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Das verflixte zweite Jahr beim Strom-Vertrag

Das verflixte zweite Jahr beim Strom-Vertrag | Video verfügbar bis 06.12.2018

366 Euro sparen, Gratis-Strom für einen Monat oder 229 Euro Sofortbonus – Stromanbieter locken Kunden mit scheinbar supergünstigen Angeboten. Allerdings folgt oft schon nach dem ersten Vertragsjahr das böse Erwachen. 30 Prozent mehr für den Strom – beim selben Anbieter. Oft bemerken die Kunden die Preiserhöhung erst, wenn es zu spät ist. Aktuelle Studien zeigen, dass einige der Billig-Anbieter im ersten Vertragsjahr nicht einmal die eigenen Unternehmenskosten decken können. "Die Strategie ist sehr häufig, ein sehr günstiges Angebot zu machen und dann im zweiten Jahr zuzuschlagen und sich zurückzuholen, was man im ersten Jahr am Kunden verloren hat", sagt Hermann-Josef Tennhagen vom Verbraucher-Portal Finanztip.

Bonuszahlungen drücken Preis nur im ersten Jahr

Viele Anbieter locken Neukunden mit satten Bonuszahlungen. Diese Boni können den Preis um bis zu 45 Prozent drücken, wenn man sie auf die Strombeiträge umlegt. Fällt der Bonus im zweiten Jahr weg, ist der Strom um eben diese 45 Prozent teurer.

Preiserhöhungen nicht immer gleich zu erkennen

Zwar versprechen viele Anbieter für das erste Jahr eine Preisgarantie, doch sobald dieses abgelaufen ist, nutzen sie ihre Chance für Erhöhungen. Viele Stromanbieter teilen das dem Kunden auch schriftlich per Brief oder E-Mail mit. Allerdings sind diese Schreiben für die Kunden nicht immer direkt als Tariferhöhung zu erkennen, kommen als Werbung oder allgemeine Informationen daher. Die Information, dass sich der Preis erhöht, steht allzuoft erst im unteren Teil des Schreibens. Wenn der Kunde diese Info überliest, verstreicht die Widerspruchsfrist und er hängt für ein weiteres Jahr im teureren Vertrag fest.

Wechsel lohnt fast immer

Auch wenn es schwer ist, bei 13.000 Stromtarifen den Überblick zu behalten: Experten raten dazu, den eigenen Vertrag zu kontrollieren und gegebenfalls auch zu wechseln. Bestandskunden, die in der Grundversorgung sind, subventionieren quasi die günstigen Neukunden-Angebote. Selbst, wenn Kunden bei ihren Stadtwerken bleiben möchten, lohnt es sich fast immer, den eigenen Vertrag zu kündigen und sich ein neues Angebot machen zu lassen.

Vorsicht bei Wechselservice-Angeboten

Einige Dienstleister im Internet bieten einen Wechselservice an, bei dem der Kunde jedes Jahr in den günstigsten Tarif wechseln kann. Verbraucherschützer raten aber auch hier zur Vorsicht. "Es ist gerade so, dass sich am Markt ganz viele, neue Wechselservices etablieren möchten, mit ganz unterschiedlichen Geschäftsmodellen", sagt Tiana Preuschoff von der Verbraucherzentrale Niedersachsen. "Hier muss man genau differenzieren, was der Wechselservice verspricht und was er tatsächlich anbietet." Verbraucher sollten ihre Verträge immer selbst mit im Blick behalten.

Auf Preisgarantie und Kündigungsfristen achten

Verbraucherschützer empfehlen Stromtarife, bei denen eine Preisgarantie für das erste Jahr besteht und bei dem die Kunden im zweiten Jahr eine Kündigungsfrist von vier bis sechs Wochen haben. Auf diese Weise hat der Kunde im zweiten Jahr immer die Möglichkeit, auf Preissteigerungen zu reagieren und den Anbieter zu wechseln. Wer gerne Boni jagen möchte, der sollte den eigenen Tarif jedes Jahr selbst kontrollieren und am besten im Kalender eintragen, wann er kündigen sollte.

Bericht: Sara Rainer

Stand: 07.12.2017 08:36 Uhr

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