SENDETERMIN So, 29.04.18 | 23:35 Uhr | Das Erste

David Schalko: "Schwere Knochen"

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Lustig über Konzentrationslager schreiben, darf man das? Vergnüglich sich ausbreiten über die Technik des schnellen Halsstichs, den Gebrauch der Maschinenpistole oder die tödliche Notwehr? Klar, wenn man Österreicher ist! Und vor allem: Wenn man es kann. Also: Gibt es einen Unterschied zwischen Mensch und Tier? Und wie wird aus ein paar wendigen Kleinganoven aus der Vorstadt eine Bande berüchtigter Schwerverbrecher? Das alles klärt der Wiener David Schalko exemplarisch anhand der Geschichte von Ferdinand Krutzler.

"Ferdinand Krutzler war damals der wichtigste Notwehrspezialist Wiens. Elfmal wurde er wegen tödlicher Notwehr freigesprochen. Nur am Schluss hatte er es übertrieben. Da saß er inmitten des gefürchteten Bregovic-Clans. Bloß waren die sonst so lauten Jugoslawen ganz still. Das Einzige, was man hörte, war ihr Blut, das auf den Boden tropfte. Es war Notwehr, hatte der Krutzler geflüstert. Dann hatte er seine Pistole vor sich auf den Tisch gelegt und seelenruhig auf seine Verhaftung gewartet."

Ein Sittenbild der Nachkriegsgesellschaft

Cover von David Schalkos Buch: "Schwere Knochen"
Cover von David Schalkos Buch: "Schwere Knochen" | Bild: Kiepenheuer & Witsch

So fangen gute Geschichten an. Schwarz, böse, tödlich. Ein Kriminalroman, natürlich, und ein alpenländischer dazu. Man konnte also hoffen, dass sich hier der schnoddrig-schräge Humor eines Wolf Haas mit der kalten Bosheit eines Thomas Bernhard mischt: Und so ist es auch. Nur dass Schalko darüber hinaus seine Figuren auch noch erbarmungslos psychologisch auslotet und uns in einem faszinierenden Bogen vom kläglichen Muff der Wiener Vorstadt bis zum brutalen Paradeprunk der Nazis das Leben zerstörter Seelen erzählt: Ein Sittenbild der österreichischen Nachkriegsgesellschaft, ein beunruhigendes Lehrstück und ein großer Roman!

David Schalko, geboren 1973 in Wien, schrieb Gedichte, ehe er als vielgelobtes Wunderkind des österreichischen Fernsehens preisgekrönte Formate wie die "Sendung ohne Namen" oder die Serie "Altes Geld" drehte.

(David Schalko: "Schwere Knochen". Kiepenheuer & Witsch Verlag)

Stand: 29.04.2018 23:35 Uhr

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Bayerischer Rundfunk
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