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Bildunterschrift:
"Die Kunst des Feldspiels" von Chad Harbach (DuMont)
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Im Grunde ist jeder große Roman wie die erste Begegnung mit einer neuen Sportart. Man kennt die Regeln noch nicht. Muss sich mit den Feinheiten des Spiels erst Zug um Zug vertraut machen. Und anfängliche Frustrationen führen einen beständig in Versuchung, einfach aufzugeben und zum Altgewohnten zurückzukehren.
Einen Roman über Baseball in Deutschland anzupreisen mag wie ein Versuch erscheinen, mit Zitronen zu handeln. Aber wirklich gute Romane lassen unser aller literarische Trägheit und unser Misstrauen gegenüber dem Unbekannten spielend überwinden. Schließlich ist Literatur nichts für Menschen mit schwachen Nerven, empfindlichen Mägen oder Angst vor dem Neuen. Redundanzleser mögen hinterm Ofen bei ihren Lore-Romanen bleiben. Dieser Roman hier ist etwas für Leser mit Abenteuerlust.
Sein Titel: "Die Kunst des Feldspiels."
Sein Autor: Chad Harbach, ein 37-jähriger Amerikaner, der neun Jahre an diesem Debüt geschrieben und dafür nicht nur einen enormen Vorschuss, sondern auch – sehr zu Recht – begleitende Lorbeeren von Autorenkollegen wie John Irving und Jonathan Franzen eingeheimst hat.
"Die Kunst des Feldspiels" erzählt von einem Naturtalent im Baseball: Henry Skrimshander ist ein geborener Shortstop, ein Mann mit dem goldenen Arm, der immer schon ein paar entscheidende Zehntelsekunden vor seinen Mitspielern weiß, wo der Ball landen wird. Das Talent ist ihm in die Wiege gelegt. Aber besitzt Skrimshander auch den Ehrgeiz? Daran zweifelt er. Deshalb wird ihm eingebleut: "Das hier ist Amerika. Gewinner gewinnnen. Und Verlierern verpasst man einen Arschtritt." Vier Jahre seiner Collegezeit lässt Chad Harbach uns Leser die Karriere Henry Skrimshanders verfolgen, bis dessen Erfolgsserie urplötzlich reißt, und Henry einsehen muss:
Gute Romane über Sport sind ausgesprochen selten. Dies hier ist einer. In Wahrheit ist "Die Kunst des Feldspiels" kein Roman über Baseball, sondern ein Roman über Menschen. Und er hat nur ein Thema: den Zweifel. Zweifel am sportlichen Talent. Zweifel an der sexuellen Orientierung. Zweifel am Weg zum Glück. In einer Zeit des Überangebots einfacher Antworten ist dieser glänzend erzählte Roman des Zweifels ein großer Trost. Also vertrauen Sie mir, ich weiß, was ich tue, und lesen Sie "Die Kunst des Feldspiels" von Chad Harbach, erschienen in der deutschen Übersetzung von Stephan Kleiner und Johann Christoph Maas im DuMont Verlag.
Dieser Text informiert über den Fernsehbeitrag vom 26.08.2012. Eventuelle spätere Veränderungen des Sachverhaltes sind nicht berücksichtigt.