SENDETERMIN Mi, 24.01.18 | 21:45 Uhr | Das Erste

Paketschwemme – Warum die Zustellung teurer wird

PlayDie Paketflut nimmt kein Ende
Paketschwemme – Warum die Zustellung teurer wird | Video verfügbar bis 25.01.2019 | Bild: dpa/Rolf Vennenbernd

– Der Weg vom Paketlager zum Kunden sind für Paketzusteller aufwendig und teuer.
– Zu wenig Personal bei den Zustellern führt zu Problemen.
– Kleine Firmen bieten mit neuen Ideen Alternativen zu den bekannten Platzhirschen der Branche.

Milliarden Pakete und kein Ende. Was den Onlinehandel einst populär gemacht hat, wird für die Zusteller zum Albtraum. Die letzten Meter bis zur Haustür sind aufwendig und teuer. Mit neuen Lösungen drängen kleine Firmen auf den Markt. Frische Ideen, für Kunden allerdings nicht zum Nulltarif.

Das Problem der "letzten Meile"

Paketekollaps in Deutschland – die Branche sucht händeringend nach Lösungen. Dabei ist das Problem der Logistiker die "letzte Meile" – der Weg vom Paketlager zum Kunden. Ein Problem bei der Auslieferung auf den letzten Metern ist, dass aufgrund der riesigen Anzahl von Paketen zu wenig Fahrer verfügbar sind. Viele Empfänger sind bei Erstzustellung auch nicht Zuhause, sodass der Fahrer mehrmals kommen muss. Das sorgt für Verkehr auf den Straßen. Dazu kommt, dass die letzten Meter bei der Paketzustellung viel Geld kosten – über 50 Prozent der Gesamtlieferkosten.

Paketschwemme: Wird es teurer für die Kunden?
Paketschwemme: Wird es teurer für die Kunden? | Bild: Das Erste

Für den Logistikgiganten Hermes heißt das: Wer weiterhin nach Hause geliefert bekommen möchte, muss deshalb in Zukunft mehr zahlen  – so sieht es der Chef Frank Rausch. "Vom Sofa bestellt, ans Sofa geliefert, das wird auf jeden Fall langfristig so bleiben. Wir müssen nur darüber nachdenken, zu welchem Preis das sein kann." Es gab schon viele Versuche, das Problem der "letzten Meile" in den Griff zu bekommen, aber auch Drohnen oder Roboter bringen nicht viel, wenn die Leute nicht zu Hause sind. Die "letzte Meile" ist zu aufwendig und teuer geworden. Während die Großen noch nachdenken – gibt es schon Dutzende Kleine, die das Geschäft übernehmen und sich liebevoll um die unzufriedenen Kunden kümmern. Wir haben uns in der neuen Boom-Branche umgesehen und stellen die drei spannendsten Modelle vor.

Der Lieferservice Deluxe

Online shoppen, die Ware direkt an den Serviceanbieter schicken lassen, der die Einkäufe in seinem Depot sammelt. Für die Lieferung nach Hause wird dann ein Wunschtermin ausgemacht, und die Pakete werden zugestellt. Eine Lieferung kostet 4, 95 Euro. Die Münchener Firma mit dem Namen "I-bring", hat Rene Gröger gegründet. Die Idee kam ihm im Stau beim Päckchen abholen und Besorgungen machen. Deshalb bietet "I-bring" auch noch etwas mehr, als reines Päckchen liefern. Wenn gewünscht, werden auch noch Einkäufe auf dem Weg zum Kunden mit erledigt – zum Beispiel im Supermarkt oder der Apotheke. Aber auch die Umwelt wird geschont. Der Service ist durch die Bündelung der Paketelieferung und Besorgungsfahrten CO2-freundlich.

Die Abholstation Deluxe

Einkaufen per Mausklick von Zuhause, wie gewohnt. Die Lieferadresse ist aber die Abholstation des Serviceanbieters, zum Beispiel "QOOL collect". Ganz gleich wer ausliefert – DHL, Hermes oder UPS – die bestellte Ware landet dort und wird gesammelt. Der Kunde entscheidet, wann er seine Pakete dort abholt. Die Kosten dafür betragen 4,99 Euro für eine Monatsflatrate. Die Kunden können bis elf Uhr abends ihre Sachen in Ruhe abholen. Auch Anprobieren und retournieren gehört zum Service dazu. Außerdem können auch Lebensmittel und andere Sachen von regionalen Partnern vor Ort über "QOOL collect" bestellt werden. Das kostet extra aber der Mehrwert sei hoch, meint der Chef Stefan Müller. Denn der Kunde spare die Zeit, den Paketen hinterherzujagen oder auch Verpackungsmüll zu entsorgen und zu bezahlen.

Lieferservice ins Büro

Einkaufen im Netz, per Mausklick. Die Lieferadresse ist hier die Arbeitsstelle. Dort gibt es den Abholdesk eines Serviceanbieters, zum Beispiel "Pakadoo". So landen private Pakete in der Firma oder im Büro. Für die Mitarbeiter bequem und kostenlos, wie bei der Deutschen Bahn in Frankfurt. Wenn das Päckchen ankommt, wird es zur Pakadoo–Station gebracht und der Mitarbeiter per Handy informiert. "Eine Win-win-Situation für alle", meint Johann Steinlein, Leiter Produktmanagement bei der Deutschen Bahn in Frankfurt. Denn die Mitarbeiter müssten nicht mehr von der Arbeit weggehen, um ihre privaten Pakete abzuholen – oder am Wochenende in der Schlange stehen. Das System ist für den Arbeitgeber umsonst, denn "Pakadoo" bekommt sein Geld über die Provisionen der Zusteller, die so Wegstrecke sparen – etwa DHL oder Hermes. Der Arbeitgeber stellt nur die Person, die die Päckchen annimmt. Schon über 200 Firmen machen mit – deutschlandweit.

Neue Strategie für das Paketgeschäft

Zusteller Hermes will Paketshops ausbauen
Zusteller Hermes will Paketshops ausbauen | Bild: dpa/Oliver Berg

Ein neues  Zeitalter im Online-Handel beginnt: das Paket an der Haustür wird teurer und die großen Dienstleister halten sich auf den letzten Metern immer öfter zurück. So plant Hermes-Chef Frank Rausch, die Anzahl der Paket-Shops bis zum Jahr 2020 auf über 20.000 auszubauen, "weil es durchaus auch eine Alternative sein kann, dass Kunden die Paketabholung in ihren Einkauf integrieren, weil sie gerade des Weges kommen.“

Was im Paketgeschäft gerade passiert, heißt Umdenken für den Kunden, macht aber den Weg frei für neue Geschäftsideen und Gründer – und die scheinen die Extra- Meile gerne zu laufen.

Autoren: Diana Löbl und Daniel Hoh

Stand: 25.01.2018 12:43 Uhr