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Riester-Rente – Zuschüsse kassieren meistens Besserverdiener

Riester-Rente – Zuschüsse kassieren meistens Besserverdiener | Video verfügbar bis 27.09.2018

– Bund bezuschusste Riesterverträge 2016 mit über drei Milliarden Euro
– Millionen Kleinsparer verlieren Geld
– Profiteure sind vor allem Banken und Versicherungen

Bei einer Renten-Aktion des Deutschen Gewerkschaftsbundes in Saarbrücken begegnet Gewerkschafterin Bettina Altesleben unlängst viel Verunsicherung, Misstrauen und Angst vor Altersarmut. Dabei sollte doch alles besser werden, hatten Ex-Kanzler Gerhard Schröder und der ehemalige Arbeitsminister Walter Riester 2001 versprochen.

Zuschüsse für Riesterrente vor allem an Besserverdienende

Rentner

Allein im letzten Jahr hat der Bund die Riesterverträge mit über drei Milliarden Euro Zuschüssen gefördert. Doch diese Mittel kommen vor allem Besserverdienern  zugute. Die oberen 20 Prozent kassieren knapp ein Drittel aller Zulagen. Die unteren 20 Prozent noch nicht einmal halb so viel. Alles sehr kompliziert und für Laien kaum zu durchschauen. Der Erzieher Daniel S. aus Saarbrücken sieht auf seinem Kontouszug: Mit seinem Riestervertrag hat er nach Abzug der Gebühr bisher nur Geld verloren. "Ich habe nach zwei Jahren 782 Euro eingezahlt. Mein Guthaben beträgt 621 Euro. Die Frage ist, wo die 161 Euro hin sind. Bis jetzt: für die Zukunft lohnt sich das nicht", sagt Daniel S.

Schluss mit Riester-Finanzspritzen

So wie ihm geht es Millionen Menschen. Mini-Zinsen, hohe Provisionen und Verwaltungskosten. Da bleibt nur eine Lösung: Schluss mit Riester! Die laufenden Verträge müssen weiter bedient werden. Ansonsten muss das Geld wieder in die staatliche Rente fließen. Eugen Roth DGB-Vorsitzender Saarland: "Die Riesterrente hat das nicht gebracht, was mit ihr versprochen wurde. Das müssen wir leider feststellen. Deswegen ist der Deutsche Gewerkschaftsbund der Auffassung, die Riesterrente zu beenden und die staatlichen Hilfsmittel, die dorthinein investiert wurden oder werden sollen, umzulenken. Zum Beispiel in die Stabilisierung des Rentenniveaus."        

Florian B. arbeitet in einem Cateringunternehmen und sucht bei der Verbraucherzentrale Rat. Lohnt sich riestern für Angestellte wie ihn? Der Experte warnt vor einem übereilten Abschluss. Werner Kiefer, Verbraucherzentrale des Saarlandes, sagt: "Wir sehen in unseren Beratungen, dass die Vermittler der Produkte die Menschen nicht richtig aufklären, ihnen vor allem die Nachteile der Riester-Rente nicht aufzeigen – und auch nicht das jeweils passende Produkt verkaufen."

Gesetzliche Rente stärken – einfacher und preiswerter

Auch der Paritätische Wohlfahrtsverband Saarland fordert eine Stärkung der gesetzlichen Rente. Die ist einfacher und günstiger. Vielleicht sollte man ihr mehr Möglichkeiten geben? Zum Beispiel: Professor Reiner Feth, Vorsitzendes des Verbands: "Das Geld, was dort angespart ist, vernünftig anzulegen. Und wir rechnen schon in der gesetzlichen Rentenversicherung mit einer Rendite von drei Prozent, die zum Beispiel die privaten Versicherungen gar nicht bieten können."

Florian B. wartet jetzt erstmal ab, was eine neue Regierung in Sachen Riester und mit der Rente überhaupt vorhat.

Ein Beitrag von Wilfried Voigt

Weiterführende Informationen

Verbraucherschützer konkretisieren Idee für ein „Non-Profit-Altersvorsorgeprodukt“
http://www.asscompact.de/nachrichten/verbraucherschützer-konkretisieren-idee-für-ein-„non-profit-altersvorsorgeprodukt“

Von Riester-Rente profitieren insbesondere Bezieher höherer Einkommen
https://www.diw.de/de/diw_01.c.510294.de/themen_nachrichten/
von_riester_rente_profitieren_insbesondere_bezieher_hoeherer_einkommen.html

Der Paritätische fordert eine Korrektur der Alterssicherungspolitik
http://paritaet-rps.org.dedi1446.your-server.de/news-einzelansicht/news/der-paritaetische-fordert-eine-korrektur-der-alterssicherungspolitik/

Stand: 27.09.2017 23:07 Uhr