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Fernando Aramburu: "Patria"

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Fernando Aramburu: "Patria" | Video verfügbar bis 28.01.2023 | Bild[1]: WDR

Ein Dorf in Nordspanien,  eine gespaltene Gesellschaft und ein mit Waffen ausgetragener Konflikt, der zwei Familien ins Unglück stürzt – Fernando Aramburu beschwört mit seinem Roman "Patria" die Zeit, in der Spaniens Volk durch den Terror der ETA zur Durchsetzung eines politisch autonomen Baskenlandes tiefe Wunden erlitt.

Sie sind die besten Freundinnen, Bitori und Miren erzählen sich jedes Geheimnis und fahren regelmäßig zum Bummeln nach San Sebastian, ihre Männer Txato und Joxian sind engste Vertraute, spielen Karten gegen den Rest des Dorfes und starten am Wochenende zur Radtour durch die baskischen Berge. Ihre Kinder kennen sich von Geburt an. Doch irgendwann geht ein Riss durch die Dorfgemeinschaft: Die einen wollen in Frieden als Basken und Spanier leben, die anderen kämpfen im bewaffneten Untergrund für die Unabhängigkeit eines sozialistisch geprägten Baskenlandes. Bitoris Sohn wird zum Auftragskiller der Terrororganisation "Euskadi Ta Askatasuna", kurz ETA genannt, Mirens Ehemann von der ETA auf offener Straße ermordet. Die Dorfbewohner feiern die Mörder der ETA als Helden, die Familie des Ermordeten wird gemieden, ist plötzlich isoliert und verlässt schließlich das heimatliche Dorf.

Die Spaltung der Gesellschaft

Cover von Fernando Aramburus Buch "Patria"
Cover von Fernando Aramburus Buch "Patria" | Bild: Rowohlt Verlag

Mit den Mitteln des Familienromans gelingt es Fernando Aramburu durch seine psychologisch und emotional eindringlich dargestellten Figuren an diese gesellschaftlichen Zustände zu erinnern und sie gleichzeitig zu analysieren: die Menschen, nach 40 Jahren Franco-Diktatur verschlossen, die Familien streng patriarchalisch geprägt, die baskischen Separatisten besessen vom Glauben, ein unterdrücktes Volk zu sein, die ETA-Mitglieder, sozialisiert in dem geistig-moralischen Klima der armen ländlichen Regionen, die Kirche scheinheilig und die Politiker unfähig, in diesem Konflikt zu vermitteln. Sie alle trugen zur systematischen Spaltung der Gesellschaft in Gut und Böse bei.

2011 hatte die ETA ihren fünf Jahrzehnte währenden Unabhängigkeitskampf mit fast 900 Todesopfern für beendet erklärt. Fernando Aramburu gibt nun den Opfern auf beiden Seiten dieses blutigen Partisanenkrieges eine Stimme. "Patria" ist ein Buch gegen den Hass und das Vergessen und ein Plädoyer für Vergebung und Versöhnung – auch wenn es noch lange dauern wird, bis alle Wunden verheilt sein werden.

Stand: 28.01.2018 23:35 Uhr

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So, 28.01.18 | 23:35 Uhr
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Produktion

Westdeutscher Rundfunk
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