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Bitcoin

Werden virtuelle Währungen zur Gefahr für unser Finanzsystem?

PlayGrafik: Bitcoin und Euro
Bitcoin – Eine Gefahr für unser Finanzsystem? | Video verfügbar bis 21.02.2019 | Bild: SWR

  • – Der Bitcoin erlebt einen Hype. Der Preis ist im vergangenen Jahr explodiert.
  • – Der Preisanstieg beim Bitcoin wird durch die Erwartung auf weitere Gewinne getrieben.
  • – Experten beweifeln, dass Kryptowährungen in ihrer heutigen Form Zahlungsmittel der Zukunft werden.
  • – Die zugrundeliegende Blockchain-Technologie könnte Potenzial haben und künftig zu effizienteren Prozessabläufen führen.

Noch schauen Noten- und Zentralbanken dem Treiben rund um so genannte Kryptowährungen wie Bitcoin, Etherium oder IOTA ohne Regulierungen zu. Doch die Forderungen werden immer lauter, regulierend einzugreifen. Aber was ist eine Kryptowährung eigentlich. "Plusminus" mit einer Spurensuche.

Viel Hype um nichts?

Viele sprechen davon, nur wenige wissen genau, was es ist: Ein Bitcoin. Alternatives Geld, imaginäre, digitale oder Krypto-Währung? Was steckt als wirklich dahinter?

Berlin gilt als Krypto-Hauptstadt Europas. Hier will unser Reporter herausfinden, was es mit dem Bitcoin-Hype auf sich hat. Er ist verabredet mit drei Insidern der Szene.

Florian, Robert und Till sind schon früh auf den Bitcoin-Zug aufgesprungen. Ihr Studium haben sie inzwischen aufgegeben. Sie alle sind unter 30, sollen aber durch Bitcoins zu Millionären geworden sein.

Bitcoin-Pionier Robert Küfner meint dazu: "Das ist ja nichts, wofür man sich schämen muss, dass man sagt, ich find es total toll, dass diese ganze Rallye sich für uns total gelohnt hat. Das finde ich total in Ordnung. Aber logisch, wir haben uns alle extremst darüber gefreut und über die Aufmerksamkeit, die damit mit einhergegangen ist."

Woher kommen Bitcoins?

Bitcoins sind virtuelles Geld, das mit Computern gemacht wird.

Grafik: Bitcoin-Mining
Mining: Komplexe Rechneraufgaben im Verbund werden mit Bitcoin belohnt | Bild: SWR

Um Bitcoins zu schaffen, müssen tausende vernetzte Rechner schwierige mathematische Aufgaben lösen. Für jede Lösung bekommen die Besitzer der Computer Bitcoins gutgeschrieben. Insider nennen das Mining.

Auch Robert hat früher im Keller seiner Eltern Bitcoins gemint. Heute will er unserem Reporter nun zeigen, wie man die begehrten Bitcoins kaufen kann. Diese werden auf speziellen Börsen gehandelt. Nur wenn ein Anderer Bitcoins anbietet, kann man auch selbst kaufen. Zu unterschiedlichen Preisen. Angeboten werden Pakete von 60 Euro bis 21.000 Euro, alles ist möglich. Unser Reporter will 60 Euro investieren, dafür gibt es gerade mal 0,00864 Bitcoins. Das klingt nicht sehr spektakulär, noch zehn Jahre zuvor hätte es dafür sehr viel mehr Bitcoins gegeben

Der Bruchteil an Bitcoins ist jetzt in einem digitalen Konto gespeichert. Sie existieren nur virtuell.

Bitcoin-Pionier Robert Küfner erklärt uns: "Bitcoin ist für mich digitales Gold, ich halte meine und ich gehe stark davon aus, dass sich das in der Zukunft jedenfalls positiv entwickeln wird."

Der Bitcoin-Hype nur eine Blase?

In der Szene glaubt man fest an Kryptowährungen wie den Bitcoin, auch wenn der Kurs in den letzten Wochen sehr unbeständig war.

Grafik: Kursentwicklung Bitcoin 2017
Der Bitcoin kletterte 2017 von 1.000 auf 16.000 Euro | Bild: SWR

Vor einem Jahr war ein Bitcoin gerade mal knapp 1.000 Euro wert. Dann ein beispielloser Höhenflug bis zu einem Rekordwert von 16.000 Euro Mitte Dezember. Derzeit ist ein Bitcoin knapp 9.000 Euro Wert.

Sollte man tatsächlich auf die digitale Währung setzen? Unser Reporter trifft Finanzwissenschaftler Prof. Hans-Peter Burghof. Was steckt hinter den Kurssprüngen des Bitcoins? Der Experte erläutert: "Man sieht deutlich, der Bitcoin ist von Phantasie getrieben. Das heißt von der Vorstellung der Menschen, was daraus werden könnte. Und tatsächlich ist es so, wenn der Bitcoin eine globale Währung wird, die von sehr vielen Menschen akzeptiert wird, dann ist er noch viel mehr wert. Wenn er es aber nicht wird, dann hat er keinen Wert. Denn Währungen sind nur Dinge, die viele Menschen akzeptieren. Und da gehen jetzt die Erwartungen rauf und runter und abhängig davon geht der Kurs jetzt eben sehr schnell rauf oder nach unten."

