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Claudio Magris: "Verfahren eingestellt"

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Claudio Magris: "Verfahren eingestellt" | Video verfügbar bis 02.07.2022

Eine aufgelassene Reisfabrik in Triest, die Risiera von San Sabba, wurde 1943 von der SS in das einzige Konzentrationslager Italiens umgebaut, einen Ort der Folter und des Mords. Daraus wird später, das erzählt dieser Roman,  das "Kriegsmuseum zum Zwecke des Friedens", der Obsession eines einzigen Mannes folgend. Das Museum brennt ab, und Luisa soll es rekonstruieren, die Reste sicherstellen, Notizen, Unterlagen, Dokumente, Fotos auswerten. So entfaltet sich ein grelles Panorama aus Tötungswerkzeugen, Biografien, merkwürdigen Begebenheiten, Reisen, Nachbarschaften, aus Schuld, Liebe und Verrat.

"Die Dunkelheit jener Brandnacht – dunkel nur für die Justiz, für ihn selbst ein königliches Lichtermeer, das Freudenfeuer eines Herrschers, der seine Erhabenheit zur Schau stellt, indem er all sein Hab und Gut und darüber hinaus sein ganzes Sein ins Feuer wirft – war für ihn ein göttlicher Scheiterhaufen gewesen, das letzte Abendrot des kosmischen Äons des Bösen, des Kriegs, des Mordens. Er hatte vielleicht gar nicht gelitten in diesem Sarg, in dem er für gewöhnlich mit einem deutschen Stahlhelm auf dem Kopf und einer Samuraimaske über dem Gesicht schlief. Wahrscheinlich hatte ihn der Rauch im Schlaf erstickt, ehe ihm die Flammen etwas anhaben konnten."

Claudio Magris: "Verfahren eingestellt" (Hanser Verlag)
Claudio Magris: "Verfahren eingestellt"

Der Essayist, Wissenschaftler und Erzähler Magris präsentiert uns hier keinen reißerischen Plot, sondern einen magischen, irrlichternden Erzählkosmos, in dem die Höhen und Tiefen der menschlichen Existenz vermessen werden: Von Triest aus, der Hafenstadt mit ihrer oft verwirrenden österreichisch-italienischen Geschichte. Als Germanistikprofessor ist Magris dabei präzis, unendlich belesen, umfassend gebildet, als Italiener aber auch temperamentvoll, sprunghaft, ohne Angst vor Pathos. Immer fesselnd ist seine Sprache, assoziativ, poetisch, voller Klang. Ein großes Buch!

Claudio Magris, 1939 geboren, lebt in Triest. Er war dort Professor für Deutsche Literatur und wurde als Autor zahlreicher Bücher u.a. mit dem Premio Strega und dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet.

Stand: 02.07.2017 18:00 Uhr

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