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Bildunterschrift:
"Das Scheißleben meines Vaters ..." von Andreas Altmann, Piper Verlag
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Platz 10
Andreas Altmann: "Das Scheißleben meines Vaters, das Scheißleben meiner Mutter und meine eigene Scheißjugend"
Wie der Titel bereits dezent andeutet, schont Andreas Altmann in seinem autobiographischen Erinnerungsbuch weder sich noch andere. Aber so sehr mich die Lektüre überzeugt, dass es ganz sicher kein Zuckerschlecken war, in einer dysfunktionalen Familie im bigotten Altötting als Sohn eines gewalttätigen Rosenkranzhändlers und einer gefühlskalten Mutter aufzuwachsen, ist mir diese Abrechnung eines über 60-Jährigen mit seinen Eltern schlicht zu larmoyant und zu exhibitionistisch.
(Piper Verlag, 256 Seiten, 19,99 €)
Platz 9
Philipp Lahm und Christian Seiler: "Der feine Unterschied"
Ein annehmbares Fußballsachbuch über den Strukturwandel während der letzten beiden Jahrzehnte auf dem grünen Rasen. Ein unvermuteter Triumph des Abwehrstrategen Lahm: wie er beziehungsweise sein Co-Autor dem Verdacht begegnen, Lahm sei homosexuell. Aus solchem Stoff macht man Abituraufgaben.
(Kunstmann, 269 Seiten, 19,90 €)
Platz 8
Loriot: "Bitte sagen Sie jetzt nichts"
Nichts, absolut nichts darf von den goldenen Worten in diesem posthum veröffentlichten einsichtsreichen Interviewband von Deutschlands größtem Humoristen ablenken. Überlassen wir die Kritik also Herrn Dr. Sommers sprechenden Hund Bello: Hohoo-ohoohooo-ho-ohooo-hoo-ho!
(Diogenes, 255 Seiten, 21,90 €)
Platz 7
Peter Scholl-Latour: "Arabiens Stunde der Wahrheit"
Die Bestandsaufnahme des analysestärksten Kenners der arabischen Welt ein gutes halbes Jahr nach der sogenannten "Arabellion" fällt ernüchternd aus: Zum einen, weil in vielen Staaten die scheinbar erkämpften Freiheiten verloren zu gehen drohen, auch weil der Westen nichts gegen Saudi-Arabien und seine wahhabitischen Hassprediger unternimmt. Regelrecht deprimierend ist aber, dass Scholl-Latour den arabischen Staaten weder die amerikanische noch die europäische Demokratie zur Nachahmung empfiehlt. Ich würde sehr gern widersprechen, kann es nach der Lektüre dieses Buchs aber nicht. Mehr als ein Buch: ein Bildungserlebnis.
(Propyläen, 384 Seiten, 24,99 €)
Platz 6
Dieter Nuhr: "Der ultimative Ratgeber für alles"
Ein kurioses Buch, ebenso unterhaltsam wie überflüssig, gelegentlich aber auch hell und klar und wahr: etwa wenn Dieter Nuhr eine soziologische Meditation über die "Drecksackquote" anstellt und zu der Erkenntnis kommt: "Die Anzahl der verabscheuungswürdigen Egoisten ist unter Bankdirektoren wie unter Hartz-IV-Empfängern exakt gleich groß."
(Bastei Lübbe, 304 Seiten, 12,99 €)
Platz 5
Martin Wehrle: "Ich arbeite in einem Irrenhaus"
Statt diesen mit dubiosen Fallgeschichten angefetteten Ratgeber aus dem Wahnsinn der Arbeitswelt möchte ich jedem, der etwas über die Spielregeln des Erwerbsleben in Deutschland erfahren möchte, lieber die Romane von Wilhelm Genazino empfehlen: Im neuen, "Wie die Tiere", so der Titel, wechselt ein freiberuflicher Architekt in die Festanstellung und wird darüber aus gutem Grund sehr unglücklich.
(Econ, 288 Seiten, 14,99 €)
Platz 4
Gaby Köster, Till Hoheneder: "Ein Schnupfen hätte auch gereicht"
Ein vulgäres, ein narzisstisches Machwerk. "Während ich versuchte, mit meinem kleinen Kind die Zeit sinnvoll zu verbringen, musste ich in meiner Parallelwelt als Rita lernen, wie man eine Supermarktkasse richtig bediente! Preise eintippen, Wechselgeld – das komplette Programm, damit das in der Serie gekonnt und schnell aussah!" In diesem Punkt bin ich mit Frau Köster ausnahmsweise einmal ganz einig: einfach mörderisch, was einem beim Fernsehen so abverlangt wird!
(Scherz, 264 Seiten, 18,95 €)
Platz 3
Dirk Müller: "Cashkurs"
Dieses Buch eines früheren Aktienhändlers und Aktienindex-Models ist so absurd wie der Kapitalismus selbst. Fast albern banal, vermögen Müllers Commonsense-Ratschläge wie: keine Verträge unterschreiben, die man nicht versteht; ein Haushaltsbuch führen; in Geldfragen nicht irgendwelchen Gurus vertrauen, in Zeiten der Krise immerhin das Trostpotenzial eines fröhlichen Pfeifens im Wind zu entfalten. Nichts daran ist falsch. Aber als Buch ist das ebenso spannend wie ein Leitfaden, in welchen Mülleimern man am meisten Pfandflaschen findet.
(Droemer, 368 Seiten, 19,99 €)
Platz 2
Helmut Schmidt, Peer Steinbrück: "Zug um Zug"
So unerheblich, schönfärberisch und manipulativ wie alle Wahlkampfbroschüren ist diese nicht: im Gegenteil, das Gespräch zwischen Altkanzler und Prätendent jagt so hurtig und anregend durch die Wissenskreise, dass ich schon geneigt war, es zu loben, bis ich auf Seite 157 den Satz las: "Ich werde mich dann zur Kanzlerkandidatur äußern, wenn mich der SPD-Vorsitzende danach fragen sollte." So erobert man vielleicht die Position des Kassenwarts beim HSV, nicht aber das Bundeskanzleramt.
(Hoffman und Campe, 320 Seiten, 24,99 €)
Platz 1
Walter Isaacson: "Steve Jobs"
Dass die Welt immer die falschen Götter anbetet, ließ sich sehr schön im Oktober verfolgen, als Apple-Mitgründer Steve Jobs und der Medientheoretiker Friedrich Kittler binnen 14 Tagen starben. Während die Nachrufe und sonstigen Eulogien, zu der man auch diese absurd aufgeschwemmte Biographie zählen darf, aus dem PR- und Vertriebsfachmann Jobs einen neuen Leonardo da Vinci zu machen versuchten, wurde das echte Genie Friedrich Kittler in aller Medienstille zu Grabe getragen. Verkehrte Welt!
(Deutsch von Antoinette Gittinger, Oliver Grasmück, Dagmar Mallett, Elfi Martin, Andrea Stume und Gabriele Werbeck, C. Bertelsmann, 704 Seiten, 24,99 €)
Dieser Text informiert über den Fernsehbeitrag vom 27.11.2011. Eventuelle spätere Veränderungen des Sachverhaltes sind nicht berücksichtigt.