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Stromausfall

Droht im Winter ein "Blackout"?

Steckdose neben Stadt bei Nacht (Bild: Colourbox) Bild vergrößern bzw. verkleinern Bildunterschrift: Sitzen wir bald im Dunkeln? ]
Wie teuer soll unser Strom noch werden? Das ist die Frage, die viele Verbraucher umtreibt. Seit angekündigt wurde, dass die EEG-Umlage auf über 5 Cent pro Kilowattstunde werden soll und auch die Netzbetreiber höhere Entgelte kassieren wollen.

Und seit die Bundesregierung das Projekt Energiewende eingeleitet hat, stellen sich viele auch noch eine andere, nicht weniger entscheidende Frage: Wie sicher ist unsere Stromversorgung? Seit Jahren geistert ein Wort immer wieder durch die Medien: Der „Blackout“. Aber wie wahrscheinlich ist der? PLUSMINUS hat nach Antworten gesucht.

Stromausfälle stören Metallindustrie

Viele Unternehmen sagen: Die ersten Probleme sind längst da. Der Hamburger Aluminiumverarbeiter Hydro zum Beispiel macht in jüngster Zeit immer wieder schlechte Erfahrungen. 12. November 2011: Stromausfall im Walzwerk. Der Schaden beträgt 140.000 €. Auch andere deutsche Werke des Konzerns kämpfen mit massiven Problemen bei der Stromversorgung. Alles in allem verzeichnet der Konzern im vergangenen Jahr einen Schaden von einer halben Million Euro. Auch in diesem Jahr gab es viele Störungen. Für den Werkleiter eine bedenkliche Entwicklung. Er sieht eine deutliche Häufung.

Notstromaggregate gibt es zwar. Doch die reichen lediglich, die Maschinen bei Stromausfall geordnet herunterzufahren. Der energie-intensive Betrieb ist vom öffentlichen Stromnetz abhängig. Und das scheint immer instabiler zu werden, so auch eine Umfrage der Industrie. Danach ist die Zahl der Kurzunterbrechungen, oft nur wenige Millisekunden, in den vergangenen Jahren deutlich angestiegen.Der Verband glaubt, dass die Energiewende daran schuld ist.

Ist die Energiewende schuld?

Wind und Sonne werden verantwortlich gemacht. Sie seien zu unzuverlässig, um das Land sicher mit Strom zu versorgen. Mal produzieren sie mehr, mal weniger - auf Dauer, so die Kritiker, können die Stromnetze das nicht verkraften. Denn im Netz muss immer genau so viel Strom sein, wie Industrie und Haushalte gerade brauchen. Sonst kommt die Versorgung aus dem Takt.

Wissenschaftler bestreiten, dass der Ausbau der erneuerbaren Energien Ursache für die Kurzunterbrechungen ist. Zwar habe die Zahl tatsächlich zugenommen, aber Professor Jutta Hanson von der Technischen Universität Darmstadt sieht externe Ursachen beispielsweise Baggerarbeiten oder Blitzeinschläge und nicht die erneuerbaren Energien.

Durchschnittliche Ausfallzeiten sogar rückläufig

Und drohen länger andauernde Stromausfälle? Im europäischen Vergleich steht Deutschland gut da, sagt die Bundesnetzagentur. Sie registriert alle Stromausfälle, die länger als drei Minuten dauern. Die durchschnittliche Stromausfallzeit habe sogar abgenommen.

Die Angst vor dem Blackout - also reine Panikmache? Professor Christian von Hirschhausen von der Technischen Universität Berlin sieht politische und wirtschaftliche Interessen im Spiel, beispielsweise von Parteien, denen die Energiewende nicht so gut ins Konzept passt.

Geld verdienen mit der Energiewende?

Handfeste Interessen gibt es viele - alle wollen an der Energiewende verdienen. So wollen Energieversorger Geld, weil sie für den Notfall Kraftwerke bereithalten. Auch wenn sie gar keinen Strom liefern. Industriebetriebe wollen ebenfalls Geld: Damit sie ihre Produktion drosseln, sobald Strom knapp wird. Schließlich stabilisieren sie so das Netz, die Gefahr für einen Blackout sinkt.

Auch an vielen anderen Stellen fließt unnötig Geld. So wollen Betreiber von Offshore-Windparks Geld - selbst wenn sie ihren Strom nicht einspeisen, zum Beispiel, weil zu viel davon im Netz ist oder weil Anschluss-Leitungen fehlen. Zahlen tut das alles der Stromkunde, etwa über die EEG-Umlage oder über steigende Netzentgelte. Viele in der Energiebranche nutzen die Angst vor dem Blackout und die planlose Energiewende für ihre Interessen aus.

Holger Krawinkel vom Verbraucherzentrale Bundesverband sieht die Energiewende als Flickschusterei. Es fehle an Planung und Management. Dadurch hätten Lobbyverbände leichtes Spiel zu Lasten der Verbraucher. Auch Professor Jutta Hanson vermisst eine langfristige Planung. Die sei Voraussetzung für ein optimales Stromnetz.

Das Netz muss umgebaut werden

Einig sind sich alle: Das Stromnetz muss umgebaut werden. Es ist langfristig nicht auf immer mehr regenerative Energien ausgelegt. Auch wenn aktuell kein Blackout droht - das Netz ist zunehmend belastet. Das merken schon jetzt die Netzbetreiber. Sie sorgen dafür, dass nicht zu viel, aber auch nicht zu wenig Strom im Netz ist. Ist das Angebot an Strom zu hoch, etwa weil viel Wind weht, regeln sie konventionelle Kraftwerke runter. Weht zu wenig Wind, fordern sie mehr Strom von Gas- und Kohle-Kraftwerken an. Ihr Job wird durch die Energiewende immer schwieriger. So musste zum Beispiel der Netzbetreiber 50hertz im Jahre 2003 nur zwei Mal regelnd eingreifen, 2011 dagegen knapp 1.000 Mal.

Doch der Umbau der Netze läuft nur schleppend. Eines der größten Probleme: Wissenschaftler und Ingenieure bekommen von den Betreibern nicht genügend Informationen über die Netzstruktur. Deswegen fehlt bislang ein durchdachter Umbau-Plan.

Ein Blackout ist zurzeit eher unwahrscheinlich. Doch um ihn auch langfristig zu vermeiden, müssen die Netze fit gemacht werden für die Energiewende. Mit einem durchdachten Plan statt mit immer mehr Geld für Einzelinteressen.

Links:

=> Informationsportal für erneuerbare Energien

=> PLUSMINUS: Falsch saniert - Wie die Energiewende scheitert

=> PANORAMA: Energiewende - Größenwahn statt Megaplan

=> Energieverbraucherportal Mut-zum-Wechseln

=> Verbraucherzentralen: Informationen zum Stromanbieterwechsel

Tarifvergleichsrechner mit Qualitätsprüfung von Anbietern

=> Energieverbraucherportal

=> Hauspilot

Buch: Energie für Verbraucher - Weniger zahlen für Strom und Gas

Autoren: Dr. Aribert Peters, Leonora Holling, Juli 2010, 18,50 €

Dieser Text informiert über den Fernsehbeitrag vom 24.10.2012. Eventuelle spätere Veränderungen des Sachverhaltes sind nicht berücksichtigt.

Sendetermin
Mi, 24.10.12 | 21:45 Uhr