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Thea Dorn: "Die Unglückseligen"

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Thea Dorn: "Die Unglückseligen" | Video verfügbar bis 21.02.2021

Alter, Vergänglichkeit und Tod – muss das sein? Warum können wir nicht ewig leben? Thea Dorn setzt in ihrem neuen Roman eine Molekularbiologin an ein zentrales Thema, an dem die besten Köpfe in der Spitzenforschung bislang gescheitert sind: Warum ist das menschliche Leben spätestens mit 120 zu Ende?

Von Molekularbiologie bis zur Philosophie

Die Wissenschaftlerin ist bereit, sich mit Tod und Teufel einzulassen, um die Überschreitung dieser Grenze zu schaffen. Thea Dorn führt die Lesenden mit sicherer Hand nicht nur durch die unüberschaubaren Wirren der Molekularbiologie und Physik, sondern auch der Geschichte, der Literatur und der Philosophie.

Die Geschichte

Johanna ist Molekularbiologin in einem deutschen, international besetzten Hochleistungsinstitut mit überaus soliden Arbeitsregeln. Was sie antreibt zu ihrer Forschung zum Thema Alter und Tod ist die feste Überzeugung, dass die Menschen erheblich älter werden könnten als zurzeit. Und dass sie nicht auf ihrem Lebensweg schon frühzeitig den Beginn des Verfalls an sich erfahren müssten, im Alter dann auch nicht schlimmsten Krankheiten ausgesetzt sind, um schließlich viel zu früh zu sterben.

Es irritiert sie zu wissen, dass zum Beispiel schon bei ganz normalen Zwanzigjährigen täglich einige Tausend Nervenzellen absterben, ohne komplett wieder nachzuwachsen – schon in diesem Alter beginnt der körperliche Abbau. Bei Dreißigjährigen schon fängt eine Leistungsminderung des Muskelapparates an, später kommt ein vielfältiger Leistungsabfall von Lunge, Herz, Nieren und anderen Organen dazu, das Immunsystem wird laufend schwächer, jeder Schnupfen eine Gefahr. Gegen dieses Szenario des Schreckens will Johanna kämpfen.

Thea Dorn "Die Unglückseligen"
Thea Dorn "Die Unglückseligen"

Dreimal länger leben?

Sie ist sicher, dass das "biologische Maximum" – das durchschnittliche Lebensalter der Menschen – verdoppelt oder verdreifacht werden kann.

Beispiele in der Natur wie zum Beispiel Zebrafische, die verletzte oder abgetrennte Organe ersetzen, stärken Johannas Überzeugung: Regeneration ist möglich. Gelingen muss ihr die Übertragung derartiger Fähigkeiten auf den Menschen.

Als die Universitätsleitung ihren Ansatz "physiologische Regeneration beim Menschen einschließlich der Unterbindung der Zellalterung" als "ethisch nicht vertretbares Forschungsziel" ablehnt, wechselt sie zu einer US-amerikanischen Eliteuniversität. Hier findet sie die notwendige Forschungsfreiheit in einem großzügigen finanziellen Rahmen.

Versehen mit allen ethischen Freiheiten, sowie kompletter technischer und organisatorischer Ausstattung, kennt Johanna kein Problem mehr, was sie nicht überwinden kann. Mit ihrer überragenden Intelligenz, enormer Energie und hundertprozentiger Konzentration würde sie auch mit dem Teufel paktieren, wenn es ihn denn gäbe. In diesem Fall aber führt ihr Serendipity und schnelle Reaktion im richtigen Augenblick einen Partner zu, der nicht nur ihren Forschungsansatz versteht, sondern auch eigene Erfahrungen mit einbringen kann.

Der Stil

Thea Dorn führt die Lesenden mit sicherer Hand durch die für uns Laien unüberschaubaren Wirren nicht nur der aktuellen Molekularbiologie, sondern auch der Geschichte der Physik, der Literatur und nicht zuletzt der Philosophie. Letzteres war das Einzige, was sie als gelernte Philosophin aus dem Ärmel ziehen konnte. Alles andere erforderte von ihr "gewaltige Rechercheschlachten", die die Autorin bis zu Fragen der physikalischen Forschung im 18. Jahrhundert führte. Und wo Themen wie "Unsterblichkeit" und "Ewiges Leben" touchiert werden, ist Dr. Faustus mit im Bunde, der, in seinem Streben nach Erkenntnis, dem Teufel seine Seele verschreibt.

Die Autorin

Die Autorin ist ebenso tapfer und forsch wie ihre Heldin. Sie weiß sehr viel und wendet ihr Wissen an. Sie scheut weder Varianten der deutschen Sprache, noch aktuellste Anglizismen oder wissenschaftliche Termini – ganz zu schweigen von unerhörten Theoriegebäuden samt abenteuerlichen Verwicklungen. "Mir hingegen ging es in meinem Roman darum, alle Möglichkeiten der deutschen Sprache auszuschöpfen", sagt Thea Dorn über ihren Roman.

Thea Dorn (1970) schreibt Romane, Theaterstücke und Drehbücher, alles mit großem Erfolg. Sie ist ehemalige TV-Moderatorin von "Literatur im Foyer" und Grimme-Preisträgerin.

Stand: 22.02.2016 09:16 Uhr