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Krankenhäuser: Schrumpfkur wie in Dänemark?

Krankenhäuser: Schrumpfkur wie in Dänemark? | Video verfügbar bis 19.04.2018

Inhalt in Kürze
- In Deutschland gibt es sehr viele Krankenhäuser pro Einwohner.
- Das System ist teuer und häufig leidet die Qualität der Versorgung.
- Nach dem Vorbild Dänemarks könnte man Krankenhäuser schließen oder zu modernen Kliniken zusammenlegen.

Kaum ein anderes Industrieland hat – gemessen an der Bevölkerung – so viele Krankenhäuser wie Deutschland. Mehr als 1.900 Kliniken werden von kommunalen, kirchlichen und privaten Trägern betrieben – zu viele, kritisiert die Nationale Akademie der Wissenschaften (Leopoldina). Die Konkurrenz vieler Krankenhäuser sei teuer und nicht zum Wohl der Patienten.

Medizinisch fragwürdige Operationen

Überwachungsmonitor im Krankenhaus.
An kleinen Krankenhäusern fehlt Ärzten oft die Routine.

Das Problem: Viele Krankenhäuser versuchen, möglichst viele medizinische Leistungen anzubieten. Vor allem planbare Eingriffe wie das Einsetzen eines künstlichen Hüft- oder Kniegelenks spülen viel Geld in die Kassen der Krankenhäuser. Der finanzielle Anreiz führe jedoch nicht selten zu fragwürdigen Operationen, kritisieren Verbraucherschützer.

Höheres Risiko für Komplikationen

Der Krankenhausreport der AOK bestätigt die Fehlentwicklung. Demnach erreichen viele Krankenhäuser nicht die Mindestanzahl an Operationen, die in einigen Bereichen gefordert werden. Dadurch steige das Risiko, dass es bei den Eingriffen zu Komplikationen kommt und beispielsweise ein Knie oder eine Hüfte erneut operiert werden muss.

Schlechte Ausstattung auch in Ballungsräumen

Oft können kleine Krankenhäuser nicht mit der Ausstattung großer Kliniken mithalten: Viele haben weder einen Computertomografen noch eine Intensivstation. Dabei kritisiert die Nationale Akademie der Wissenschaften nicht nur Krankenhäuser auf dem Land, sondern auch in Ballungsräumen – dort bestehe häufig eine Überversorgung.

Vorbild Dänemark: Moderne Kliniken, längere Wege

In Dänemark wurde das Gesundheitswesen in den vergangenen zehn Jahren radikal umgebaut. Von ursprünglich 98 Krankenhäusern gibt es nur noch 32. Teilweise wurden Krankenhäuser geschlossen, teilweise zu größeren Einheiten zusammengelegt. Die neuen Kliniken, zu denen manchmal lange Anfahrten nötig sind, verfügen über moderne medizinische Ausstattung und spezialisierte Mediziner. In Dänemark muss sich eine Krankenschwester laut Statistik nur um halb so viele Patienten kümmern wie ihre deutsche Kollegin.

In Dänemark ist ein Krankenhaus im Durchschnitt für 250.000 Einwohner zuständig. Überträgt man das Modell auf Deutschland, gäbe es hierzulande nicht mehr 1.900, sondern nur noch 330 Krankenhäuser.

Bericht: Birgit Augustin
Kamera: Jan Bahls, Oliver Lück
Schnitt: Sebastian Lipp

Stand: 20.04.2017 08:34 Uhr

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