SENDETERMIN Mi, 27.01.16 | 21:45 Uhr | Das Erste

Abgeschmiert – Was der Ölpreisabsturz für Verbraucher bedeutet

PlayContainerhafen
Folgen des niedrigen Ölpreises | Video verfügbar bis 26.01.2017

Autofahrer freuen sich: 92 Cent für einen Liter Diesel! Und auch für Super müssen sie weniger als 1,20 Euro bezahlen. Damit lässt sich richtig sparen, oder?

Eine Beispielrechnung: Mit einem Auto, das auf 100 Kilometer sechs Liter verbraucht, werden im Jahr 10.000 Kilometer zurückgelegt. Bleibt der Benzinpreis so niedrig wie jetzt, kostet das Tanken in diesem Jahr rund 90 Euro weniger als 2015. Das ist auf ein ganzes Jahr gerechnet keine allzu große Ersparnis.

Beim Kraftstoff kassiert der Staat am meisten

Blick aus dem Tank eines Autos auf eine Frau, die einen Tankrüssel in der Hand hält.
Lässt sich beim Tanken richtig sparen?

Tatsächlich kommt der tiefe Fall des Ölpreises an der Zapfsäule nur teilweise an. So ist Öl in den vergangenen sechs Monaten zwar um 51 Prozent billiger geworden, Super-Benzin dagegen nur um 17 Prozent.

Warum ist das so? Geben die Mineralölkonzerne Preissenkungen an die Kunden nicht weiter? Nein, meint ADAC-Benzinpreisexperte Jürgen Albrecht:

"Niedrige Ölpreise werden schon auch den Verbraucher weitergegeben. Man muss aber berücksichtigen, dass wir über 70 Prozent Steueranteil am Benzinpreis haben, von daher ist die Einflussmöglichkeit von reduzierten Ölpreisen auf den Benzinpreis relativ begrenzt."

Konkret sieht das so aus: Bei einem Preis von 1,20 Euro fallen 65,4 Cent Energiesteuer an. Das ist ein fixer Betrag, der unabhängig vom Preis ist. Hinzu kommt die Mehrwertsteuer. Der Rest sind Kosten und Gewinn. Den Löwenanteil von mehr als 70 Prozent geht also an den Staat. Aus diesem Grund können Spritpreise nie so stark sinken wie der Ölpreis.

Die beste Zeit zum Tanken

Trotzdem lohnt es sich, nach einer günstigen Tankstelle zu suchen, denn die Preise schwanken enorm, wie Jürgen Albrecht erklärt:

"Wir raten konkret die Uhrzeit im Blick zu halten. Wir haben ganzjährig zwischen 16 und 20 Uhr an den Tankstellen die niedrigsten Preise des Tages. Das sind feste, verlässliche Preiszyklen."

Heizöl bunkern?

Und wie das bei Heizöl? Ist es sinnvoll, jetzt die Tanks zu füllen? Verbraucher Peter Dilger aus Ottobrunn bei München glaubt, dass die Talfahrt des Preises allmählich zu Ende geht und will den aktuellen Tiefstand nutzen: "Ich brauche im Winter am meisten, und darum tank ich jetzt, denn hernach steigt der Preis wieder und dann ärgere ich mich."

Bei Heizöl ging es seit 2003 mehrmals steil bergauf und bergab. Derzeit ist der Brennstoff so günstig wie zuletzt vor zwölf Jahren. Wer jetzt nachtankt, dürfte daher wenig verkehrt machen. Peter Dilger hat 2.200 Liter nachgefüllt und dafür deutlich weniger bezahlt als beim letzten Mal:

"Wenn ich das überschlage mit dem Preis, den ich im Frühjahr bezahlen musste, dann spare ich 400 Euro. Das ist eine Menge Geld und da freue ich mich sehr."

Und Gas?

Heinz Ziglowski dagegen heizt mit Gas. Wie viele Verbraucher spürt er nichts von Preissenkungen. Dabei wurde auch Gas im Großhandel seit 2013 erheblich preiswerter, und zwar um 46 Prozent. Die Verbraucher zahlen aber im Schnitt nur sechs Prozent weniger. Warum ist das so? Geben die Versorger sinkende Einkaufspreise an die Verbraucher nicht weiter?

Oliver Bohr, der Geschäftsführer des Vergleichsportals Check24, hat dafür folgende Erklärung: "Die große Preissenkungswelle ist bis dato ausgeblieben. Die Versorger, die Gaspreissenkungen angekündigt beziehungsweise durchgeführt haben, haben dies im Vergleich zu den sinkenden Großhandelspreisen nicht in vollem Umfang getan."

Wer bei Gas sparen will, sollte deshalb Preise vergleichen. Denn mit einem günstigeren Anbieter kann man pro Jahr schnell ein paar hundert Euro sparen. Gaskunden wie Heinz Ziglowski sollten also vergleichen und dann den Versorger wechseln.

Autor: Josef Streule

Stand: 28.01.2016 13:26 Uhr