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Immobilien: Dubiose Geschäfte der GENO eG

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Immobilien: Dubiose Geschäfte der GENO eG | Video verfügbar bis 10.05.2018

Inhalt in Kürze
– Die Genossenschaft GENO verspricht den Erwerb einer Immobilie ohne Schulden und fast ohne Risiko.
– Die Verbraucherzentrale kritisiert das Modell: Möglicherweise handele es sich um ein in Deutschland verbotenes "Schneeballsystem".
– Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Vorstände wegen Betrugs und Insolvenzverschleppung.

Eine Immobilie erwerben – ohne Schulden und fast ohne Risiko. Mit diesem Versprechen wirbt die GENO, eine bundesweit tätige Haus- und Wohnungsbaugenossenschaft. In Werbevideos und Beratungsgesprächen erweckt die GENO den Eindruck, dass man mit dem Kauf von Genossenschaftsanteilen schon nach circa zwei Jahren in die Wunschimmobilie einziehen kann. Vor allem für Familien, die Schwierigkeiten haben, einen Immobilienkredit zu bekommen, klingt das Angebot verlockend.

Immobilie erst mieten, später kaufen

Ein Schlüsselbund und Geldscheine
Erst mieten, später kaufen – der sichere Weg zum Eigenheim?

Zum Erwerb einer Immobilie sind zunächst Genossenschaftsanteile für mindestens 10.000 Euro zu erwerben. Dann kommen Genossen auf eine sogenannte Zuteilungsliste. Sobald GENO der Zuteilung zugestimmt hat, können sie sich eine Immobilie oder ein Baugrundstück aussuchen, auf dem ein Haus gebaut werden soll. Die Genossenschaft finanziert das Bauvorhaben. Der Genosse ist nicht der Eigentümer, sondern zahlt eine Miete, die deutlich unter den ortsüblichen Preisen liegt. Dadurch soll der Genosse die Möglichkeit bekommen, Geld bei GENO anzusparen, um das Haus nach spätestens 35 Jahren zu kaufen.

Kritik der Verbraucherzentrale

Doch das System hat einen Haken. Um überhaupt ein Haus bauen zu können, braucht GENO viele Kunden, die Genossenschaftsanteile in einen gemeinsamen Topf einzahlen. Eine unsolide Finanzierung, kritisiert die Verbraucherzentrale Hamburg: Möglicherweise handele es sich sogar um ein in Deutschland verbotenes Schneeball- oder Pyramidensystem, bei dem nur wenige ein Haus bekommen können und die Mehrheit leer ausgeht.

Staatsanwaltschaft ermittelt

Ehemalige Mitarbeiter der GENO, die Einblicke in die Strukturen der Genossenschaft nehmen konnten, werfen den Vorständen vor, dass es ihnen nicht um den Bau von Immobilien gegangen sei, sondern darum, sich selbst zu bereichern. Das vermutet auch die Staatsanwaltschaft Stuttgart. Sie ermittelt gegen die Vorstände der GENO wegen Betruges und Insolvenzverschleppung. Bereits vor Jahren warnte der für die GENO gesetzlich zuständige Prüfverband vor einer drohenden Zahlungsunfähigkeit. GENO ignorierte die Warnung und wechselte zu einem anderen Prüfverband.

GENO zahlt Einlagen nicht zurück

Weil viele Genossen schon lange auf die Zuteilung ihrer Immobilie warten und die Staatsanwaltschaft ermittelt, verlassen immer mehr Mitglieder die GENO. Die Zahl der Genossen ist von ehemals 13.000 auf rund 5.000 gesunken. Doch wer seine Mitgliedschaft kündigt, erlebt eine böse Überraschung: Die GENO will die eingezahlten Genossenschaftseinlagen nicht in voller Höhe zurückzahlen, wie es in den Verträgen vor 2013 vereinbart war.

Der Vorstand beruft sich auf eine Satzungsänderung im Jahr 2014. Demnach haften Genossen mit ihren Einlagen, wenn die Genossenschaft finanziell in Schieflage gerät. Die Genossenschaft wendet die Satzungsänderung auch auf Altverträge an. Doch nach einem Urteil des Landgerichts Stuttgart ist das nicht rechtens. Jeder einzelne Betroffene muss nun selbst klagen, weil Sammelklagen in Deutschland nicht zulässig sind. Sollte die GENO tatsächlich Insolvenz anmelden, droht allen Genossen der Totalverlust der Einlage.

Eigenheim nur mit solider Finanzierung

Wer keinen Immobilienkredit von seiner Bank bekommt, sollte kein Eigenheim erwerben. Das empfiehlt die Verbraucherzentrale. Sie mahnt zur Vorsicht bei Finanzierungsangeboten auf dem sogenannten grauen Kapitalmarkt: Dort tummelten sich viele Unternehmen, die es auf finanzschwache Kunden abgesehen haben und deren Notlage ausnutzen.

Bericht: Daniel Krull, Alexandra Ringling
Kamera: F. Groth, R. Tadic, B. Hoffmann, A. Oschek, S. Wildenhayn
Schnitt: Caroline Richter

Stand: 11.05.2017 08:53 Uhr

Sendetermin

Mi, 10.05.17 | 21:45 Uhr
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