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EU-Prämien verursachen hohe Umweltschäden

PlayEin Mähdrescher erntet ein Kornfeld ab.
EU-Prämien verursachen hohe Umweltschäden | Video verfügbar bis 02.05.2019 | Bild: NDR

Rund 58 Milliarden Euro gibt die EU jedes Jahr für die Förderung ihrer Landwirtschaft aus. Es ist der zweitgrößte Ausgabenposten in der Union. Doch die Zahlungen, die eigentlich die Einkommen von Landwirten stabilisieren und den Umweltschutz verbessern sollen, verfehlen die gewünschte Wirkung, lautet die Kritik seit Jahren. Mit dem Austritt der Briten aus der EU steigt der Druck für Reformen und Kürzungen.

Agrarsubventionen auf dem Prüfstand

Schweinehälften im Schlachthof
Wenig nachhaltig: hohe Subventionen für riesige Fleischproduzenten. | Bild: NDR

Plusminus hat die Subventionen für das Agrarland Niedersachsen analysiert. Das Ergebnis: Fast 70 Prozent der Gelder fließt in den Westen Niedersachsens – eine Region, die regelmäßig gegen Umweltrichtlinien der EU verstößt. Unter den Top-Empfängern sind auch Größen der Fleisch-Industrie wie Europas größter Schweinefleischproduzent Danish Crown (Subventionen 1,1 Millionen Euro, Gewinn 270 Mllionen Euro), Niedersachsens größter Schweineschlachthof Weidemark Fleischwaren GmbH, Teil der Tönnies-Unternehmensgruppe (Subventionen 130.00 Euro) und die Brüterei Weser-Ems, die mit der Marke Wiesenhof zur PHW-Gruppe gehört.

Massentierhaltung und Umweltprobleme

Der Westen Niedersachsens steht für Massentierhaltung, große Mastbetriebe und steigende Umweltprobleme verursacht durch Landwirtschaft. Selbst die Niedersächsische Landesregierung bezeichnet die Region in ihrem aktuellen Nährstoffbericht als Risiko-Region. Denn hier werden die Grenzwerte für Nitrat, Phosphor und Stickstoffe überschritten. Nebenwirkungen einer verfehlten Agrarpolitik, die auch die Steuerzahler mittragen. Wissenschaftler kommen in einer Studie im Auftrag der EU-Kommission zu dem Ergebnis, dass die Umweltkosten der Landwirtschaft bei etwa 300 Euro/ha liegen.

Ein Mähdrescher erntet ein Kornfeld ab.
Die EU belohnt Größe statt Nachhaltigkeit. | Bild: NDR

Damit kommt in Deutschland zu den Direktzahlungen an die Landwirtschaft in Höhe von 5,2 Mrd. Euro jährlich noch einmal dieselbe Summe an Umweltkosten, die der Steuerzahler zu tragen hat, sagt Prof. Friedhelm Taube von der Universität Kiel. Als Mitglied des Agrarbeirates der Bundesregierung kritisiert er seit Jahren, dass die EU mit ihren Subventionen eine Landwirtschaft fördert, die selbst gegen Regeln und Grenzwerte in der Europäischen Union verstößt.

Entwurf zur Neuausrichtung

Und auch das Ziel der Einkommensstabilisierung in der Landwirtschaft wird nicht erreicht. Agrarkommissar Hogan schreibt in seinem ersten Entwurf zur Neuausrichtung der GAP, dass 80 Prozent der Direktzahlungen an 20 Prozent der Landwirte fließen. Es profitieren vor allem die Betriebe mit großen Flächen, denn die Direktzahlungen werden pro Hektar gezahlt, unabhängig davon ob dieser Betrieb tatsächlich den Bedarf hat, das Einkommen zu stabilisieren.

Bericht: Verena von Ondarza
Kamera: O. Dorow, J. Kommander, A. Rott
Schnitt: Sebastian Lipp

Stand: 03.05.2018 08:39 Uhr

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Norddeutscher Rundfunk
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