Akzeptiert wird Bitcoin nicht nur im Netz. Unser Reporter ist auf dem Weg in die Schweiz, dem "Mutterland" der Finanzindustrie.

Bitcoin Akzeptanz-Schild in einem Schaufenster
Manchmal akzeptiert sogar der Einzelhandel schon Bitcoin | Bild: SWR

In Zug südlich von Zürich, im selbsternannten Crypto-Valley, ist das virtuelle Geld schwer angesagt. Hier gibt es tatsächlich Geschäfte, in denen man mit Bitcoins bezahlen kann. Sie werden beispielsweise beim Optiker akzeptiert, ein Service für den Kunden, wie Optiker Christoph Utesch erklärt: "Für mich ist es ein reguläres Zahlungsmittel. Ob er jetzt mit Kreditkarte, bar und Bitcoins zahlt, ist für mich schlussendlich das gleiche."

Auch Einfamilienhäuser können in der Schweizer Stadt mit der Kryprowährung bezahlt werden und selbst in der Stadtverwaltung setzt man auf das virtuelle Geld, wie Dolfi Müller, Stadt-Präsident von Zug, berichtet: "Bei uns sind es ein paar wenige Gebühren beim Einwohnermeldeamt. Nicht mehr und nicht weniger. Es sind etwa 50 Zahlungen eingegangen."

Wie einfach das Bezahlen mit Bitcoins funktioniert, probiert unser Reporter beim Bezahlen seines Mittagessens aus. Der Verkäufer am Currywurststand gibt den Betrag in Schweizer Franken ein, es erscheint ein QR-Code, den der Kunde mit seinem Telefon scannt und schon ist die Bezahlung erledigt. Nach wenigen Sekunden ist das Geld beim Imbiss. Currywurst, Pommes und Getränk kosten 16 Schweizer Franken oder 0,00173917 Bitcoins.

In der Schweiz setzt man voll auf Kryptowährung.

Technologie wird weiterentwickelt

In Berlin sind Robert Küfner und seine Kollegen schon einen Schritt weiter in der digitalen Zukunft. Sie haben bereits die nächste Firma gegründet, börsennotiert. Sie beschäftigen sich mit der Technologie hinter dem Bitcoin: Der Blockchain.

Diese Technologie, die hinter dem Bitcoin steckt, ist komplex und nur wenige verstehen sie.

Grafik: Blockchain und Banken
Blockchain können Banken überflüssig machen | Bild: SWR

Bei der so genannten Blockchain handelt es sich um eine Kette aus dezentralen Datenblöcken. In ihnen sind alle Transaktionen dokumentiert, wie in einem Kassenbuch, aus dem man keine Seite mehr heraustrennen kann, unveränderbar und für alle einsehbar. Damit braucht es für eine Transaktion keine Hausbanken, keine Großbanken und keine Clearingstelle mehr. Die Übertragung erfolgt direkt. Dokumentiert auf jedem Rechner der Blockchain.

Diese Technologie ist auch für die Industrie interessant. Das Start-Up in Berlin berät Automobilkonzerne und deren Zulieferer. Sie könnten damit zum Beispiel Handelswege effizienter gestalten.

Blockchain Start-Up Gründer Robert Küfner erläutert dazu: "Sie können Vertrauen schaffen durch diese Technologie nach außen. Und sie können interne Prozesse verschlanken, verschnellern, sicherer machen. Also im Endeffekt geht es nur um Effizienz. Und die kann durch Blockchain-Technologie besser abgebildet werden als vorherige Technologien das bisher abbilden."

Sind das nur Zukunftsvision eines Krypto-Pioniers? Auch Banken beginnen sich inzwischen für die Technologie zu interessieren. Für Experten wie Prof. Hans-Peter Burghof hat die Blockchain viel Potenzial: "Die Blockchain-Technologie wird die Finanzwelt verändern. Mir ist noch nicht klar, in welchem Ausmaß. Ob das jetzt den ganz großen revolutionären Wandel hat und ob wir jetzt nur bestimmte Anwendungen haben, wo die Blockchain-Technologie zu mehr Effizienz beiträgt und andere, wo das eben nicht passiert."

Könnten Kryptowährung das Zahlungsmittel der Zukunft sein?

Bitcoins als scheinbare reale Münze
Nur virtuell: Bitcoins | Bild: bitcoin

Dazu meint Prof. Hans-Peter Burghof: "Ich glaube, die Kryptowährungen, wie sie heute existieren, werden nicht das Zahlungsmittel der Zukunft. Da gibt es technologische Probleme, aber vor allem Staaten, die das so nicht akzeptieren. Allerdings kann es gut sein, dass die Staaten es für gut halten werden, Elemente der Technologie zu übertragen auf die bestehenden Währungen, so dass die dann mehr wie Kryptowährungen werden."

Krypto-Währungen: Hype oder Zukunft? Welches Potenzial hinter der Blockchain steckt, wird sich erst zeigen müssen. 

Es ist zwei Wochen her, seit unser Reporter 60 Euro in Bitcoins investiert hat und die sind inzwischen schon 75 Euro wert.

Stand: 21.02.2018 23:32 Uhr

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