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Verführerische Madonnen, nackte Hexen und der Leidensweg Jesu – Mit seinem "Dürer-Verführer" lehrt uns Rolf Vollmann "Die Kunst, sich zu vertiefen" (Knaus)
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Bildunterschrift:
Der Dürer Verführer
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Wer genau war eigentlich Albrecht Dürer und was wollte er uns mit seinen detailversessenen Kupferstichen sagen? Was trieb ihn an und was bedeutet er uns heute? Fast 500 Jahre nach Dürers akribischer Dokumentation seiner abergläubigen und sinnenfrohen Epoche, entdeckt uns Rolf Vollmann den deutschen Meister des Kupferstichs noch einmal neu – und zwar ganz ohne Hasen und betenden Hände.
"Jetzt habe ich dieses Buch noch einmal durchgeblättert und sehe, dass es zwar so einigermaßen das geworden ist, was mir beim Schreiben vorgeschwebt haben muss, dass aber der Leser … vielleicht doch etwas vor sich sieht, auf das er nicht vorbereitet war …" warnt Vollmann.
Er hat einhundert Kupferstiche, Kaltnadel- und Eisenradierungen aus dem Werk Albrecht Dürers (1471–1528) intensiv betrachtet und auf sich wirken lassen: Madonnen, Bauern, Krieger, Frauen, Traumgesichte, Legenden und Rätselbilder. Er hat die feinsten Schraffierungen, jedes Detail mit der Lupe verfolgt und dann beschrieben, was klar zu sehen oder was nur angedeutet ist. Er hat sich beim Schauen beeindrucken lassen und seine Eindrücke in die Bildbeschreibungen mit einfließen lassen. Das ist nicht die Vorgehensweise eines Forschers und auch nicht der Versuch, die Sichtweise eines Dürerschen Zeitgenossen einzunehmen, um alle Symbole und religiösen Allegorien aufzudecken.
Vollmann ist eher der naive Bewunderer von Dürers herausragenden künstlerischen Fähigkeiten wie auch gleichzeitig der rundum gebildete Literaturkenner. Er verweist auf andere Große wie Wieland, Goethe, Homer, die auf ihre Weise die Irrwege, Freuden, Hoffnungen und Zweifel der Menschen beschrieben haben. Mit dieser Methode – dem Vereinen von Dürers Bildern und ihren Texten – bietet er dem Leser die wunderbare Möglichkeit, sich der Gesamtkunst in aller Tiefe, in allen Verästelungen zuzuwenden, sie auf sich wirken zu lassen und sie zu genießen.
Das Ganze liegt in einem Schuber mit zwei Bänden vor, so dass der Leser die Abbildungen in einem Band stets offen liegen lassen kann, um Bildbeschreibung samt Kommentar im anderen Band zu lesen. Fast alle Abbildungen sind in Originalgröße wiedergegeben.
Wichtig für Highlightsucher: Bilder wir "Der Feldhase" oder die "Betenden Hände" sind nicht zu finden, weil es Pinselzeichnungen sind; ebenso fehlt "Die Mutter des Künstlers", eine Kohlezeichnung, die als Staeck-Plakat ("Würden Sie dieser Frau ein Zimmer vermieten?") zu besonderer Popularität kam.
Rolf Vollmann (1934) studierte Germanistik, Theologie und Philosophie, ist freier Schriftsteller ("Die wunderbaren Falschmünzer") und Journalist.
Dieser Text informiert über den Fernsehbeitrag vom 27.11.2011. Eventuelle spätere Veränderungen des Sachverhaltes sind nicht berücksichtigt.