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Sibylle Lewitscharoff
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Ein Philosoph, so denkt man, sollte die Welt erklären können. Einer wie Blumenberg erst recht. Klug, gebildet, erfahren und routiniert, wie er ist. Nun ist Blumenberg zwar eine Romanfigur, aber es hat auch in der Wirklichkeit einen Philosophen dieses Namens gegeben, Hans Blumenberg (1920–1996), Professor in Münster, und vor ihm – und seinem Werk – verneigt sich Lewitscharoff mit diesem Roman.
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"Blumenberg" von Sibylle Lewitscharoff, Suhrkamp Verlag
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Glücklicherweise heißt das aber nicht, dass wir uns mit einer trockenen philosophiegeschichtlichen Abhandlung herumschlagen müssen. Denn Sibylle Lewitscharoffs Blumenberg wird eines Nachts in seinem Arbeitszimmer von einem veritablen Löwen besucht, und dieser Löwe begleitet den Philosophen in der Folge durchs Leben, ohne dass irgendwer sonst das Tier sehen könnte.
"Kurios war nur, dass vom Löwen gar nichts Undeutliches, Verschwebtes, Löwen- und Luftatomvermischtes ausging; seine Umrisse zitterten nicht im Her und Hin der wellendurchlaufenen Gedanken Blumenbergs; es blitzten keine löwenköpfigen Spiegelneuronen und bewimmelten das kristalline Geflirr einer Halluzination. Der Löwe war da. Habhaft, fellhaft, gelb.
Obwohl er sich selbst ermahnte, ein unerschütterliches Vorbild der Ruhe abzugeben, raste sein Herz. Ein Löwe! Ein Löwe! Ein Löwe!"
Den Löwen kann Blumenberg nicht erklären, er kann nur fasziniert beobachten, wie der Löwe, ohne eigentlich etwas zu tun, seine, Blumenbergs, Welt verändert.
Und Sibylle Lewitscharoff schafft es, eine so verrückt erscheinende Geschichte derart sprachmächtig, detailreich, originell, psychologisch präzise und liebevoll zu erzählen, dass uns schließlich nichts selbstverständlicher erscheint als ein Löwe auf dem Teppich im Arbeitszimmer des Philosophen Blumenberg.
Sibylle Lewitscharoff wurde 1954 in Stuttgart geboren. Sie studierte Religionswissenschaft und lebt in Berlin. 1998 gewann sie den Ingeborg-Bachmann-Preis für "Pong".
Dieser Text informiert über den Fernsehbeitrag vom 23.10.2011. Eventuelle spätere Veränderungen des Sachverhaltes sind nicht berücksichtigt.