SENDETERMIN Mi, 15.03.17 | 21:45 Uhr | Das Erste

Razzien bei Audi: Wie beschädigt ist die Marke?

Razzia bei Audi | Video verfügbar bis 15.03.2018

Die VW-Tochter Audi hat am Mittwoch bei der Bilanzpressekonferenz ihre Zahlen für das vergangene Jahr vorgelegt. Die sind im Vergleich zu den anderen Marken innerhalb des Mutterkonzerns VW gar nicht so schlecht ausgefallen. Doch überschattet wurde die Veranstaltung von Razzien bei Audi.

Ingolstadt am Mittwochvormittag: Audi-Chef Rupert Stadler posiert kurz vor seiner Rede bei der Bilanzpressekonferenz für die Fotografen. Seine Botschaft sollte eigentlich sein: Audi hat das Gröbste überstanden in der Abgasaffäre. Bei den Geschäftszahlen sind sie sogar Musterknabe im VW-Konzern.

Doch zu dem Zeitpunkt ist der Audi-Spitze längst klar. Es wird keine normale Bilanz-Presse-Konferenz. Es herrscht Unruhe. Wenige Minuten zuvor machten Meldungen über Razzien bei Audi die Runde. Gegen 7 Uhr hat die Staatsanwaltschaft München II in Ingolstadt und anderen Orten durchsuchen lassen.

Ermittlungen gegen Unbekannt

Der Verdacht: Betrug und strafbare Werbung. Es geht um mögliche Täuschung von Kunden in den USA - in 80.000 Fällen. Kunden, die Fahrzeuge mit manipulierter Motorsteuerungssoftware gekauft haben. Laut ARD- und SZ-Recherchen könnte eine Schriftstück bei den Ermittlungen eine Rolle spielen, in dem VW-Vertreter gegenüber US-Behörden Mitarbeiter der Tochter Audi belasten. Die sollen die Software maßgeblich mitentwickelt haben, die in vielen Dieselfahrzeugen aus dem gesamten VW-Konzern Abgasmessungen verfälscht hat.

Was wusste Rupert Stadler?

Rupert Stadler
Rupert Stadler

Die Ermittlungen richten sich nicht gegen Ruperts Stadler, sondern gegen unbekannt. Aber der Audi-Chef steht bereits seit Wochen zunehmend unter Druck. Rückblick: Am Arbeitsgericht Heilbronn kämpft derzeit ein ehemaliger Audi-Ingenieur juristisch gegen seine Entlassung. Audi wirft ihm vor, an der Manipulationssoftware mitgearbeitet zu haben. Der wehrt sich. Sein Vorwurf.

Das Umfeld von Stadler hätte bereits 2012 über Manipulationen im Bilde sein müssen. Doch angebliche Beweise darf der Ingenieur nicht öffentlich machen. Audi überzeugt das Gericht, dass es sich dabei um geheime Unterlagen handelt. Das Urteil steht noch aus. Hat Stadler, seit 10 Jahren an der Spitze von Audi, wirklich schon 2012 von möglichen Betrügereien gewusst?

Allein der Verdacht kann ihm schaden. Heute jedenfalls wollte auf Nachfrage keinen Kommentar zu den Durchsuchungen abgeben. Audi kooperiere aber vollumfänglich mit der Staatsanwaltschaft.

Verunsicherte Mitarbeiter

Viele Mitarbeiter, mit denen wir heute gesprochen haben, zeigten sich jedenfalls verunsichert. Für Rupert Stadler geht es nun darum, sich das Vertrauen der Kunden, Mitarbeiter und der Spitze des Mutterkonzerns VW für die Zukunft zu sichern.

Stand: 16.03.2017 13:38 Uhr