Inhalt.
Hauptnavigation.
Suche.
Platz 10
Gaby Köster und Till Hoheneder: "Ein Schnupfen hätte auch gereicht"
Ein Schlaganfall hat die TV-Komikerin Gaby Köster aus der Bahn geworfen. Leider steht die Schwere ihrer Erkrankung in umgekehrt proportionalem Verhältnis zur Belanglosigkeit ihrer enervierend selbstgerechten und selbstbezüglichen Mitteilungen aus den Seichtgebieten ihrer Gedankenwelt und der Fernsehunterhaltung.
(Scherz, 264 Seiten, 18.95 €)
Bild vergrößern bzw. verkleinern
Bildunterschrift:
"Arabiens Stunde der Wahrheit" von Peter Scholl-Latour, Verlag Propyläen, ISBN: 978-3549073667
]
Platz 9
Peter Scholl-Latour: "Arabiens Stunde der Wahrheit"
Peter Scholl-Latour zeichnet aufgrund seiner in vielen Jahrzehnten erworbenen fundierten Kenntnisse die verlässlichsten politischen Landkarten des sich rasch verändernden arabischen Raums. Und mehr noch: Man kann nach dem erfahrungssatten Erzählton Peter Scholl-Latours genau so süchtig werden wie nach dem des berühmten "raunenden Beschwörer des Imperfekts", als den Thomas Mann in seinem Josephs-Roman den guten Erzähler beschreibt.
(Propyläen, 384 Seiten, 24,99 €)
Platz 8
Edmund de Waal: "Der Hase mit den Bernsteinaugen"
Das beste Buch seit Langem auf einer deutschen Bestsellerliste: Die Familiengeschichte der Ephrussi, die als Weizenhändler und Bankiers in Odessa, Paris und Wien zu fabelhaftem Reichtum gelangen, durch die Nazis aber Besitz und Leben verlieren. "Die Familie wurde nicht ausgelöscht, sondern überschrieben", schreibt de Waal. So ermüdend bekannt der Verlauf der düsteren Geschichte ist, so aufregend neu erzählt wird sie in Edmund de Waals Meisterwerk, das die Gefühle und Gedanken hinter den historischen Fakten reaktiviert.
(Deutsch von Brigitte Hilzensauer, Zsolnay, 352 Seiten, 19,90 €)
Platz 7
Richard David Precht: "Warum gibt es alles und nicht nichts"
Die erneute Popularisierung eines ohnehin schon populärphilosophischen Sachbuchs läuft Gefahr, nur mehr zu einer Art Schwundstufe des einmal Gebotenen zu geraten. Prechts Philosophiebuch für Kinder liest sich leicht und stiftet trotz des Recyclings altbekannten Materials Erkenntnis, ist aber nurmehr eine Handbreit von "Precht für Dummies" entfernt.
(Goldmann, 208 Seiten, 16,99 €)
Platz 6
Richard David Precht: "Wer bin ich und wenn ja wie viele"
Das bewährte Original für Erwachsene: nach wie vor eine sehr gute Einführung in Philosophie und Hirnforschung.
(Goldmann, 394 Seiten, 14,95 €)
Platz 5
Martin Wehrle: "Ich arbeite in einem Irrenhaus"
Der Karrierecoach Martin Wehrle hat die Spielregeln unserer Arbeitswelt weniger analysiert, als vielmehr mit Fallgeschichten illustriert, denen das Odium des Ausgedachten anhaftet. Das liest sich dann so: "Neulich hat mir eine Klientin, Senior Consultant einer Unternehmensberatung, folgende Geschichte erzählt ..." Aber Wehrle bietet auch smarten Rat, etwa: "Schauen Sie sich nach einer Firma um, in der Sie sich nicht verstellen müssen; einer Firma, in der Sie Ihre Stärke leben und Ihre Werte mit Leben füllen können." Ich fürchte, die Suche nach solchen Firmen könnte ähnlich ausgehen wie die Suche nach Einhörnern, Lummerland oder Tischleindeckdichs. In vielen Unternehmen ist der Irrsinn so tief verwurzelt wie in den Apparaten kommunistischer Parteien.
