SENDETERMIN So, 12.03.17 | 23:05 Uhr | Das Erste

Die Fragmentierung des Menschen in Farben und Striche

Eine Werkschau von Egon Schiele in der Wiener Albertina

Werkschau von Egon Schiele | Video verfügbar bis 12.03.2018

Nackt sein, entblößt, schutzlos. Wo beginnt das, Scham und Trieb und Tabu? Im Auge des Betrachters, im eigenen Kopf? Schiele hat den Körper – dieses seltsame Gehäuse – studiert.

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Werk von Egon Schiele

Die Art, wie ein Kind aus seinem Körper herausschaut. Oder dasitzt. Oder wie ein Kind aufhört, eines zu sein. Wie die Natur den Körper verändert, das Geschlecht modelliert und so Aufreizungen schafft, die Menschen unweigerlich zueinander hintreiben.

Schieles Blick auf das Körperliche

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Schiele interessiert das Individuelle

In Wien hat man zum bevorstehenden 100-jährigen Todestag die bedeutende Schiele-Sammlung ausgepackt und es zeigt sich: Schiele ist immer noch radikal angesichts des Schönheits- und Körperkultes unserer Tage. Hässlich oder schön ist für ihn keine Kategorie, dafür das Individuelle, vor allem aber interessiert ihn unser besetzter, verlogener Blick auf alles Körperliche und Hinfällige.

Was ist der Mensch, fragt die Kunst

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Egon Schiele stilisiert - in keiner Rolle ist er echt

Sein eigener Körper: ein schmaler Fleisch- und Knochenstamm, der sich in die Höhe reckt, verdrehte Arme, Grimassen. "Als würde er gegen die Wand aus Fleisch ankämpfen", hat ein Kritiker über Schieles Bilder geschrieben. Was ist der Mensch, fragt die Kunst und woran grenzt er? Der Künstler übernimmt verschiedene Rollen, ist aber in keiner mehr echt. Stilisiert sich als Bürgerschreck oder mit der Geste eines segnenden Christus: als Heilsbringer mit Heiligenschein.

Schiele und die Frauen, der Künstler, sein Modell, Delikates, Intimes. Aufregend ist, wie Schiele seine Frauenakte isoliert, in die Luft hängt, auch mal kopfüber signiert, immer auf Raumperspektive verzichtet, und alles  weglässt, was Körper trägt oder stützt.

Grundlos ins Nichts geschraubt

Der Mensch ist ein pulsierender Körper. Schiele malt den Kämpfer ohne Waffe. Grundlos ins Nichts geschraubt. Oder einen Cellospieler ohne sein Instrument.

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Fotografie von Egon Schiele

Ein Mann zieht sich aus, wählt das Nackte. Das war für Schiele Freiheit. Entblößt von fragwürdigen Werten, Materialismus, Schein, Ideal. Der Titel des Bildes: Erlösung. Der Mensch und seine Existenz eine Frage, auf die die Welt keine Antwort hat.

Autorin: Angelika Kellhammer

AUSSTELLUNG
"Egon Schiele"
Albertina Wien
bis 18. Juni 2017

Stand: 12.03.2017 21:08 Uhr

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So, 12.03.17 | 23:05 Uhr
Das Erste

Produktion

Diese Sendung wurde vom
Bayerischen Rundfunk produziert.