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Trumps Wirtschaftspläne: Wie gefährlich sind seine Träume?

Trumps Wirtschaftspläne: Träume mit gefährlichen Folgen? | Video verfügbar bis 25.01.2018

Inhalt in Kürze:
- Der neue US-Präsident Donald Trump will die US-Wirtschaft mit Steuersenkungen, Investitionen in Infrastruktur und Rüstung sowie Beschränkungen im Freihandel ankurbeln.
- Die Finanzierung der Pläne ist unklar.
- Die amerikanische Börse scheint optimistisch wegen der Versprechen, die Kreditvergaben zu erleichtern und Finanzmarktregularien zurückzunehmen, Wirtschafts- und Finanzmarktexperten sehen die Vorhaben skeptisch, da sie widersprüchlich sind.
- Entscheidend wird auch, wie die amerikanische Notenbank FED agiert, die angekündigt, hat die Zinsen weiter anzuheben.

"Make America Great Again" ist das erklärte Ziel des neuen US-Präsidenten Donald Trump. Um den USA zu neuem Wohlstand zu verhelfen, will er kräftig in Infrastruktur und Rüstung investieren, dazu die Steuern senken und den Freihandel beschränken. Doch wie will Trump seine Wirtschaftspläne finanzieren? Experten befürchten, dass das Wirtschaftswachstum Trumps teuer erkauft werden könnte, mit fatalen Folgen für die Weltwirtschaft bis hin zu einer erneuten Finanzkrise. "Plusminus" analysiert die Widersprüche und Risiken der "Trumponomics".

Teure Pläne

US-Falgge und Dollar-Scheine
Wer trägt die Kosten für Trumps Pläne?

Wenn Donald Trump als US-Präsident das umsetzt, was er immer wieder versprochen hat, wird das viel Geld kosten. Da ist zum Beispiel ein hunderte Milliarden Dollar schweres Konjunkturprogramm, unter anderem zur Verbesserung der Infrastruktur. Und da sind die immer wieder in Aussicht gestellten Steuersenkungen, die irgendwie bezahlt werden müssen.

All das mit einem Ziel, wie der US-Präsident am 11.01.2017 sagte: "We gonna create jobs. I said that I will be the greatest jobs producer that God ever created. And I mean that – I really… I’m gonna work very hard on that." Zu Deutsch: "Wir werden Jobs schaffen. Ich werde der größte Arbeitsplatz-Produzent sein, den Gott je erschaffen hat. Ich meine das, wirklich… Ich werde sehr hart daran arbeiten."

Doch nur mit Gottvertrauen lassen sich Trumps Pläne nicht realisieren. Vieles wird wohl auf Pump finanziert werden müssen. Dabei haben die USA schon jetzt eine Staatsverschuldung von knapp 20 Billionen US-Dollar, mehr als 100 Prozent ihres Bruttoinlandsprodukts. Zum Vergleich: In Deutschland sind es nur rund 70 Prozent.

Wird der Schuldenberg der USA noch größer, könnte das gefährliche Folgen für alle haben, warnen Finanzexperten wie Hans-Peter Burghof. Der Professor für Bankwirtschaft und Finanzdienstleistungen an der Uni Hohenheim meint: "Donald Trump versucht mit billigem Geld, mit Steuersenkungen, mit neuen Schulden die Wirtschaft anzutreiben. Das ist kurzfristig gut. Langfristig ist es sehr riskant und kann dem Land schaden, aber das ist Donald Trump offenkundig egal. Er denkt eben nur in der kurzen Frist, an den kurzen Gewinn, wie er es als Geschäftsmann auch gemacht hat. In dem Sinne ist er ein echter Blasenökonom, der die Blase aufbläst und dann hofft, nicht mehr an Bord zu sein, wenn die Blase platzt."

Börse scheint optimistisch

Wall-Street-Schild und US-Flagge
Die Wall Street schein optimistisch

Die Wall Street ist seit der Wahl Trumps auf Höhenkurs. Kurzfristig lässt sich mit Blasenökonomie an der Börse gut Geld verdienen. Doch langfristig könnte das nach hinten losgehen, meint auch Clemens Fuest, Präsident des Instituts für Wirtschaftsforschung in München:

"Ich glaube, die Euphorie war zu groß, die Wirtschaftspolitik von Trump wird nicht aufgehen. Und deshalb erwarte ich, dass der Katzenjammer an den Börsen kommt. Ich denke, dass die Börsen übertrieben haben."

Die ersten Tage seiner Präsidentschaft lassen vermuten, dass er ernst macht mit Schulden und lockerer Geldpolitik. Umsetzen soll diese Pläne Steven Mnuchin, der künftige US-Finanzminister. 17 Jahre arbeitete er für die Investmentbank Goldman Sachs. Vom sparsamen Haushalten hält er nicht viel: "Ich weiß, was es braucht, damit kleine und mittelständische Unternehmen wieder Kredite aufnehmen können. Und dafür müssen wir sicherstellen, dass wir Regulierungen wieder zurückschrauben, damit Banken wieder Geld verleihen."

