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Die Liebeshandlung

von Jeffrey Eugenides

Die Liebeshandlung (Bild: Rowohlt Verlag) Bild vergrößern bzw. verkleinern Bildunterschrift: Die Liebeshandlung ]
Wer bin ich, gibt es einen Gott, der mich lenkt und wie gebe ich meinem Leben einen Sinn? – Jeffrey Eugenides erkundet in seinem neuen Roman das Universum amerikanischer Highschool-Absolventen und findet eine an sich selbst zweifelnde Generation im Liebeswahn. Aus einem komplizierten Dreiecksverhältnis heraus erkennen die darin Verstrickten nach einigen Enttäuschungen, dass das Leben voller Überraschungen ist und damit stets neue Perspektiven eröffnen kann.

Jeffrey Eugenides (Bild: dpa) Bild vergrößern bzw. verkleinern Bildunterschrift: Jeffrey Eugenides ]
Aus dem deutschen Titel kann man nicht leicht erahnen, um was es bei diesem Buch geht – da lässt sich der Leser besser vom Autor helfen. Er hat sein Werk deswegen im Original "The marriage plot" genannt, was zumindest dem literaturwissenschaftlich Beschlagenen andeutet, dass es sich um die zielgerichtete Suche einer Frau nach einem Ehemann handelt. Zumindest gilt dies für Romane des 19. Jahrhunderts, in denen Jane Austen, die Brontë Schwestern oder der wieder entdeckte Wilkie Collins verschlungene Wegen und zahlreiche dramaturgische Volten zu aufregenden Geschichten verweben, in denen immer das Heiraten im Mittelpunkt steht.

Eugenides präsentiert uns drei Charaktere – alle drei Studenten der ehrwürdigen, teuren und ruhmreichen Brown Universität, in deren Alumniliste nicht nur die Namen Kennedy und Rockefeller auftauchen, sondern auch J. Eugenides – die 1982 ihr Examen machen. Ins Leben hinausgehen wollen die Studentin Madeleine Hanna, eine ausgesprochen hübsche, belesene und betuchte WASP (white anglo-saxon protestant), ihr zeitweiliger Partner Leonhard, brillant, charismatisch, ziemlich mittellos, und Mitchell, griechischer Herkunft (wie auch Eugenides), immer auf der Sinnsuche mit Hilfe von Religion oder Selbsterfahrungspraktika in Armut und Elend.

Die Geschichte ist verwickelt, bezaubernd erzählt und gut aufgebaut. Die Sympathie des Autors für seine Protagonistin Madeleine beschert dem Leser eine detaillierte, leicht ironische Einführung in das Collegeleben mit all' seinen Varianten und Typen – Freunde von Jonathan Franzen können hier viel Zusätzliches erfahren. Ein weiteres, zartes Zitat der US-Autorenrealität ist Madeleines Lover Leonhard, der mit David Foster Wallace nicht nur das Stirnband gemeinsam hat. Die Übereinstimmung des aufrechten Zweiflers Mitch mit Eugenides selber ist natürlich nicht hundertprozentig, jedoch ein willkommener, charmanter Gimmick.

Obwohl Madeleine ihre Abschlussarbeit zum Thema 'Marriage plot' geschrieben hat, ist dies keine verlässliche Konditionierung in der realen Konstellation: Sie will Leonhard heiraten, Mitch will sie heiraten. Sie ist genauso unsicher und widersprüchlich in ihrem Verhalten wie die beiden jungen Männer. Alle drei erleben auf dem Weg zum Erwachsenwerden das berauschende Gefühl, frei entscheiden zu können – und erfahren direkt damit die schmerzlichen Korrekturen derselben Freiheit. Ein Bekannter gibt Madeleine seine Erkenntnis mit auf den Weg: "Man rettet keinen anderen Menschen. Man rettet nur sich selbst."

Eugenides selber, der große Erzähler, sagt über sein Buch: "… das ist das Wahrhaftigste, was ich bisher geschrieben habe".

Jeffrey Eugenides, 1960 Detroit, Sohn einer teils griechischen, teils englisch-irischen Familie. Pulitzer Preis für den Roman "Middlesex" (2002). Lebte eine Zeit lang in Berlin, jetzt in New Jersey, wo er an der Princeton University Literatur und Kreatives Schreiben lehrt.

Dieser Text informiert über den Fernsehbeitrag vom 27.11.2011. Eventuelle spätere Veränderungen des Sachverhaltes sind nicht berücksichtigt.

Sendetermin
So, 27.11.11 | 23:50 Uhr
Das Erste

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