Schutzziele

Feuerwehrwagen
Feuerwehreinsatz in einem Wohnhaus

Bundesweit gilt für Brandeinsätze der Feuerwehren, dass innerhalb von acht Minuten nach Alarmierung zehn Einsatzkräfte den Brandort erreichen sollen. Festgelegt hat diese Schutzziele die Arbeitsgemeinschaft der Leiter der Berufsfeuerwehren in Deutschland (AGBF). Sie gelten für das "kritische" Schadensereignis. Das ist der Brand, der regelmäßig die größten Personenschäden fordert. In deutschen Städten ist dies der Wohnungsbrand im Obergeschoß eines mehrgeschossigen Gebäudes bei verqualmten Rettungswegen.

Festgelegt wurden die Schutzziele schon 1998 auf der Basis der damals vorliegenden wissenschaftlichen Erkenntnisse, wonach die Reanimationsgrenze für Rauchgasvergiftungen bei ca. 17 Minuten nach Brandausbruch liegt. Die Schutzzieldefinition wird als anerkannte Regel der Technik angesehen und kann zu einer haftungs- und strafrechtlichen Verantwortlichkeit führen. Heute ebenfalls anerkannt ist, dass die Schutzziele bei 90 Prozent aller Einsätze erreicht werden sollten.

Umfrage bei 75 Großstädten

"Plusminus" hat 75 Großstädte mit über 100.000 Einwohnern befragt, ob und mit welchem Erfolg sie die Schutzziele einhalten. 36 haben mit auswertbaren Daten geantwortet. Das ist knapp die Hälfte der Befragten. Die Ergebnisse im Einzelnen:

- Von 36 antwortenden Städten wollen sich 21 an die AGBF-Schutzziele oder sogar an höhere Ziele halten.

- Gerade einmal sechs davon erreichen nach eigenen Angaben die Schutzziele bei 90 Prozent und mehr aller Einsätze: Frankfurt/Main, Köln, Krefeld, Mönchengladbach, Saarbrücken und Wolfsburg.

- 15 erreichen diese Ziele nur bei unter 90 Prozent der Einsätze: Bremerhaven, Darmstadt, Dortmund, Duisburg, Düsseldorf, Hagen, Hamburg, Koblenz, Magdeburg, Neuss, Paderborn, Pforzheim, Recklinghausen, Wuppertal und eine weitere, die nicht namentlich genannt werden darf, weil der Stadtrat die Zahlen noch absegnen muss.

- Weitere 15 orientieren sich nicht an den AGBF-Schutzzielen und definieren für sich eigene großzügigere Einsatzziele: Augsburg, Berlin, Bochum, Bremen, Fürth, Halle, Heidelberg, Ingolstadt, Kassel, Mannheim, München, Nürnberg, Remscheid, Ulm und Würzburg.

Unterm Strich halten mindestens 30 der 75 deutschen Großstädte die AGBF-Schutzziele nicht ein. Gemessen daran, bedeutet das, dass die Feuerwehr in mindestens 40 Prozent aller Großstädte oft zu spät oder mit zu wenig Leuten zum Brandort kommt.