SENDETERMIN So, 29.04.18 | 23:35 Uhr | Das Erste

Denis Scheck empfiehlt: Hideo Yokoyama: "64"

PlayYokoyama

Der Roman, den ich Ihnen heute empfehlen möchte, verströmt so nachtdunkle Hoffnungslosigkeit, wie man es nur einem düsteren Polizeithriller der Extraklasse verzeiht. Dieser Krimi stammt aus Japan, sein Autor heißt Hideo Yokoyama und sein Buch trägt als Titel nur eine Zahl: 64. Diese Zahl steht für das letzte Regierungsjahr des Kaisers Hirohito, der unfaßbar lange regierte: von Ende 1926 bis zu seinem Tod in der ersten Januarwoche des Jahres 1989, eben 64 Jahre lang. Und genau in diesen letzten Regierungstagen Hirohitos ereignet sich irgendwo in der japanischen Provinz in der sogenannten Präfektur D ein grausames Verbrechen: ein siebenjähriges Mädchen wird entführt und ermordert, der Täter entkommt mit dem Lösegeld.

Eine Geschichte über die schuldlos Schuldigen

"64" wird daraufhin zum Codenamen dieses ungelösten Mordfalls, der 14 Jahre lang unaufgeklärt bleibt. Längst ist die einst Hunderte von Ermittlern umfassende Sonderkommission auf eine Handvoll Beamte zusammengeschrumpft. Da kündigt der Chef der japanischen Polizei in Tokio überraschend eine Inspektion an: Ein Jahr vor der Verjährung des Falles will er die unbedingte Hingabe der Truppe zu demonstrieren. Wir erleben aus der Perspektive des Leiters der Pressestelle in der Präfektur D das Ränkespiel konkurrierender Abteilungen.

Cover von Hideo Yokoyamas Buch "64"
Cover von Hideo Yokoyamas Buch "64" | Bild: Atrium Verlag

Die Verwerfungen der japanischen Gesellschaft im Konflikt zwischen traditioneller und moderner Wertordnung, und nicht zuletzt die anrührende Tragik unschuldig schuldig gewordener Menschen. Vor allem lässt sich aus diesem packenden Roman aber erfahren, wie man Karriere macht. "Die Leute, die es bis an die Spitze schafften, die Durchkommer", schreibt Hideo Yokoyama, "waren die, die ihre Geheimnisse für sich behielten. In dem Moment, in dem man sie preisgab, ob nun die eigenen oder fremde, hatte man schon verloren." Und das trifft auf das Hauen und Stechen der Karrieristen in verkrusteten Institutionen in Japan wie im Rest der Welt zu. Also vertrauen Sie mir, ich weiß, was ich tue, und lesen Sie Hideo Yokoyamas "64", deutsch von Sabine Roth und Nikolaus Stingl, erschienen im Atrium Verlag.

Stand: 29.04.2018 23:35 Uhr

2 Bewertungen
Kommentare
Bewerten

Kommentare

Kommentar hinzufügen

Bitte beachten: Kommentare erscheinen nicht sofort, sondern werden innerhalb von 24 Stunden durch die Redaktion freigeschaltet. Es dürfen keine externen Links, Adressen oder Telefonnummern veröffentlicht werden. Bitte vermeiden Sie aus Datenschutzgründen, Ihre E-Mail-Adresse anzugeben. Fragen zu den Inhalten der Sendung, zur Mediathek oder Wiederholungsterminen richten Sie bitte direkt an die Zuschauerredaktion unter info@daserste.de. Vielen Dank!

*
*

* Pflichtfeld (bitte geben Sie aus Datenschutzgründen hier nicht Ihre Mailadresse oder Ähnliches ein)

Kommentar abschicken

Ihr Kommentar konnte aus technischen Gründen leider nicht entgegengenommen werden

Kommentar erfolgreich abgegeben. Dieser wird so bald wie möglich geprüft und danach veröffentlicht. Es gelten die Nutzungsbedingungen von DasErste.de.