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Strompreise: Warum die Kosten noch weiter steigen

Eine Stromzähler aus nächster Nähe (Bild: Colourbox) Bild vergrößern bzw. verkleinern Bildunterschrift: Die Strompreise steigen - zahlen müssen die Privatkunden ]
Knapp ein Viertel des deutschen Strombedarfs wird bereits von erneuerbaren Energien gedeckt. Das ist gut, wegen der staatlich garantierten Preise für Ökostromerzeuger, aber auch teuer. Für die Abrechnung der Ökostromförderung sind die Netzbetreiber zuständig.

Sie sind auch verpflichtet, deren künftige Höhe vorab zu berechnen. Diese Rechnung hat Dr. Ralf Wissen vom Energieberatungunternehmen "R2b energy consulting" für die Netzbetreiber erstellt. Das Ergebnis war für Stromkunden erschreckend:

"Wir erwarten bis 2017 einen zusätzlichen Anstieg der EEG-Förderkosten von etwa sieben Milliarden Euro. Das entspricht einem Anstieg um rund ein Drittel von 2013 bis 2017!"

Konkret würde das heißen: Die Ökostromumlage würde innerhalb von vier Jahren von aktuell 5,3 Cent pro Kilowattstunde auf rund 7,3 Cent steigen. Genau das will Bundesumweltminister Peter Altmeier jetzt mit seiner Strompreis-Sicherung verhindern. Er will die EEG-Umlage im kommenden Jahr einfrieren und danach um maximal 2,5 Prozent steigen lassen. Obwohl das wie eine gute Nachricht für Stromkunden klingt, sieht Aribert Peters vom Bund der Energieverbraucher das Vorhaben skeptisch:

"Dieser Plan ist vor allem gut für die Stromkonzerne, weil er die erneuerbaren Energien ausbremst. Wenn der Umweltminister wirklich die Strompreise begrenzen will, dann muss er die Ausnahmetatbestände für große Industriebetriebe abschaffen."

Was Peters anspricht, ist schon lange ein Streitpunkt. Schon jetzt müssen nämlich nicht alle die Ökostromumlage zahlen. Große Industriebetriebe mit hohem Stromverbrauch sind davon befreit. Allein dadurch steigt sie für alle anderen um 0,8 Cent, also fast die Hälfte der aktuellen Strompreiserhöhung. Das weiß auch Minister Altmeier. Er will die Ausnahmen begrenzen. Begrenzen ist aber nicht abschaffen, denn dagegen würde sich die Industrie wehren. Einfacher scheint es, die Zahlungen für Ökostromerzeuger zu kürzen. Doch auch das könnte schwierig werden. So sieht Henning Dettmer vom Bundesverband Windenergie in Altmaiers Plänen "massive Fragestellungen, die aus unserer Sicht das Papier als sehr unausgegoren darstellen."

Altmeiers Pläne machen Ökostrom-Erzeugung unattraktiv

Das betrifft vor allem Vorschläge, die Besitzer bereits bestehender Ökostromanlagen belasten. Wer im Vertrauen auf eine gesetzlich garantierte Vergütung investiert hat, müsste nachträglich auf einen Teil davon verzichten und damit rechnen, in einer bislang noch unklaren Weise zur Kasse gebeten zu werden. Der Minister spricht hier vom "Energie-Soli".

Ein weiterer Vorschlag trifft vor allem die Solarenergie. Hier hat die Bundesregierung die Förderung ohnehin schon drastisch gekürzt. Nach bisheriger Planung würde sie um 2015 vollkommen enden. Der Bau neuer Solaranlagen rechnet sich dann nur noch, wenn man den selbst erzeugten Strom auch selbst verbraucht, anstatt ihn ins Stromnetz einzuspeisen. Doch auch den Eigenverbrauch will der Minister teurer machen. Ob dann überhaupt noch jemand neue Solaranlagen baut?

Ein vierter Vorschlag des Bundesumweltministers sieht für künftig neu gebaute Ökostromanlagen einen flexiblen Zahlungsbeginn vor. Das heißt, wenn eine Anlage fertiggestellt ist, kann es monatelang dauern, bis der Betreiber endlich Geld für seinen Strom erhält. Ein Großinvestor oder Stromkonzern, der mit vielen Jahren Vorlaufzeit in einen Offshore-Windpark investiert, mag sich so eine Wartezeit vielleicht leisten können. Aber verkraften das auch kleinere Investoren? Henning Dettmer vom Bundesverband Windenergie erklärt, wie sich das auswirken wird:

"Nach einer ersten Analyse sieht es danach aus, dass insbesondere die mittelständischen Betriebe, Privatpersonen und Bürgerwindparks davon betroffen sein werden. Die finanziellen Einschnitte werden gerade diese Gruppe am stärksten betreffen."

Gut für Stromkonzerne, schlecht für Verbraucher

Befürworter der Ökostromförderung fürchten weitere Auswirkungen. Denn der steigende Ökostromanteil hat an der Strombörse dafür gesorgt, dass die Nachfrage nach Normalstrom deutlich gesunken ist - und damit auch der Preis. Aribert Peters vom Bund der Energieverbraucher ahnt, wer am Ende davon profitieren könnte:

"Wenn man die erneuerbaren Energien jetzt bremst, dann könnte der Preis an der Börse steigen und das wäre vor allem für die Stromkonzerne schön, weil sie dann ein dickes Geschäft machen."

Bislang sind die Vorschläge von Minister Altmaier noch vage. Was daraus wird, ist jetzt erst einmal Thema im beginnenden Wahlkampf.

Autor: Michael Houben

Dieser Text informiert über den Fernsehbeitrag vom 30.01.2013. Eventuelle spätere Veränderungen des Sachverhaltes sind nicht berücksichtigt.

Sendetermin
Mi, 30.01.13 | 21:45 Uhr