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Aktuelles Datum: 22.05.2012

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Nemesis

von Philip Roth

Endlich Amerika verstehen

Philip Roth (Bild: BR) Bild vergrößern bzw. verkleinern Bildunterschrift: Philip Roth ]
Franz Kafka hat ihn nicht bekommen, Marcel Proust auch nicht, genauso wenig James Joyce oder Bert Brecht. Die wichtigsten Autoren des 20. Jahrhunderts sind nie mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet worden. So betrachtet ist Philip Roth in guter Gesellschaft. Der große amerikanische Romancier, seit Jahrzehnten Kandidat für die Auszeichnung, ist auch heuer wieder leer ausgegangen.

Denis Scheck unterhält sich mit ihm über New York, über Leben und Schreiben, über Gott und die Welt und natürlich über seinen letzten Roman "Nemesis", die berührende, tragische Geschichte des Sportlehrers Bucky Cantor, der im heißen Sommer 1944 im amerikanischen Newark gegen eine Polio-Epidemie kämpft – und verliert.

"Mr. Cantor sah ein paar Frauen, die sich mit Strohhüten gegen die Sonne schützten und in schmalen Beeten neben einer Reklametafel Unkraut jäteten. Am Bürgersteig waren einige Wagen geparkt. Direkt vor der Synagoge stand der schwarze Leichenwagen; der Fahrer polierte die vorderen Kotflügel mit einem Tuch. Im Wagen konnte Mr. Cantor den Sarg sehen, eine blasse, schmucklose Holzkiste. Es war unvorstellbar, dass Alan darin lag, nur weil er eine Sommerkrankheit bekommen hatte. In dieser Kiste, aus der es keine Wiederkehr gab. In dieser Kiste, in der ein Zwölfjähriger für immer zwölf Jahre alt blieb. Wir anderen leben und werden jeden Tag älter, aber er bleibt für immer zwölf. Millionen Jahre vergehen, doch er ist noch immer zwölf."

Die Lakonie, mit der Roth erzählt, entfaltet beim Lesen schnell eine ungeheure Wucht. Und wenn Roth in seinen Romanen über Vorstädte, jüdische Mittelschichtfamilien und alternde Hochschullehrer redet, begreifen wir, dabei jederzeit atemberaubend gut unterhalten, endlich dieses ganze seltsame, große Amerika.

Philip Roth wurde 1933 in New Jersey geboren und war nach seinem Studium Dozent für Englische Literatur. Bekannt wurde er mit dem 1969 erschienen Roman "Portnoys Beschwerden". Heute gilt er als einer der wichtigsten Schriftsteller der USA. Er lebt auf einer Farm in Connecticut.

Dieser Text informiert über den Fernsehbeitrag vom 23.10.2011. Eventuelle spätere Veränderungen des Sachverhaltes sind nicht berücksichtigt.

Sendetermin
So, 23.10.11 | 00:00 Uhr

Die Landesrundfunkanstalten der ARD: BR, HR, MDR, NDR, Radio Bremen, RBB, SR, SWR, WDR,
Weitere Einrichtungen und Kooperationen: ARD Digital, ARTE, PHOENIX, 3sat, KI.KA, DLF/ DKultur, DW