Inhalt.
Hauptnavigation.
Suche.
Bild vergrößern bzw. verkleinern
Bildunterschrift:
Weihnachtszeit, Bücherzeit!
]
Sie sind noch auf der Suche nach passenden Weihnachtsgeschenken? Und ein bisschen spannend dürfen selbige auch sein? Dann sind Sie hier genau richtig! Denis Scheck gibt Weihnachtstipps für das perfekte Buchgeschenk. Zehn spannende Bücher stellt er vor.
Heinrich Steinfest: "Die Haischwimmerin"
Eine unterirdische Verbrecherrepublik irgendwo im Fernen Osten Russlands, Gruppensex in einem Hallenbad auf der Schwäbischen Alb, lebende Ohren und ein Comeback für die hinreißendste Ermittlerin der Welt, Lilli Steinbeck: All das erwartet Sie in Heinrich Steinfests "Die Haischwimmerin". Wie immer schreibt Steinfest in seinem abschweifungsseligen, an Musil und Doderer geschulten Essaystil.
Heinrich Steinfest zählt aus zwei Gründen zu meinen Lieblingsautoren: Weil man beim Umblättern eines Steinfest-Romans wirklich nie weiß, was einen als nächstes erwartet, und weil man in seinen Büchern auf Sätze stößt wie: "Schriftsteller entsorgen nicht nur die eigenen Ängste und Fantasien und Sehnsüchte, sondern auch die kollektiven, den Müll insgesamt oder wenigstens große Berge davon".
(Piper Verlag, 352 Seiten)
Wolfgang Schorlau: "Die letzte Flucht"
Der sechste Fall mit Schorlaus Serienhelden Georg Dengler, einem ehemaligen Ermittler des Bundeskriminalamts, führt Dengler nach Berlin, wo er bei der Verteidigung eines Berliner Mediziners helfen soll, dem die Vergewaltigung und Ermordung einer Neunjährigen vorgeworfen wird. Denglers Sohn ist in die Protestbewegung gegen Stuttgart 21 aktiv und erlebt mit seinem Vater den sogenannten Schwarzen Donnerstag, also den Polizeisatz gegen die S-21-Demonstranten am 20. September 2010. "Ich stehe immer noch unter Schock", schreibt Schorlau im Nachwort zu seinem Roman, in dem er die Pharmaindustrie aufs Korn nimmt.
(Kiepenheuer & Witsch, 351 Seiten)
Fritz Maurer: "Niedertracht"
Das wahre Grauen im Krimi ist der allgegenwärtige Regionalkrimi. Das Vergnügen seiner Leser, die Kneipe um die Ecke zwischen zwei Buchdeckeln beschrieben zu sehen, hat viel mit Nabelschau zu tun. Dieser Regionalkrimi, Maurers dritter mit Komissar Jennerwein, ist anders. Fritz Maurer schreibt mit feinem Witz und großer Menschenkenntnis über einen als Kind durch den Anblick einer Gemse in Not traumatisierten Serienkiller. Ein großer böser Spaß.
(Fischer Taschenbuch Verlag, 377 Seiten)
Joe Haldeman/Mark Marvano: "Der ewige Krieg"
Ein Klassiker der modernen Science Fiction neu interpretiert als buchlanger Comic. Haldemans Geniestreich bei der Bewältigung seiner Vergangenheit als US-Soldat in Vietnam war es, seine Geschichte in die Zukunft zu verlegen, von einem Krieg gegen Aliens namens Tauraner zu erzählen und der seit je im Ruch des Waffenfetischismus stehenden Science Fiction auf diese Weise ihren Militarismus auszutreiben. Marvanos vor keinem Splatter zurückschreckende und doch nie indezent wirkende Comicfassung erhält die auch nach Jahrzehnten ungebrochene Schockwirkung von "Der ewige Krieg".
(Carlsen Verlag, 168 Seiten)
Friedrich Dürrenmatt: "Die Kriminalromane"
Liegt es an ihrer Entstehungszeit im Nachbeben des Zivilisationsbruchs Holocaust, dass Dürrenmatts Kriminalromane bei aller intellektuellen Spielerei einen so großen moralischen Ernst verströmen? Ansteckende Lust am Infragestellen aller Verhältnisse und am subversiven Charme des Selberdenkens verströmen sie obendrein.
(Diogenes, 988 Seiten)
John Kennedy Toole: "Die Verschwörung der Idioten"
Eines der rätselhaftesten und lustigsten Bücher der amerikanischen Nachkriegsliteratur, und doch taufrisch in dieser Neuübersetzung, erzählt von den Freuden des Nichtmittuns, des Sichquerstellens, des Schwimmens gegen den Strom – und den Zwängen des Geldverdienens.
(Klett Verlag, 461 Seiten)
Dominique Manotti: "Einschlägig bekannt"
Selten wurde das Wechselspiel zwischen Politik und Polizei so schonungslos dargestellt wie in diesem fiebernd erzählten Thriller über die wahren Ursachen der Krawalle in den Pariser Vorstädten. Ob es sich um trübe Blasen in der sumpfigen Phantasie linker Verschwörungstheoretiker oder schlicht um die Realität handelt, muss jeder Leser selbst entscheiden.
(Deutsch von Andrea Stephani, Argument Verlag, 256 Seiten)
Josh Bazell: "Einmal durch die Hölle"
Auch wenn Bazell den genialen Wurf seines Debüts "Schneller als der Tod" nicht wiederholen kann, ist dieser rasant erzählte zweite Thriller mit dem Arzt und Auftragskiller Pietro so humorvoll, einsichtsreich und originell erzählt, dass man sich gern ein paar Stunden damit vertreibt. Und wann hat man von einer Paläontologin, die aussieht wie "ein Pin-up-Girl, das boxt", schon mal die Prophezeihung gehört, dass es keine hundert Jahre mehr dauert, bis man in den USA auf der Straße Menschenfleisch essen wird?
(Deutsch von Thomas Gunkel und Malte Krutzsch, Fischer Verlag, 411 Seiten)
Charles Dickens: "Große Erwartungen"
Zum Aufwärmen für das Dickens-Jahr 2012 ist das beste gerade gut genug. "Große Erwartungen" ist einer der wenigen Romane, mit dem man lesen lernen kann – und aus dem sich eine Menge über Ökonomie erfahren lässt. In der inspirierten Neuübersetzung von Melanie Walz überlegt der junge Pip angesichts seiner in eine Sparbüchse wandernden Einkünfte: "Ich hege den undeutlichen Eindruck, dass sie zu einem späteren Zeitpunkt zum Tilgen der Staatsverschuldung herangezogen werden sollten; jedenfalls weiß ich, dass ich nicht darauf rechnete, persönlich an diesem Schatz beteiligt zu werden."
(Deutsch von Melanie Walz, Hanser Verlag, 827 Seiten)
Don Winslow: "Zeit des Zorns"
Ihr Leben dreht sich um Gewalt, Drogen, Waffen und harten Sex – und das sind wohlgemerkt die Guten in diesem sehr harten, sehr schnell erzählten Thriller um eine Liebe zu dritt und die Umverteilung einiger Geschäftsanteile im amerikanischen Drogenmarkt. Mein Lieblingssatz: "Du hast dich selbst zu dem gemacht, der du jetzt bist."
(Deutsch von Conny Lösch, Suhrkamp, 338 Seiten)
Dieser Text informiert über den Fernsehbeitrag vom 27.11.2011. Eventuelle spätere Veränderungen des Sachverhaltes sind nicht berücksichtigt.