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Denis Scheck empfiehlt ...

Haruki Murakami

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Denis Scheck empfiehlt ... Haruki Murakami | Video verfügbar bis 24.02.2019 | Bild[1]: WDR

Der japanische Autor Haruki Murakami ist ein Phänomen. Weltweit hat der 1949 in Kyoto geborene Murakmi mit seinen in schlichter Sprache, aber mit großer Raffinesse erzählten Romanen ein riesiges, meist jüngeres Publikum erobert, das jedem neuen Werk des öffentlichkeitsscheuen Autors frenetisch entgegenfiebert. In diesem Frühjahr ist es wieder soweit: "Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki" heißt der neue Murakami.

"Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki" von Haruki Murakami
"Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki" von Haruki Murakami | Bild: Dumont

Für Haruki Murakami, versiert in allen Spielarten der Science-Fiction und der Postmoderne, ist "Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki" ein eher konventioneller, aber keineswegs ein unbedeutender Roman. Im Gegenteil: Dieses im Vergleich zu seinen bis an die Grenze zur Bizarrerie phantastischen Werke der letzten Jahrzehnte stille und zurückgenommene Buch markiert eine Wasserscheide in seinem Oeuvre.

Wovon erzählt Murakumi in seinem neuen Roman?
Während seiner Schulzeit war der Titelheld Tsukuru Tazaki mit zwei Jungs und zwei Mädchen aufs Engste befreundet. Diese Freundschaft wird ihm mit Anfang 20 von einem Tag auf den anderen gekündigt. Tsukuru Tazaki stürzt daraufhin in eine kongoschwarze Depression, die ihn bis an den Rand des Selbstmords führt. Selbst 16 Jahre später ist Tsukuru Tazaki noch traumatisiert – so sehr, dass seine Geliebte darauf besteht, dass Tsukuru eine Recherche zu den Freunden seiner Vergangenheit unternimmt, quasi eine Pilgerreise zu sich selbst. Wir Leser begleiten ihn dabei, untermalt von Franz Liszts "Années de pèlerinage", der Leitmelodie dieses Romans.

Haruki Murakami
Haruki Murakami  | Bild: dpa

"Tsukuru" heißt als Verbum im Japanischen "etwas machen" oder "etwas herstellen" und natürlich haben wir mit dem Ingenieur Tsukuru Tazanaki eine japanische Version von Max Frischs "Homo faber" vor uns. Während Max Frisch die rationalistische Weltanschauungen seines Romanhelden an einem Inzest zerbrechen lässt, ist es bei Murakami eine lange zurückliegende Vergewaltigung.

Wie Murakami aus diesem Zusammenbruch eines Weltbilds erzählerisches Kapital schlägt und dabei souverän die heikle Balance zwischen Literatur und Lebenshilfe hält, ohne je in Kitsch abzugleiten, zählt zu den großen Lesefreuden dieses Frühjahrs. Also vertrauen Sie mir, ich weiß, was ich tue, und lesen Sie Haruki Murakamis "Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki", erschienen in der Übersetzung von Ursula Gräfe im DuMont Verlag.

Stand: 25.02.2014 15:58 Uhr

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