SENDETERMIN So, 29.01.17 | 23:35 Uhr | Das Erste

Denis Scheck empfiehlt Jonas Lüschers Roman "Kraft" (C.H. Beck)

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Denis Scheck empfiehlt Jonas Lüschers Roman "Kraft" | Video verfügbar bis 29.01.2022

Es ist eine Geschichte über einen Mann und eine Million Dollar, die einen gleich mit Haut und Haar ergreift und regelrecht hineinsaugt in die existentielle Bredouille unseres Helden. Richard Kraft heißt die Titelfigur im Roman des jungen Schweizers Jonas Lüscher. Richard Kraft ist ein akademischer Überflieger: Nach Doppelpromotion in Philosophie und Germanistik erringt er um die Jahrtausendwende den Lehrstuhl für Rhetorik, der einst für Walter Jens in Tübingen eingerichtet wurde.

Seine glänzende Karriere an der Uni hat Professor Kraft im Widerstreit mit dem linken Mainstream der 80er und 90er Jahre gemacht. Statt Habermas, Foucault und Derrida hat er energisch Partei ergriffen für die Weltanschauung eines Ronald Reagan und vor allem einer Margaret Thatcher: Krafts Mantra hieß Martkliberalismus, Trickle-down-Theorie, angebotsorientierte Wirtschaftspolitik und nicht zuletzt Thatchers Zweifel, ob es so etwas wie die Gesellschaft überhaupt gibt.

Cover des Romans "Kraft" von Jonas Lüscher
Der Roman "Kraft" von Jonas Lüscher

Philosophische Preisfrage

Richard Krafts eigener gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Spielraum ist zum Zeitpunkt, als wir Leser ihn kennenlernen, denkbar gering. Fünf Kinder aus zwei Ehen und einer dritten Beziehung lassen selbst von einem ordentlichen Professorengehalt wenig übrig. Zudem ist Krafts zweite Ehe nach 14 Jahren am Ende, der Treibstoffvorrat der Beziehung restlos aufgebraucht. Da kommt ihm die Einladung eines spleenigen Silicon-Valley-Milliardärs gerade recht: Dieser setzt für die Beantwortung einer philosophischen Preisfrage eine Million Dollar aus. Die Frage lautet: "Why whatever is, is right and why we still can improve it?" – "Wieso ist alles, was ist, richtig, und warum können wir es noch verbessern?"

Kann ein deutscher Professor wirklich so viel amerikanischen Optimismus aufbringen? Seine Noch-Ehefrau in Tübingen gibt Kraft einen guten Rat: "Geh, gewinne, bring uns das Geld nach Hause, damit wir alle wieder unsere Freiheit haben." 14 Tage gibt sich Kraft in Kalifornien, um einen preiswürdigen Essay zu verfassen. Die Uhr tickt unablässig in diesem Roman. Für den mittelalten Mann in der Falle seiner Bedürfnisse. Für die Lösung der akademischen Preisfrage in dieser ätzend satirischen Campus Novel. Und für Deutschland und die USA, die immer weiter auseinanderdriften. Also vertrauen Sie mir, ich weiß, was ich tue, und lesen Sie Jonas Lüschers Roman "Kraft", erschienen bei C.H. Beck.

Stand: 25.02.2017 14:35 Uhr

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Diese Sendung wurde vom
Norddeutschen Rundfunk produziert.