(Econ, 288 Seiten, 14,99 €)
Platz 4
Dieter Nuhr: "Der ultimative Ratgeber für alles"
Die Pointendichte dieses Buch gewordenen Comedyprogramms ist schlicht höher als die der Konkurrenzprodukte. Wie könnte man fünfhundert Jahre mittelalterliche Kirchengeschichte konziser zusammenfassen als in Dieter Nuhrs Satz: "Die Kirche verbrennt alle, die an ihrer Oberherrschaft zweifeln, später dann auch alle, von denen erzählt wird, dass sie zweifeln, bis hin zu denen, von denen ein Bekannter erzählt hat, dass er einen Vetter hätte, dessen Schwippschwager einen kennen würde, der von einem gehört hätte, der angeblich auch zweifeln hätte gewollt haben können."
(Bastei Lübbe, 304 Seiten, 12,99 €)
Platz 3
Thea Dorn und Richard Wagner: "Die deutsche Seele"
60 Kurzessays zweier sehr unterschiedlicher deutscher Edelfedern mit Themen von German Angst bis Wanderlust, von Kitsch bis Kulturnation, von Vater Rhein bis Mutterkreuz: Früher wäre so ein Lesebuch ein ideales Kommunions- oder Konfirmationsgeschenk gewesen, heute aber ist es popkulturelle Konterbande. Schon dass sich die Autoren an ein so schmutziges Wort wie Seele herantrauen, bezeugt ihren Mut, und dann auch noch: "deutsche Seele". Eins ist schon mal klar: Ein Bestseller im Ausland wird das nicht. Aber wir Inländer wären gut beraten, uns von diesem grundgescheiten Buch aufzeigen zu lassen, was Deutschsein einmal hieß und heute noch und wieder heißen könnte.
(Albrecht Knaus, 560 Seiten, 26,99 €)
Platz 2
Walter Isaacson: "Steve Jobs"
Diese Biographie ist routiniert geschrieben, wenn auch trotz einiger unterhaltsamer Episoden viel zu ausufernd geraten, vor allem aber unterläuft ihr in der Einschätzung ihres Gegenstands eine eklatante Verwechslung von Ursache und Wirkung, Schöpfertum und Verkaufe: Steve Jobs war kein Newton, kein Kant und kein Einstein, auch kein Heron von Alexandria oder James Watt. Seine Bedeutung für Computer entspricht etwa der Friedrich Jahns fürs Grillhendl. Wahrscheinlich ist Jobs deshalb die ideale Projektionsfigur für sämtliche pseudokreative Trittbrettfahrer dieser Welt.
(Deutsch von Antoinette Gittinger, Oliver Grasmück, Dagmar Mallett, Elfi Martin, Andrea Stumpf und Gabriele Werbeck, C. Bertelsmann, 704 Seiten, 24,99 €)
Platz 1
Rolf Dobelli: "Die Kunst des klaren Denkens"
Rolf Dobelli beschreibt in 52 Lektionen, wie unsere Emotionen unsere Vernunft übertölpeln und unser Denken ins Abseits laufen lassen, etwa weil wir unser Wissen überschätzen, weil wir Erfolg für normal erachten, wo Scheitern die Regel ist oder weil wir lieber an Wunder glauben, statt mit dem Unwahrscheinlichen zu rechnen. Dieses Buch kann seine Entstehung aus einer Zeitungskolumne nicht verleugnen. Aber Dobelli serviert seine Einsichten so kurzweilig und unprätentiös, dass ich sein Buch gern, mit Gewinn und mit Vergnügen gelesen habe.
(Hanser, 256 Seiten, 14,90 €)
Dieser Text informiert über den Fernsehbeitrag vom 29.01.2012. Eventuelle spätere Veränderungen des Sachverhaltes sind nicht berücksichtigt.