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Künstliche Hüften: Ersatzteile Fehlanzeige

Künstliche Hüften: Ersatzteile Fehlanzeige | Video verfügbar bis 06.12.2018

In Deutschland müssen jedes Jahr rund 35.000 künstliche Hüftgelenke ausgetauscht werden, weil sie nicht so lange halten wie geplant. Nicht immer sind dann aber die passenden Ersatzteile verfügbar. Das macht die Operation aufwendiger und teuer. Die Betroffenen müssen zudem größere Schmerzen und Einschränkungen hinnehmen. Moderne Kunstgelenke sollen mindestens 20 Jahre halten. Je nach Material kommt es früher oder später zu Oberflächenverschleiß oder Lockerungen. Ein Wechsel wird nötig, wenn die alte Hüftprothese Schmerzen verursacht und Bewegungen zur Qual werden oder wenn die Prothese auskugelt, zerbricht oder eine Infektion auftritt.

Inlay oder Prothese wechseln?

Bei der Wechsel-OP kann die ganze Prothese oder Einzelteile wie das Inlay, die Pfanne oder der Hüftkopf erneuert werden. Im besten Fall ist nur das sogenannte Inlay abgenutzt, das bei älteren Modellen aus Polyethylen besteht. Es lässt sich relativ leicht auswechseln. Dazu wird das defekte Inlay entfernt, die Gelenkpfanne aufgeraut und das neue Inlay einzementiert. Nach dem Eingriff sind Betroffene in der Regel relativ schnell wieder fit. Die Operation ist sowohl für die Krankenkassen günstig als auch für die Krankenhäuser kostendeckend. In einigen Fällen ist eine neue Prothese einschließlich Pfanne und Schaft nötig. Die Operation ist aufwendiger als der Austausch des Inlays, Knochensubstanz geht verloren. Die Reha dauert in der Regel länger. Die Fallpauschalen, die die Krankenkassen für solch aufwendige OPs zahlen, sind deutlich höher. Die Krankenhäuser erwirtschaften damit einen höheren Gewinn, als wenn nur das Inlay gewechselt würde.

Hersteller müssen keine Ersatzteile alter Modelle vorhalten

Bei einigen Betroffenen wird die komplette Prothese ausgetauscht, weil keine Ersatzteile für das Inlay verfügbar sind. Anders als in anderen europäischen Ländern, wird in Deutschland eine Vielzahl unterschiedlicher Hüftmodelle verwendet. Wenn sich ein Modell am Markt nicht durchsetzen kann, muss der Hersteller danach keine Ersatzteile vorhalten. In einigen Fällen gibt es den Hersteller nicht mehr, wenn nach Jahren ein Ersatzteil gebraucht wird. Weder die Hersteller noch die Krankenhäuser sind gesetzlich verpflichtet, Ersatzteile für Hüftprothesen vorzuhalten. Für Autos gibt es diese Pflicht – für Prothesen nicht.

Sonderanfertigung: Teuer und lange Wartezeit

Gibt es den Hersteller der Hüftprothese noch, kann man das defekte Teil als Sonderanfertigung bestellen. Allerdings kann es sechs bis zwölf Wochen dauern, bis das Modell fertig ist. Eine Sonderanfertigung ist teuer und übersteigt das Budget der Fallpauschale, die von den Krankenkassen gezahlt wird. Viele Kliniken lehnen den Einsatz einer Sonderanfertigung ab, weil sie die Mehrkosten tragen müssten. Ein letzter Ausweg ist es, statt des Original-Inlays das Inlay eines anderen Herstellers einzusetzen. Doch das ist sowohl juristisch als auch medizinisch heikel. Auf der Kostenseite ist diese OP für das Krankenhaus jedoch attraktiver als eine Sonderanfertigung, da das Ersatzteil eines anderen Herstellers deutlich billiger ist.

Beitrag: Niels Walker

Stand: 06.12.2017 23:08 Uhr

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