König der Zwangsvollstreckungen

Neuer US-Finanzminister Steven Mnuchin
Neuer US-Finanzminister Steven Mnuchin

Regulierungen zurückschrauben, Zustände also wie vor der Finanzkrise. Von der hat Mnuchin kräftig profitiert. Er übernahm den pleite gegangenen Hypothekenfinanzierer IndyMac zum Spottpreis. Fortan hieß die Bank OneWest. Dort machte sich Mnuchin einen Ruf als "king of foreclosure", als "König der Zwangsvollstreckungen".

Hier in Oxnard in Kalifornien, an der Pazifikküste, leben Sandy Jolley und ihre Schwester Cathy. Für sie ist Steven Mnuchin kein Unbekannter. Unvorstellbar, dass ausgerechnet er nun US-Finanzminister sein soll:  "Ich dachte erst, es sei ein Fehler. Doch als mir klar wurde, dass das stimmt, war ich entsetzt. Er hat Verbrauchern so viele furchtbare Dinge angetan, dass ich ihn einfach für unzumutbar halte."

Mnuchins Bank schwatzte ihren schwerkranken Eltern einen 80.000-Dollar-Kredit auf. Die haben ihr Haus, das mehr als 500.000 Dollar wert war, als Sicherheit gegeben. Nach dem Tod der Eltern versteigerte die Bank das Haus. Für sie ein Riesengeschäft.

Sandy Jolley gibt die Schuld Mnuchin: "Ich habe keine Zweifel, dass diese Methoden, die abertausende Senioren und ihre Familien geschädigt haben, von Steven Mnuchin ausgedacht wurden."

Gegenspieler und Risiken

Künftig wird Mnuchin kein Geld mehr für Bank auftreiben, sondern für Trumps Politik.

Kredite erleichtern, Schulden machen, mehr Geld in den Markt pumpen. Wird das wirklich den erhofften Wachstumsschub bringen? Experten sind skeptisch.

Prof. Clemens Fuest, Präsident des ifo-Instituts, meint: "Vermutlich wird das im Wesentlichen in die Preise gehen, also die Inflation wird ansteigen. Außerdem wird der Dollar ansteigen und das wird die Importe steigern. Das heißt die amerikanische Industrie, die Trump eigentlich schützen will, die wird zusätzlich unter Wettbewerbsdruck geraten. Also das Gegenteil dessen, was er eigentlich will."

White House
White House - Sitz des US-Präsidenten

Trump hat bei alldem noch einen mächtigen Gegner: Die US-Notenbank FED. Sie will nämlich aus der Politik des billigen Geldes aussteigen und hat angekündigt, die Zinsen weiter zu erhöhen.

Prof. Clemens Fuest, Präsident des ifo-Instituts, erklärt dazu: "Das hat zwei Effekte: Erstens kommt dann der amerikanische Staat in Schwierigkeiten, weil er seine Schulden nicht mehr finanzieren kann. Und zweitens wird es für den Rest der Welt schwierig, weil auch da die Zinsen steigen und für die hochverschuldeten europäischen Staaten, für hochverschuldeten Unternehmen in Südeuropa könnte das die Krise wieder zurückbringen."

Trump auf Dollarnote
Macht Trump amerika wieder groß?

Trumps Wirtschafts- und Geldpolitik ist für Experten völlig widersprüchlich und brandgefährlich – für die USA und für den Rest der Welt.

Prof. Hans-Peter Burghof, Professor für Bankwirtschaft und Finanzdienstleistungen an der Uni Hohenheim erläutert: "Die Risiken der Politik von Donald Trump sind ganz ähnlich den Risiken der Politik, die die USA vor der Finanzkrise getrieben hat. Man hat einfach die Wirtschaft angetrieben, um jeden Preis mit billigem Geld. Man hat versucht, möglichst viel an Wachstum, möglichst viel an Jobs, möglichst schnell zu schaffen und hat dabei nicht berücksichtigt, dass das auch eine solide Grundlage braucht. Das heißt, man muss damit rechnen, dass das dann genau so in irgendeiner Form zusammenbricht, wie der Aufschwung der USA 2008."

Sowohl für die amerikanische als auch für die Weltwirtschaft ist es ein Cocktail, der nichts Gutes verspricht: Trumps Wahlspruch könnte am Ende für immense Staatsschulden, für billiges Geld und hohe Inflation stehen.

Stand: 26.01.2017 15:17 Uhr

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Mi, 25.01.17 | 21:45 Uhr
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Südwestrundfunk produziert.