SENDETERMIN So, 07.09.14 | 23:59 Uhr

"Die Bienen" von Laline Paull

von Laline Paull

PlayDenis Scheck und Laline Paull
"Die Bienen" von Laline Paull | Video verfügbar bis 08.09.2019

Die Arbeits- und „Überwachungsbiene“ Flora 717 ist die Protagonistin in dem Debüt-Roman der jungen Britin Laline Paull. Eigentlich gehört Flora zur untersten Kaste in ihrem Bienenstock, doch besondere Begabungen und Eigenschaften weisen ihr schnell eine zentrale Funktion beim Überlebenskampf ihres Volkes zu. Der Leser lernt, wie ein Bienenvolk funktioniert und welche strengen Regeln dafür sorgen, dass dort ein reibungsloser Ablauf des Alltags möglich ist: „Arbeiten, Dienen, Gehorchen!“

Die Fruchtbarkeitspolizei

Während die Sammlerinnen für die Nahrung zuständig sind, sorgen „Priesterinnen“, „Hygienearbeiterinnen“ und die „Fruchtbarkeitspolizei“ dafür, dass das hierarchische System nicht angezweifelt wird und keine Krankheiten das Bienenvolk befallen. Denn: „Missbildungen sind böse“!

Flora 717 gelingt es, in dieser komplett systematisierten Welt, ihre Individualität zu bewahren und ihrer Sippe dennoch zu dienen. Ihr Schicksal zeigt die abgründige Seite eines Überwachungssystems, in dem man durch Zufall zur Staatsfeindin werden kann. Denn gegen das Gesetz gebiert Flora ein Ei und erlebt, was Mutterliebe bedeutet. Gleichzeitig beginnt für sie damit ein Kampf, für den sie alle ihre Kräfte mobilisieren muss.

Massenhynose und Imponiergehabe

Am Beispiel von Bienen und Drohnen erzählt Laline Paull  anrührend und augenzwinkernd zugleich von wachsender Umweltverschmutzung,  religiösem Wahn,  Massenhypnose und der Lächerlichkeit männlichen Imponiergehabes:

» Honig! polterte eine tiefe männliche Stimme. Sofort! (…)Und er plusterte seinen mächtigen Brustkorb, hob den Pelz auf seinem Kopf zu drei hohen Kämmen und verströmte so viel männliches Aroma, dass der Geruch ihn einhüllte wie eine Wolke. Einige Schwestern wurden ohnmächtig und manche (…)  klatschten spontan Beifall.«

Während es Flora 717 gelingt, sich als einfache Arbeitsbiene einen einflussreichen Platz im Machtgefüge des Bienenstocks zu sichern und vom patriarchalischen Auftreten der Drohnen zu emanzipieren, machen auch die Drohnen im Laufe der Geschichte eine Läuterung durch:

»Nicht ein Pollenkorn, nicht einen Tropfen Wasser haben wir eingebracht, von Nektar ganz zu schweigen. Keinen Finger haben wir gerührt, aber mit Forderungen waren wir immer schnell bei der Hand. Reinigt meine Haken, leckt meinen Unterleib. Bewundert mich, umsorgt mich (…) Verzeih mir.«

Tempo- und lehrreich!

Die temporeiche Fantasy-Geschichte aus der Welt eines Bienenstocks erscheint dem Leser merkwürdig vertraut. Auch im Kosmos des hierarchisch geordneten Bienenvolkes entscheiden Talente über den sozialen Aufstieg und die Chance zu Überleben - die Bereitschaft zum Widerstand hingegen über die Möglichkeit, totalitäre Systeme zu stürzen. Gleichzeitig lernen wir, wie auch in streng reglementierten Herrschaftsformen Liebe, Familiensinn, Solidarität und Gerechtigkeit lebbar sind.

»Der hinreissendste Roman über eine Biene seit Waldemar Bonsels’ vor 100 Jahren erschienener Biene Maja! Denis Scheck«

Stand: 02.10.2014 11:06 Uhr

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