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Denis Scheck empfiehlt Jack Vance

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Denis Scheck empfiehlt Jack Vance | Video verfügbar bis 22.05.2021

Können Sie sich eine Welt vorstellen, die ganz von Wasser bedeckt ist, ohne ein Fitzelchen Land: einen azurnen Planeten? Der Schriftsteller, den ich Ihnen heute vorstelle, ach was, von dem ich Ihnen vorschwärmen möchte, wäre in diesem August hundert Jahre alt geworden: Jack Vance heißt er, und der am 28. August in San Francisco geborene Schriftsteller konnte sich so was wie eine Wasserwelt ganz mühelos vorstellen.

Extrem trockener Humor

Denn für Vance galt Goethes berühmte Einsicht: "Schöpft des Dichters reine Hand, Wasser wird sich ballen." Jack Vance besaß als Schriftsteller unerschöpfliche Fantasie – und einen extrem trockenen Humor. Seine Romane sind ein einziges großes Fest der Sprache. Das merkt man auf der Mikroebene schon an den unglaublich barocken Namen: der typische Jack-Vance-Held heißt Apollon Zamp, Schaine Madduc oder eben Sklar Hast wie in dem Roman "Der azurne Planet".

Wabbli als Nachtisch

Auf der Makroebene stellt sich Jack Vance immer die Frage: "Was wäre wenn?" Jack Vance erzählt von Welten, deren Bewohner alle Masken tragen, von Gesellschaften, in denen die Sprache selbst zur Waffe wird, oder von einem Planeten, auf dem das Geld abgeschafft ist und eine so radikale Gleichmacherei herrscht, dass sie selbst vor der Küche nicht halt macht und sich die Menschen nur noch von drei Dingen ernähren: einer Einheitsnahrung namens Atz, einem Einheitsgetränk namens Söff und einem Einheitsnachtisch namens Wabbli.

Natürlich dauert es nicht lange, bis Wabbli zur neuen Universalwährung wird. In seinem Roman "Der azurne Planet" konstruiert Vance eine politische Parabel über eine Priesterkaste, die mit Hilfe eines gezähmten Riesenkrakens – im Roman "König Kragken" genannt – die Bevölkerung unterjocht und ausbeutet.

Jack Vance hat Leser weltweit. Mehr noch: er hat Fans. Zu diesen zählt Andreas Irle aus Bergneustadt-Hackenberg, der einen Verlag gegründet hat, um das Werk dieses Autors in schönen Leinenausgaben und neuen Übersetzungen zu veröffentlichen.

Der intergalaktische Heimatroman

Zum hundertsten Geburtstag hat er nun die Autobiographie "Gestatten, Jack Vance!" veröffentlicht. Im Eintrag der deutschen Wikipedia wurde Jack Vance einmal treffend als "Erfinder des intergalaktischen Heimatromans" gewürdigt, und wenn das keine treffende Bezeichnung für das ist, was ich gern lese, weiß ich's auch nicht.

Also vertrauen Sie mir, ich weiß, was ich tue, und lesen Sie Jack Vance, der drei Jahre vor seinem hundersten Geburtstag starb: der Roman "Der azurne Planet" und die Autobiographie "Gestatten Jack Vance", beide in der Übersetzung von Andreas Irle in der Edition Andreas Irle erschienen.

Stand: 29.08.2016 10:45 Uhr

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