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Die lustigen Weiber von Windsor
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Frank Günther übersetzt - William Shakespeare
Es gibt nur wenige verlässliche Trostlektüren, echte Aufbaubücher, die einen auch in dunklen Stunden nie im Stich lassen. Wann immer mich schlechte Laune zu überkommen droht, lese ich Shakespeare. Sein Arsenal von Archetypen ist unerschöpflich. Von Ophelia bis Othello, Prospero bis Falstaff, niemals werde ich seiner Figuren überdrüssig, ich kann mich nicht satt lesen an seinen Geschichten über Liebe und Hass, Gier, Neid, Schuld, das Streben nach Ruhm und Macht.
Wenn ich ganz abenteuerlustig bin, versuche ich Shakespeare im Original zu lesen: Meistens erleide ich im elisabethanischen Englisch bald Schiffbruch und halte mich dann an eine deutsche Übersetzung. Nicht an die in Ehren ergrauten von Schlegel, Tieck, Graf von Baudissin, die – mit bald 200 Jahren auf dem Buckel nun ans Ende ihres literarischen Haltbarkeitsdatums gelangt, sondern am liebsten an die des wortgewaltigen deutschen Shakespeare-Übersetzers Frank Günther.
Frank Günther ist präzise, elegant, treffend, dicht am Mann, nicht selten Shakespeare gar eine Nasenlänge voraus, nie keucht er jedenfalls abgeschlagen hinterher. Günthers Text ermöglicht einen direkten Zugang noch da, wo das Verhandelte weit über der Sphäre des Alltäglichen angesiedelt ist. Günthers Gräuel sind übersetzte Sätze wie: "Reicht Mantel mir und Degen, Freunde, gute Nacht", wie sie Schlegel dem Prinzen Heinrich im zweiten Teil von König Heinrich dem Vierten in den Mund legt. "Man hört sofort: Dieser Satz ist so falsch, es muss sich um Shakespeare handeln", so Frank Günther mit Blick auf seine über hundert Vorgänger, Vorläufer als Shakespeare-Übersetzer.
Für den im Englisch durchaus alltäglich klingenden Blankvers "Give me my sword and cloak. Fallstaff, good night." setzt Günter denn auch lakonisch: "Gebt mir mein Schwert und Cape. Falstaff, gut Nacht."
Kleinigkeiten, gewiss. Aber mir ist kein literarischer Übersetzer bekannt, in dem nicht etwas vom Ehrgeiz jener steckt, die den Kölner Dom mit Streichhölzern nachzubauen trachten. Zwar sind alle Kreuzworträtsler und Laubsägearbeiter Kleinkleinfetischisten, doch ist deshalb nicht jeder Fliegenbeinzähler ein Korinthenkacker.
Also vertrauen Sie mir, ich weiß, was ich tue, und lesen Sie William Shakespeare im Original oder auf Deutsch von Frank Günther in der bei ars vivendi gebunden oder im dtv als Taschenbücher erscheinenden zweisprachigen Ausgabe.
Dieser Text informiert über den Fernsehbeitrag vom 27.11.2011. Eventuelle spätere Veränderungen des Sachverhaltes sind nicht berücksichtigt.