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Das Filmfestival Sarajevo

Das Filmfestival Sarajevo | Video verfügbar bis 13.08.2018

Bosnien-Herzegowina gilt als ein Land, in dem die Gesetze der Logik keine Gültigkeit besitzen. Es leidet unter korrupten Politikern, geistlichen Autoritäten, die sich dem Nationalismus verschrieben haben und unter der anhaltenden Bedrohung durch den serbischen Nachbarn. Ein Versuch, dieses gespaltene Land zu einen, ist das Filmfestival Sarajevo, das am 11. August beginnt. Denn in der Kunst, so scheint es, spielt es keine Rolle, woher jemand kommt, sondern wer jemand ist. "ttt" trifft Filmemacher, spricht mit den Initiatoren des Festivals, das schon zu Kriegszeiten gegründet wurde und sucht nach dem, was das Land zusammenhält.

Filmfestival in Sarajevo

Sarajevo in dieser Woche – wenige Stunden vor der Eröffnung des Filmfestivals – ein Festival, dass sich behauptet hat – erst im Krieg, dann in den harten Jahren danach. Als das Festival gegründet wurde, war Elma Tataragic 18 Jahre alt. Heute ist sie selbst Filmemacherin und für die Filmauswahl zuständig: Sie ist von Anfang an dabei und weiß wie wichtig dieses Festival ist. "Vor 10 bis 15 Jahren spielten die meisten Filme, die sich  mit Krieg beschäftigten, direkt im Krieg oder knapp danach – es wurde die Frage aufgeworfen: Wer hat angefangen? – Jetzt geht es um die Gegenwart, und vor allem um Fragen, wie wir weiter leben können.", so die Filmemacherin.

Der Film "Men don’t cry"

Eine der erfolgreichsten Filmemacherin Bosniens ist Jasmila Zbanic. Mit Regisseur Alen Drljevic produzierte sie den außergewöhnlichen Film "Men don’t cry" (Männer weinen nicht), der nun zu sehen ist. Die Geschichte passt hierher – Kriegsveteranen aus Serbien, Kroatien und Bosnien  – ehemalige Feinde –  gehen gemeinsam in Therapie.

Der Krieg hat seine Spuren hinterlassen

Der Krieg hat viele Wunden in der Stadt hinterlassen. Das Land leidet unter korrupten Politikern und geistlichen Autoritäten, die sich dem Nationalismus verschrieben haben. Viele kämpfen ums Überleben und fühlen sich von Europa allein gelassen. Früher wollten alle irgendwie dazu gehören, das änderte sich in Zeiten der Belagerung als in Sarajevo tausende Opfer beklagt wurden und Europa zuschaute. Nihad Kresevljakovic hat die Belagerung dokumentiert – und beobachtet bis heute kritisch, wie sich sein Land entwickelt: "Da gibt es keinen großen Unterschied zwischen den korrupten Politikern von heute in Bosnien-Herzegovina und diesen Menschen, die damals uns umgebracht haben. Das Böse ist um uns herum und es ist einerlei, ob sie die Menschen mit Gewehren erschießen, oder ihnen ihre Würde nehmen."

Für Elma Tataragic ist es eine Frage der Korruption – der Politik und der Macht: "Wir leben sozusagen in einem Game of Thrones – wie in einer Fernsehserie. Der Nationalismus – und die Frage von Nationalität und Identität werden in brutalster und banalster Weise missbraucht."

Es geht um gute Geschichten

Gegen diese Tendenzen behaupten sich das Festival und seine Macher. Hier spielt es keine Rolle, ob jemand aus Serbien, Kroatien, Slowenien oder Bosnien kommt, hier geht es darum, miteinander im Gespräch zu bleiben und gute Geschichten zu erzählen. "Erstens sind wir einfach Geschichtenerzähler und haben eine lange Tradition darin  auch im Film  – und zusätzlich produziert der Krieg mit seiner großen emotionalen Wucht, viele Geschichten – unsere Filme sind Dramen und wir haben ja viel Drama in unserem Alltag.", Jasmila Zbanic.

Autorin: Maria Seifert

Stand: 13.08.2017 22:14 Uhr

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