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Ananas

Südfrucht mit Nebenwirkung?

Ananasfeld in Costa Rica Bild vergrößern bzw. verkleinern Bildunterschrift: Wie funktioniert das: Ananas aus Costa Rica gibt es hier für weniger als einen Euro? ]
Derzeit werden Ananas für weniger als einen Euro verkauft. Der größte Teil kommt aus Costa Rica. Wie kann ein Land so billig produzieren? plusminus stößt auf eine Region, die kein eigenes Trinkwasser mehr hat.

Die Beliebtheit der Ananas schlägt sich in den Importzahlen nieder: Laut Agrarinformationsgesellschaft (AMI) hat Deutschland allein im vergangenen Jahr 192.000 Tonnen importiert. Der Durchschnittspreis der Ananas in deutschen Supermärkten betrug dabei im September 2012 nur 1,59 Euro. Aber es geht noch günstiger: Bei Rewe in Köln fanden wir Ananas für nur einen Euro, Herkunftsland Costa Rica.

Von dort kommen fast drei Viertel der in Deutschland verkauften Ananas. Dabei ist das Land nicht einmal so groß wie Bayern. Und im Zuge der gestiegenen Nachfrage in den vergangenen Jahren hat man noch mehr Platz für Plantagen geschaffen – auf Kosten des Regenwaldes. Heute wird in Costa Rica auf etwa 40.000 Hektar Ananas angebaut, 1999 waren es noch 9.900 Hektar.

Massiver Einsatz von Pestiziden

Costa Rica ist mit geschätzten 52 Kilogramm pro Hektar das Land mit dem weltweit höchsten Pestizideinsatz, zeigen Studien des „Instituto Regional de Estudios en Sustancias Tóxicas“ (IRET) der Nationaluniversität Costa Ricas.

Die Monokulturen stellen die Farmer vor ein Problem: Die Pflanzen sind anfällig für Schädlinge und Pflanzenkrankheiten. Natürliche Feinde fehlen. Stattdessen werden intensiv Chemikalien wie Pestizide gesprüht. Und wenn die im Boden versickern, ist auch das Grundwasser gefährdet. Außerdem wäscht sie der subtropische Regen auch in umliegende Bäche und Flüsse.

Die Orte Milano, Cairo, Francia und Lousiana sind umgeben von Ananasplantagen. Erst kürzlich warnte das Gesundheitsministerium die Bewohner auf Flugblättern erneut, „kein Wasser aus der Wasserleitung zu trinken, da es kontaminiert ist. Es darf nur zum Waschen der Kleidung und für die Sanitäranlagen genutzt werden“.

Für Trinkwasser sorgt schon seit 2007 ein Tankwagen, der die Menschen zweimal pro Woche mit Trinkwasser beliefert. Das Problem des verunreinigten Trinkwassers ist aber schon seit 2003 bekannt.

Hohe Konzentrationen

Clemens Ruepert vom Toxikologischen Institut der Nationaluniversität Costa Ricas in Heredia nahm bereits 2003 Wasserproben in der Region um Milano und wies unter anderem das von der Environmental Protection Agency (EPA) als „möglicherweise krebserregend“ eingestufte Pestizid Bromacil in einer Konzentration von bis zu 5,25 Mikrogramm nach. Zum Vergleich: In der Europäischen Union sind maximal 0,1 Mikrogramm zugelassen. In Deutschland ist das Pestizid bereits seit 1990 nicht mehr zugelassen und seit 1993 ausdrücklich verboten, „weil der Wirkstoff zur Versickerung neigt und damit das Grundwasser gefährdet“, so das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit.

Xinia Briceno lebt seit sechs Jahren in Milano. Seitdem kämpft sie für ihr Recht auf sauberes Trinkwasser und suchte immer wieder das Gespräch mit Del Monte, einem der Betreiber der benachbarten Plantagen. Doch Del Monte gab ihr in all den Jahren keine Antwort. Auch gegenüber plusminus war Del Monte zu keiner Stellungnahme bereit.

Bei unseren Dreharbeiten erhielten wir auch Einblick in eine Studie, die ein renommiertes europäisches Institut Ende 2011 erstellt hat. Wir wollen mit den Wissenschaftlern darüber reden, doch das wurde abgelehnt. Auch den Auftraggeber der Studie darf man uns nicht nennen. Fakt ist allerdings: Im Wasser in und um Milano ist Bromacil auch 2011 noch nachgewiesen worden - mit Konzentrationen von bis zu 6,5 Mikrogramm!

Harte Produktionsbedingungen

Die Zustände auf den Plantagen sind hart, erzählen uns viele Arbeiter vor Ort. Einer von ihnen, der jahrelang Vorarbeiter bei Del Monte war, behauptet sogar, dass sie ohne Schutzkleidung arbeiten und im ständigen Kontakt mit Pestiziden seien. Auch hierzu erhalten wir von Del Monte keine Stellungnahme.

Wir fragen daher bei Rewe an. Dort haben wir schließlich eine Ananas von Del Monte gefunden. Der Konzern antwortet uns: „Die Rewe bezieht bereits 90 Prozent ihrer Ananas von Lieferanten, die nach entsprechenden Sozialstandards (…) zertifiziert werden.“

Der Preis der Ananas

Helge Fischer von der Organisation makefruitfair kritisiert, dass eine Ananas zum Preis von einem Euro auf der Seite der Arbeiter keinen Gewinn bringen könne und verweist in diesem Zusammenhang auch auf die Stellung der deutschen Supermärkte. In Deutschland mit seinen traditionell billigen Lebensmitteln würden diese quasi die Rolle eines Türstehers übernehmen, der bestimme, was und zu welchen Preisen in den Handel komme und was nicht.

Wir wollten von den sechs wichtigsten deutschen Handelsunternehmen wissen, welche Rolle die Produktionsumstände beim Einkauf von Ananas spielen. Alle verweisen darauf, keine eigenen Plantagen zu haben, auf denen sie Ananas anbauen. Bezüglich der Arbeitsbedingungen und dem Umgang mit Chemikalien beim Anbau der Früchte würden sie von ihren Zulieferern die Einhaltung von Sozial- und Umweltstandards fordern.

Rewe schreibt uns: „Der Einsatz von Pestiziden und deren Zulassung erfolgt entsprechend den gesetzlichen Bestimmungen des Landes.“ Und weiter heißt es: „Die Belastung von Gewässern ist nicht zwangsweise Folge des Einsatzes von bestimmten Pestiziden, sondern deren unsachgemäßer Anwendung.“

Autorin: Tanja Hübner

Dieser Text informiert über den Fernsehbeitrag vom 07.11.2012. Eventuelle spätere Veränderungen des Sachverhaltes sind nicht berücksichtigt.

Sendetermin
Mi, 07.11.12 | 22:00 Uhr