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Robert Harris: "Dictator"

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Robert Harris: Dictator | Video verfügbar bis 28.11.2020

Wer etwas über Macht und Gewalt erfahren will und darüber, wie simpel und brutal Politik manchmal funktioniert, der braucht gelegentlich auch einigen Abstand zu seinem Gegenstand. Die Distanz von England nach Italien zum Beispiel. Und die Zeit von gut 2000 Jahren.

Mord und Totschlag im alten Rom

Robert Harris nimmt sich in seinem neuen Roman "Dictator", erschienen im Heyne Verlag, eine Schlüsselstelle in der Geschichte der Antike vor: Die Auseinandersetzung zwischen Marcus Tullius Cicero, dem größten Redner seiner Zeit, und Gaius Julius Caesar, dem mächtigsten Feldherrn Roms – 60 Jahre vor Christi Geburt. Cicero, vor kurzem noch Konsul, muss bei Nacht und Nebel aus Rom flüchten, um Verurteilung und Verbannung zu entkommen. Caesar unterwirft gerade Gallien, plant aber schon aus der Ferne die Alleinherrschaft über das römische Reich. Und das geht so:

Zitat aus dem Roman

»…die Wahlen werden verschoben."
"Warum?"
"Angesichts der gewalttätigen Unruhen in Rom."
"Welche gewalttätigen Unruhen?"
"Die, die Clodius anzetteln wird. Als Folge davon werden die Wahlen nicht vor dem Winter stattfinden. Dann ist die Zeit der Feldzüge in Gallien vorüber, und Caesar kann Tausende seiner Veteranen nach Rom schicken, die für seine Kollegen stimmen. Dann werden sie gewählt werden. (…) Natürlich wird auch Caesars Amtszeit als Prokonsul und damit sein Kommando in Gallien um weitere fünf Jahre verlängert. Das ist nur recht und billig."
"Das ist unglaublich…"
"Und am Ende seiner verlängerten Amtszeit wird Caesar nach Rom zurückkehren und sich selbst zum Konsul wählen lassen. Diesmal stellen Pompeius und Crassus ihre Veteranen zur Verfügung, die für Caesar stimmen werden. Das sind die Bestimmungen im Abkommen von Luca. Es wurde für die Dauer von sieben Jahren vereinbart. Pompeius hat Caesar versprochen, dass du dich daran hältst."
"Und wenn nicht?"
"Garantiert er nicht mehr für deine Sicherheit."«

Robert Harris – Dictator
Robert Harris – Dictator

Als wäre man im alten Rom dabei

So wird Cicero erpresst, und so geht Politik. Wenigstens im alten Rom. Robert Harris hat profund recherchiert. Er schildert die Verhältnisse dieser Zeit derart präzis und anschaulich, dass wir uns beim Lesen als Zeugen fühlen können.

Geschichte wird auf diese Weise Gegenwart. Und vielleicht, das ahnen wir, lernen wir damit auch etwas über unsere Zukunft. Auf jeden Fall aber nehmen wir mit, was Tiro, der Sekretär Ciceros, am Ende notiert: Von uns bleibt nur, was niedergeschrieben ist.

Über den Autor:

Robert Harris, geboren 1957 in Nottingham, war Reporter bei der BBC und Kolumnist bei der Sunday Times. Seine historischen Thriller sind meist internationale Bestseller.

Stand: 30.11.2015 09:06 Uhr

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