Strecken von HKX und Locomore.

Erfolgsfaktoren: Kapital, Auslastung und attraktive Strecken

Wer erfolgreich im Fernverkehr sein will, braucht vor allem drei Dinge: viel Kapital, eine hohe Auslastung, in Form von vielen Fahrgästen, und attraktive Strecken. In der Vergangenheit mangelte es meistens am Kapital. Die Erfahrung machte Derek Ladewig, der Gründer von Locomore. Er sammelte damals rund eine Million Euro, um Lok und Waggons zu mieten. „Bei uns war tatsächlich das fehlende Geld am Schluss das Problem“. Trotz steigender Fahrgastzahlen, und dadurch mehr Einnahmen, war es nicht möglich, ein Jahr oder länger durchzuhalten. Nicht nur die Anfangsinvestitionen sind eine hohe Hürde, auch die Betriebskosten.

Zum Beispiel auf der Flixtrain-Strecke von Berlin nach Stuttgart. Für nur eine Fahrt liegt der Trassenpreis bei 3.200 Euro, hinzu kommen Stationsentgelte von rund 650 Euro. Zusammen sind das fast 4.000 Euro pro Fahrt.

Kapital durch finanzstarke Partner

Anders als die „Vorgänger“ hat Flixtrain finanzstarke Partner an Bord: Dazu gehören US-Investoren wie „General Atlantic“ oder auch der Daimler-Konzern. „Wir haben einen langen Atem, wir sind als Unternehmen profitabel und das auch schon im letzten Jahr gewesen. Dementsprechend haben wir auch den Willen, das Geschäft mit Flixtrain langfristig zum Erfolg zu bringen.“, erklärt der Gründer von Flixbus, André Schwämmlein.

Mit Kampfpreisen zum Erfolg

Flixtrain und DB-Lok
Flixtrain und DB-Lok | Bild: Das Erste

Die zweite Hürde ist die Auslastung. Das Flix-Unternehmen traut sich zu, die Waggons voll zu bekommen, denn sie bringen 82 Millionen Bus-Kunden mit  - und das sind potentielle Fahrgäste für den Zug. Heute wie damals greifen sie mit Kampfpreisen an. Wer etwa mit zwei Wochen Vorlauf die Strecke Hamburg-Köln bucht, zahlt bei Flixtrain 9,99 Euro, bei der Bahn ohne Sitzplatzreservierung schon 24,90 Euro - das sind 145 Prozent mehr. Das zieht bei den Kunden: Zu 80 Prozent war der Flixtrain bei seiner Premierenfahrt ausgelastet, obwohl die Abteile den Charme der 80er Jahre ausstrahlen.

Wir treffen Bahn-Chef Richard Lutz. Die Fernbusse hatte der Konzern damals gnadenlos unterschätzt. Wie ernst nimmt die Bahn dieses Mal die Billig-Konkurrenz? „Wir werden natürlich die Marktentwicklung weiter beobachten, aber wir glauben, dass wir gerade mit den Sparpreisen für 19,90 Euro, auch für preissensitive Kunden gut aufgestellt sind. Mit dem Fahrzeugangebot, das wir insbesondere auf diesen Strecken eingeführt haben, sind wir ebenfalls gut aufgestellt. Aber am Ende des Tages entscheidet der Kunde - und das ist glaube ich auch gut so“, sagt Lutz, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bahn.

Vernetzung von Bus und Schiene

Mit Flixtrain bekommt der Kunde ein Angebot, das Straße und Schiene erstmals konsequent miteinander vernetzt. Längst haben die Fernbusse in den Städten attraktive Halteplätze direkt vor den Bahnhöfen. Allerdings: Neue Strecken zu planen, ist auf der Straße viel einfacher als auf der Schiene.  Warum, das weiß Kay Mitusch, Ökonom und Eisenbahnexperte an der Hochschule in Karlsruhe. Man habe das Problem, dass man es bei Markteintritt mit der Deutschen Bahn - dem Trassenbesitzer, Schienennetzbesitzer und Besitzer der Bahnhöfe, aufnehmen muss. Das sei kein gutes Gefühl für die Wettbewerber.

Denn neue Bahn-Strecken müssen in Deutschland bei der DB Netz angemeldet werden, einer Tochterfirma der Bahn. Und wer schon Taktverkehr anbietet, wird bevorzugt. Für den Eisenbahnexperten, Kay Mitusch, ist klar: Will die Politik mehr Vielfalt auf der Langstrecke, muss sie diese Regeln ändern: „Man könnte sagen, dass zehn Prozent der Trassen auf einer Strecke vorzugsweise an Wettbewerber vergeben werden, obwohl die keinen eingebundenen Taktverkehr haben, wie die DB Fernverkehr das hat.“

Flixtrain will noch mehr Strecken anbieten

Auf so etwas wartet Flixtrain nicht. Ab Sommer erhöht das Unternehmen den Takt auf der Strecke Berlin-Stuttgart. Flixbus-Gründer André Schwämmlein will schauen, ob sein Unternehmen bald noch mehr Strecken anbieten kann. Denn Netz und Angebot steigert sicherlich auch das Interesse bei den Kunden - und so könne man den Reisenden schließlich noch mehr Optionen bieten.

Das Unternehmen will so ein großer Verkehrsanbieter werden, der in ganz Europa vernetzt ist. Erst mit dem grünen Zug fahren - danach in den grünen Bus umsteigen. Diesen Trumpf hatten die bisherigen Bahn-Konkurrenten nicht. Der Wettbewerb auf der Schiene kommt in Fahrt - ganz im Sinne vieler Kunden.

Ein Beitrag von Daniel Hoh

Stand: 05.04.2018 16:59 Uhr