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Denis Scheck empfiehlt ...

Arno Schmidt

Denis Scheck empfiehlt ... Arno Schmidt | Video verfügbar bis 27.01.2019

Dies ist unsere hundertste Sendung, und ich finde, das ist ein guter Anlass, für einen Schriftsteller zu werben, der für mich der prägendste Autor meines Lebens ist und der in diesem Monat hundert Jahre alt geworden wäre: Arno Schmidt.

Das Wichtigste, was man an Arno Schmidt als Leser lernen kann, ist eine Haltung. Im Falle Schmidts eine Haltung bedingungsloser Hingabe zur Literatur – und radikaler Opposition zu allem Mächtigen und Populären seiner Zeit. Weil sich Schmidt durch die Nazis um seine Jugend betrogen sieht, entwickelt er eine Widerborstigkeit, die im persönlichen Umgang verstört, im verklemmten Dauergekusche des Adenauer-Deutschlands aber schlicht erlösend wirkt. Nachlesen kann man das im großen Arno-Schmidt-Lesebuch, das pünktlich zum Hundertsten im Fischer Verlag erschienen ist, herausgegeben von Bernd Rauschenbach, und in "Und nun auf, zum Postauto", der von Susanne Fischer und Bernd Rauschenbach besorgten Ausgabe seiner Briefe, die gerade im Suhrkamp Verlag erschienen ist.

Arno Schmidt
Arno Schmidt (Aufnahme aus den 60er-Jahren)

So kritisch hat kein anderer der westdeutschen Nachkriegsgesellschaft die Leviten gelesen, auf die Wunden von Wiederaufrüstung, deutscher Teilung und dem übergriffigen Einfluß der Kirchen aufs Kulturleben und die Politk hingewiesen. Das trug Arno Schmidt einen Prozess wegen Gotteslästerung und Pornographie ein. Aber Arno Schmidt war eben nicht bloß ein heller Kopf, sondern obendrein auch noch witzig. Seine Devise: "Intelligenz lähmt, schwächt, hindert? Ihr werd't Euch wundern! Scharf wie'n Terrier macht se!"Arno Schmidts sinnige Sentenzen, Kalauer und Pointen sind selbst da noch gut, wo er irrt: ob er die Beatles als "Krampfhennen" bezeichnet oder die Provinz gegen die Metropole verteidigt: "Und was heißt schon New York? Großstadt ist Großstadt; ich war oft genug in Hannover."

"Das große Lesebuch" von Arno Schmidt
"Das große Lesebuch" von Arno Schmidt

Es geht in der Literatur nicht ums Rechthaben, es geht um eine andere Sicht der Wirklichkeit. Wie jeder gute Autor wendet Arno Schmidt uns Lesern mit sanften Ohrfeigen den Kopf und zwingt uns in eine Richtung zu sehen, in die wir ohne ihn nicht geguckt hätte. Feiern Sie also mit uns und Arno Schmidt den Hundertsten, beschenken Sie sich selbst und lesen Sie den bedeutendsten deutschsprachigen Nachkriegsautor Arno Schmidt.

Stand: 27.01.2014 12:51 Uhr

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Diese Sendung wurde vom
Hessischen Rundfunk produziert.